Nicht-abrahamitische Religionen

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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Munro » Fr 13. Apr 2018, 19:25

Wenn die katholischen Heiligen den Bibelchristen als Beweis für Polytheismus gelten, dann sage ich: "Es lebe der Poly-Theismus!" :engel:

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Novalis
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Novalis » Fr 13. Apr 2018, 19:53

Munro hat geschrieben:Wenn die katholischen Heiligen den Bibelchristen als Beweis für Polytheismus gelten, dann sage ich: "Es lebe der Poly-Theismus!" :engel:


Den Iren liegt die Ketzerei im Blut :lol:


Er ist es, Der die Ruhe (al-sakina) in die Herzen der Gläubigen sandte (Sure 48,4) As-salâmu ‚alaikum – Der Frieden sei mit Ihnen!

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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Munro » Fr 13. Apr 2018, 19:55

Novalis hat geschrieben:Den Iren liegt die Ketzerei im Blut :lol:


Du sprichst von Saint Patrick?
Er war ja eigentlich ein Brite, ein römischer Waliser, sozusagen. :)

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Novalis
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Novalis » Fr 13. Apr 2018, 20:14

Mirjam hat geschrieben:
Novalis hat geschrieben:Schon vor 1400 Jahren lehrte der Koran, dass Gott zu allen Völkern Propheten schickte, weshalb alle Religionen und der Glaube aller Menschen von einer gemeinsamen göttlichen Religion abstammen. Die Menschen verzerren und entstellen jedoch die reine Lehre der Propheten immer wieder, was die zahlreichen Unterschiede erklärt.
(...)
Eine islamische Überlieferung besagt, dass im Laufe der Geschichte 124 000 Propheten erschienen sind. Alle diese göttlichen Boten lehrten den Glauben an den Einen Gott. Da sie zu allen Völkern gesprochen haben, kann sich niemand herausreden. Muslime glauben daran, dass Gott schlußendlich Muhammad aussandte, um die göttliche Botschaft und die gesamte Prophetenreihe zu „besiegeln“.
Einerseits ist es sehr schön, dass die Lehren anderer Völker nicht einfach verworfen werden, sondern anerkannt wird, dass auch dort Wahrheit zu finden ist.
Andererseits ist es aber auch ziemlich diskriminierend


Stimmt wohl. Doch sachlich gesehen ist Diskriminierung (im Sinne von Unterscheidungsvermögen) unumgänglich. Bei manchen Menschen ist es feiner und bei anderen eher gröber ausgebildet, um es mal diplomatisch zu formulieren :) manche Zeitgenossen sind eben im Denken ein bisschen grobstofflich.

Denn es wird ja doch alles durch die Brille des Islam betrachtet - die Elemente, die ins islamische Konzept passen, werden gelobt. Die Elemente, die nicht hineinpassen, werden als "verzerrt und entstellt" verworfen.
Der Monotheismus wird naturgegeben als "höchste" Form der Religion angenommen.


Ja, das ist der Gedankengang. Die Ironie der Geschichte besteht wohl darin, dass sich auch im Islam im Laufe der Zeit alle möglichen Verzerrungen eingeschlichen haben. Was heute in sogenannten islamischen Ländern passiert, hat nicht mehr viel mit Muhammads Vision zu tun. Auf dem islamischen Wissensportal alrahman.de wird das sehr ausführlich erklärt. Der sogenannte Mislam (Mainstream-Islam) enthält alle möglichen unsinnigen Dogmen und alle gebildeten Muslime wissen das sehr gut. Das Problem: weite Teile der islamischen Welt sind ungebildet, was eine Aufklärung verhindert.

Gewagt, Novalis, gewagt! Ich widerspreche!
"Der ewige Geist" der "über der Materie steht", das ist meiner Meinung nach schon eine sehr monotheistisch geformte Denkweise.


Deine Aussagen erinnern mich an Armin Risis Konzept eines radikalen Mittelwegs zwischen Monotheismus und Atheismus. Er nennt diesen Mittelweg „Theismus“. Kann es sein, dass Du ihn gelesen hast? Sein.de: Theismus der radikale Mittelweg dort findest Du eine Erklärung seines „Theistischen Manifest“. Seine These ...

Atheismus und Monotheismus sind Aspekte einer tiefen philosophischen Spaltung, welche die Menschheit seit nun mehreren tausend Jahren begleitet.


Atheismus ist für ihn nur die andere Seite des Monotheismus.

So wie jede Spaltung zwei Hälften erzeugt, erzeugt der „spaltende Geist“ (das Bewusstsein, das zu Kriegen, Gewalt und Ausbeutung führt), zwei gegensätzliche, sich bekämpfende Seiten: Atheismus und Monotheismus. Atheismus umfasst das breite Spektrum von Materialismus bis Monismus. Monotheismus ist von Theismus zu unterscheiden. Atheismus und Monotheismus sind die beiden Seiten derselben Spaltung und sind deshalb einseitig und somit halbwahr. Der Theismus ist ein Mittelweg, der in Bezug auf die genannten Weltbilder „radikal“ ist, denn er postuliert ein ganzheitliches Weltbild, das über beide Einseitigkeiten hinausgeht.

[...]

Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, Theismus ist der Glaube an den absoluten Gott. Der „einzige“ Gott und der eine (= absolute) Gott sind nicht dasselbe. „Absolut“ bedeutet: nichtbedingt, allumfassend, ganz. Gott ist nicht nur abstrakte Einheit und neutrale Energie, sondern lebendige Einheit im Sinne von „Individuum“: ungeteiltes, ewiges, Sein und Bewusstsein (mit Willen, Liebe, und Gnade), weshalb auch die Teile Gottes individuell und ewig sind (individuell = „unteilbar; ungeteilt“; nicht in die materielle Polarität von Vergangenheit und Zukunft aufgeteilt = ewig). Das Absolute und das Relative, Einheit und Vielfalt, Energie und Bewusstsein, Gott und die Welt – wird das eine vom anderen getrennt und verabsolutiert, entstehen Einseitigkeiten und Halbwahrheiten.



Wenn ich Dich richtig verstehe, dann ist das dein Ansatz? Das Absolute und das Relative, Einheit und Vielfalt verstehe ich nicht als Gegensätze, sondern als die beiden Kehrseiten der allumfassenden göttlichen Wirklichkeit. Das ist für mich Tauhīd („Glaube an die Einheit Gottes“) da finde ich das Wort „Allah“ sehr passend, weil da im Deutschen das All/Alles mitschwingt. Er - der ebenso gut eine „Sie“ oder ein „Es“ ist
- ist nicht nur eins, sondern alles: das Ein und Alles.

Beides gleichzeitig :wave:
Er ist es, Der die Ruhe (al-sakina) in die Herzen der Gläubigen sandte (Sure 48,4) As-salâmu ‚alaikum – Der Frieden sei mit Ihnen!

Mirjam
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Mirjam » Fr 13. Apr 2018, 21:09

Rembremerding hat geschrieben:In jedem Menschen, in jeder Kultur und Religion finden sich Spuren des Göttlichen, des einen Gottes. Denn es ist seine Schöpfung und damit in der Wahrheit geschaffen. Diese Wahrheit mag in Raum und Zeit offener oder verdeckter dem Menschen erkennbar sein.
Wenn das deine persönliche Erkenntnis und religiöse Überzeugung ist, dann will ich das gerne akzeptieren.
Rembremerding hat geschrieben: Die religionsgeschichtliche Entwicklung zeigt auf...
...Wenn du es dagegen als objektive wissenschaftliche Erkenntnis darstellen willst dann erntest du meinen entschiedenen Widerspruch.

Rembremerding hat geschrieben: (...) zuvor durchläuft der Mensch den Totemismus und Animismus, inklusive Ahnenkult. (...) Der Monotheismus ist hier tatsächlich ein Fortschritt, denn all die Unwägbarkeiten der Elemente und selbst der Götter heben sich in einem allumfassenden und einen Sinn auf.
Parallel dazu finden sich in vielen Kulturen schon früh Ideen zum Schutz der Menschenwürde. Sie gipfeln im Christentum,(...)

Dieses Konzept einer "natürlichen Entwicklungslinie" vom Animismus über den Polytheismus hin zum Monotheismus halte ich für Blödsinn. Es diskriminiert lediglich andere Religionen, indem es sie als primitive, minderwertige Übergangsstadien bezeichnet.
Ohne dir selbiges unterstellen zu wollen, Rembremerding, aber manche Vertreter dieser Theorie sind m.M.n. aus dem selben Sumpf gekrochen wie die "Überlegenheit des weißen Mannes" im europäischen Kolonialismus.

Aber bleiben wir sachlich:
1. Wenn es in der Religion eine Art natürliche Fortentwicklung gibt, bei der der Mensch immer weiter in seiner Erkenntnis voranschreitet... Warum sträuben sich die Abrahamiten dann seit zwei Jahrtausenden gegen jegliche Weiterentwicklung, indem sie stur auf der "Wahrheit" ihrer alten Texte beharren? Ist das nicht ein Widerspruch? "Alles entwickelt sich natürlich weiter, hin zu unserem Monotheismus, aber dann muss Schluss sein und alles so bleiben wie es ist."??
2. Nicht-monotheistische Konzepte werden hier pauschal abgeurteilt, ohne jede Differenzierung, um welche Religion genau es sich handelt. Das ist, als ob ich das Christentum verurteile weil mir die Stellung der Frau im Koran nicht gefällt.
3. Darf man überhaupt den Wert oder das Niveau einer fremden Religion beurteilen? Ist das nicht eine unzulässige Herabwürdigung anderer Menschen, da man deren Fähigkeit zu Spiritualität und Erkenntnis in Frage stellt? (und hast du nicht selbst die Menschenwürde ins Spiel gebracht?)

4. Und nach welchen Kriterien könnte man das Niveau einer Religion oder eines theologischen Konzeptes bemessen?
Nach der Dauer ihres Bestandes vielleicht - dann treffen wir uns in 1500 Jahren wieder, so viel haben die polytheistischen Ägypter den Christen nämlich noch voraus.
Nach der Anzahl der Gläubigen? Gelten dann erzwungene oder politisch motivierte Konvertierungen, und was ist mit den Religionen, deren Konzept gar keine Missionierung vorsieht?
Nach den Taten, die in ihrem Namen vollbracht oder begangen wurden? Wohl eher nicht, denn dann versinkt der Überlegenheitsanspruch der Abrahamiten schnell im Blut all der Massaker im Namen Gottes.
Nach ihrer Wahrheit? Die ist nicht beweisbar, das kann jeder von sich behaupten.

Also wohl höchstens nach ihren moralischen Konzepten und ihrem Wert für die Menschen (beides aber auch eher schwammige, subjektive Konzepte).
Du schriebst dazu:
Rembremerding hat geschrieben:Negativ sind etwa die starken Bindungen, die dadurch entstanden sind, die sich in oft rigorosen Ritualen oder in einem menschenfeindlichen Opferkult zeigen.
Bindungen von wem an was? Bindung der Menschen an ihre Umwelt und an ihre Ahnen? Daran kann ich auf Anhieb nichts Schlechtes erkennen. Der logische Schritt zu "menschenfeindlichem Opferkult" entgeht mir.
Rembremerding hat geschrieben: Der Monotheismus ist hier tatsächlich ein Fortschritt, all die Unwägbarkeiten der Elemente und selbst der Götter heben sich in einem allumfassenden und einen Sinn auf.
Ich verstehe nicht von welchen Unwägbarkeiten du sprichst, kannst du das ebenfalls erläutern?

Rembremerding hat geschrieben: wo Gott selbst die Bindungen aufhebt, erlöst und einen Glauben an die Liebe in allen Bereichen des Lebens in Jesus Christus dem Menschen anbietet und damit auch dessen Freiheit und Würde achtet.
Meine Freiheit und Würde erkenne ich persönlich vielmehr im Konzept der Ma'at. Hier wird mir freier Willen, Urteilsvermögen und Selbstverantwortung zuerkannt, ich bin nicht automatisch als Sünder geboren, der der Erlösung durch göttliche Gnade bedarf. Gleichzeitig bin ich Teil einer Ordnung, die mich zur Hilfeleistung für Schwächere verpflichtet, mir aber ebenso die Hilfe durch Stärkere, auch durch die Götter, zusagt.

Rembremerding hat geschrieben: Religionsgeschichtlich ist dies außergewöhnlich und hat nichts mit der Glorifizierung des Christentums zu tun.
Sehe ich nicht so. Zentrale Elemente wie Ebenbildlichkeit, Liebe des Schöpfers zur Schöpfung, Erkenntnis von Gut und Böse, Gleichwertigkeit aller Menschen, Aufruf zu ethischem Verhalten, Nächsten- und sogar Feindesliebe. All das gibt es in der ägyptischen Literatur auch, da brauche ich keine Bibel für.
Ich vermute, andere Religionen haben ähnliches zu bieten, ich kenne mich da nur nicht so gut aus.

Rembremerding hat geschrieben: Der spirituelle Mensch muss und nur er kann beachten, dass es ebenso eine Heilsgeschichte des Menschen geben könnte.
Mag dies in der Philosophie als eine im Menschen selbst sich befindliche Anlage identifiziert werden, die fähig ist, sich fortzuentwickeln und über sich hinaus zu gelangen, so sagt das Christentum, dass auch dieses Voranschreiten nur im liebevollen Blick und in der Kraft des Schöpfers, des alleinigen Gottes in Jesus Christus und seiner dafür dienenden Kirche geschieht. Der Mensch bleibt damit nicht erneut auf sich selbst zurückgeworfen, sondern kann sich seinem (Beziehungs-)Wesen, seiner ureigensten Natur entsprechend in einem geborgenen Raum entwickeln: zu lieben und geliebt zu werden, gerade von jemanden in göttlicher Person, der eine Liebe setzt, die über den Menschen hinaus weist.
Hier wären wir dann wieder bei einer rein spirituell-religiösen Argumentation. Als solche finde ich den Gedanken an eine übermenschliche, göttliche Liebe sehr schön. Besonders dein Satz "Der Mensch bleibt damit nicht erneut auf sich selbst zurückgeworfen" gefällt mir - diese Erfahrung, angenommen und geliebt zu werden und in meinen dunkelsten Stunden nicht mit mir selbst allein zu sein, das hat mein spirituelles Erleben sehr geprägt.


liebe Grüße

Mirjam

Mirjam
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Mirjam » Fr 13. Apr 2018, 22:23

Novalis hat geschrieben:Deine Aussagen erinnern mich an Armin Risis Konzept eines radikalen Mittelwegs zwischen Monotheismus und Atheismus. Er nennt diesen Mittelweg „Theismus“.
[...]
[...] Monotheismus ist der Glaube an einen einzigen Gott, Theismus ist der Glaube an den absoluten Gott. Der „einzige“ Gott und der eine (= absolute) Gott sind nicht dasselbe. „Absolut“ bedeutet: nichtbedingt, allumfassend, ganz. Gott ist nicht nur abstrakte Einheit und neutrale Energie, sondern lebendige Einheit im Sinne von „Individuum“: ungeteiltes, ewiges, Sein und Bewusstsein (mit Willen, Liebe, und Gnade), weshalb auch die Teile Gottes individuell und ewig sind (individuell = „unteilbar; ungeteilt“; nicht in die materielle Polarität von Vergangenheit und Zukunft aufgeteilt = ewig). Das Absolute und das Relative, Einheit und Vielfalt, Energie und Bewusstsein, Gott und die Welt – wird das eine vom anderen getrennt und verabsolutiert, entstehen Einseitigkeiten und Halbwahrheiten..


Wenn ich Dich richtig verstehe, dann ist das dein Ansatz?
Nein, nur zu einem kleinen Teil.
Ich stimme zu, dass eine Gegenwart des Gottes in der Welt ganzheitlich und allumfassend gesehen werden muss. Aber es geht für mich nicht um die Vereinigung der Gegensätze im Absoluten, sondern vielmehr um eine Verehrung der Vielfalt und ein Anerkennen und Erforschen der Gegensätze.

Novalis hat geschrieben: Das Absolute und das Relative, Einheit und Vielfalt verstehe ich nicht als Gegensätze, sondern als die beiden Kehrseiten der allumfassenden göttlichen Wirklichkeit. Das ist für mich Tauhīd („Glaube an die Einheit Gottes“) da finde ich das Wort „Allah“ sehr passend, weil da im Deutschen das All/Alles mitschwingt. Er - der ebenso gut eine „Sie“ oder ein „Es“ ist - ist nicht nur eins, sondern alles: das Ein und Alles.
Beides gleichzeitig :wave:
Ich glaube, ich schrieb das schon einmal - wir haben die selbe Grundidee, ziehen daraus aber verschiedene Schlüsse. :D :D

Ich strebe nicht nach einer Abstraktion, und einer Annäherung auf die eine, große Einheit, die der Kern von allem ist. Vielmehr erfreue ich mich daran, dass ich viele und vielfältige Manifestationen des Göttlichen an verschiedenen Orten erkennen kann. Widersprüche sind dabei durchaus erlaubt. Es bereichert die Erkenntnis sogar, wenn man zwei sehr verschiedene Konzepte nebeneinander stehen und gelten lassen kann. Denn das menschliche Wissen ist ohnehin immer begrenzt und fragmentarisch.
Der Fixpunkt, der mir in dieser großen, chaotischen Welt den nötigen Halt gibt, ist die Ma'at, das ägyptische Konzept von Ordnung, Recht und Wahrheit. Nach der Ma'at bin ich für mein eigenes Handeln verantwortlich und muss mich nach meinen Kräften um das Gute bemühen. Die Sorge um das Große und Ganze, um den tiefsten Sinn des Seins und den Fortbestand der Welt, darf ich aber getrost in die Hände der Götter legen.

Ergibt das irgendwie Sinn?

liebe Grüße

Mirjam

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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon manden1804 » Sa 14. Apr 2018, 05:07

In j e d e m Menschen ist ein göttlicher Funke , denn er ist ja ein Kind Gottes .
Gott segne euch alle .

Rembremerding
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Rembremerding » Sa 14. Apr 2018, 09:12

Mirjam hat geschrieben:Wenn du es dagegen als objektive wissenschaftliche Erkenntnis darstellen willst


Genau so.
Dieser katholische User ist hier dauerhaft inaktiv

Mirjam
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitragvon Mirjam » Di 15. Mai 2018, 22:43

Guten Abend!

Ich nehme hier mal ein Zitat aus einem anderen Thema herüber, um nicht zu sehr OT zu gehen... hier passt es besser:

Novalis hat geschrieben: Das Wissen darum, dass wir eine Erde bewohnen, eine Menschheit sind und der eine unendliche Schöpfer das alles geschaffen hat, wir alle zusammen seine Diener, Kinder und die Statthalter Gottes auf Erden (khalīfa) sind, sollte ausreichend sein, um jenseits dogmatischer Differenzen eine gemeinsame Basis zu finden. Die Zukunft der ganzen Welt ruht in den Händen der Kinder Abrahams - Juden, Christen und Muslime
Da bin ich ganz bei dir. Aus meiner Sicht "von außen" überwiegen ohnehin die Gemeinsamkeiten.
Novalis hat geschrieben: und entweder kapieren sie jetzt wie groß ihre Verantwortung ist oder sie kapieren es nie. Falls das so sein sollte, dann können die Religionen einpacken, weil das ganze Konzept von Religion überholt ist. Oder (und an diesem Bewusstseinssprung gibt es keinen Weg vorbei, meiner Ansicht nach) wir gehen den nächsten gedanklichen Schritt und entwickeln ein universales Bewusstsein.


Bei dieser Weiterentwicklung könnte es sich durchaus lohnen, auch noch einmal einen Blick zurück zu werfen, und den einen oder anderen Aspekt älterer Theologie aufzugreifen.
Ich will hierzu ein längeres Textstück von Erich Hornung zitieren - denn ich könnte es in meinen eigenen Worten lang nicht so gut ausdrücken.
Es zeigt jenseits des von Novalis geforderten "universalen Bewusstseins" des Monotheismus ein theologisches Konzept auf, welches auf der Relativität göttlicher Offenbarung beruht.
Für diejenigen, die nicht alles davon studieren möchten, habe ich meine Lieblingssätze fett markiert.

Für den Ägypter kommt die Welt aus dem Einen, weil das Nicht-sein vor der Schöpfung Eins ist. Aber in seinem Werk differenziert der Schöpfer nicht nur die Welt, sondern auch sich selbst. Aus dem Einen geht die Dualität der "Zwei Dinge", geht die Differenzierung der "Millionen" Schöpfungsgestalten hervor (...) Nur die Wiederkehr des Nicht-seins hebt die Differenzierung wieder auf.
Indem Göttliches seiend wird, verliert es die absolute, ausschließliche Einheit des Anfangs.
Aber überall dort, wo man es anruft und kultisch betreut, tritt es als fest umrissene Gestalt auf, die für einen Augenblick alle Göttlichkeit in sich vereinen kann und sie mit keinem anderen Gott teilt. Auch der Mensch, der Gott begegnet, wird in der Begegnung zum Einen, der keinen mehr neben sich hat, sondern alles Menschsein verkörpert. Doch diese göttliche und menschliche Einheit bleibt stets eine relative, welche die wesenhafte Vielheit nicht ausschließt, die alle anderen Zugänge zum Wesen Gottes offenlässt.
(...)
Aus der Verehrung des Einen wurde die Verehrung des Einzigen. Die Welt der Götter wurde ausgegrenzt, und an die Stelle der Toleranz, des nie endenden Suchens trat die selbstgerechte Gewissheit der alleinigen Wahrheit, neben der alles andere zum Irrtum erklärt und im Extremfall gewaltsam verfolgt wird.
Diese neue Bewusstseinsstufe suchte sich selbst als absolut und endgültig zu setzen, bis sie in unseren Tage an sich irre wurde. Die "Umwertung aller Werte", die Nietzsche gefordert hat, vollzieht sich bereits. Als Glaubende und als Liebende gehen wir in der Absolutheit des Augenblicks auf, aber als Betrachter der Geschichte wissen wir, dass dem Seienden keine Endgültigkeit beschieden ist. Unerbittlich zerschlägt die Geschichte alle "ewigen" und "absoluten" Werte, entlarvt sie jeden absoluten Bezugspunkt, den wir setzen mögen, in seiner Relativität.
EINE Kirche, EIN Reich, EINE Gesellschaftsordnung für alle Menschen, der gleichmachende Zwang EINES Systems für alle - in solchen und in vielen anderen Absolutismen wurde ein Denken an absurdum geführt, das unter dem Gesetz der Einheit stand und keine Pluralität gelten ließ, das allzu leicht auch zu Intoleranz und Gewalt führte (...)
Alle Indizien deuten darauf hin, dass die menschliche Gesellschaft der näheren Zukunft eine pluralistische, undogmatische sein - oder dass sie NICHT sein wird. Sie wird in allen Bereichen die Vielheit der Möglichkeiten gelten lassen müssen, ohne die Eins als Grenzfall auszuschließen. Der dogmatischen Ideologien und der "absoluten Werte" wird sie, so vermuten wir, nach der Radikalkur des vergangenen Jahrhunderts gründlich überdrüssig sein.
Dass der Gottesglaube der Menschen von der neuerlichen Wandlung ihres Bewusstseins unberührt bleibt, ist wenig wahrscheinlich.
(...)
Die ägyptische Religion ist das Gegenbild einer "absoluten Religion", denn sie stellt die "Ewigkeitswerte", zu denen wir gerne aufsehen, in Frage und reißt unser Denken aus den allzu gewohnten Bahnen. (...)
Ägyptische Ontologie lehrt, dass die Welt des Ewigen, der Unsterblichkeit, eine nichtseiende Welt ist, die götterlose Welt vor der Schöpfung. Dieses unbegrenzte Pleroma regeneriert alles Seiende, auch die immer wieder jugendlichen Götter, aber es schmilzt auch alles Seiende zur Gestaltlosigkeit, zur ursprünglichen Undifferenziertheit ein. Der Aufbruch ins Ewige wäre für den Ägypter notwendig ein Aufbruch ins Nichtsein.
Diese Begrenztheit göttlichen Wesens, der auch Allgegenwart, Allmacht und "echte" Transzendenz fremd sind, zeigt uns ungewohnte, aber nicht auf Ägypten beschränkte Formen der Offenbarung.

Aus: Erich Hornung, "Der Eine und die Vielen", Darmstadt/Mainz, 2011 (7. Auflage)



liebe Grüße

Mirjam


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