Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Nichtchristen sind willkommen, wir bitten aber darum, in diesem Forum keine Bibel- und Glaubenskritik zu üben.
Andreas
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Andreas » Di 27. Jun 2017, 17:38

Aber erst, wenn Gott tot ist.

ThomasM
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon ThomasM » Di 27. Jun 2017, 20:34

Andreas hat geschrieben:Aber erst, wenn Gott tot ist.

Oder wenn er es verschenkt, um der Erbschaftssteuer zu entkommen.
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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Janina
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Janina » Di 27. Jun 2017, 21:29

ThomasM hat geschrieben:
Janina hat geschrieben:Ja, das ist es immer, was die Theologen draus machen. Aber ursprünglich heißt es: Auch der Bankert braucht Liebe.
Nein, das ist eine sehr moderne Äußerung.
So "modern" wie der Mensch. :roll:
Was aussieht wie Dummheit, ist vielleicht keine. Möglicherweise profitiert jemand davon, nur du bist nicht dabei.
http://www.4religion.de/viewtopic.php?p=161626#p161626
http://www.4religion.de/viewtopic.php?p=242349#p242349

Andreas
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Andreas » Di 27. Jun 2017, 21:43

Diese Erbschaftstheologie mit Erbsünde und Gottesreich erben ist mir einfach zu menschlich gedacht zu unlogisch und vor allem zu lieblos. Das ist das Denken von totgläubigen Sterblichen. Ich brauch das echt nicht für meinen lebendigen Glauben. Mein Herz ist mit dieser Denke und dieser Sprache nie erreicht worden. Ich hab keine Angst und lass mir keine Angst machen und folge der liebevollen Sprache, die mein Herz anspricht und nährt. Ich glaube nicht an den Herrn Jesus Christus sondern mit dem Nazarener an die Liebe.

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Münek
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Münek » Di 27. Jun 2017, 23:26

Zurück zum Threadthema "Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

(Ich zitiere aus dem sehr lesenswerten Büchlein des renommierten Theologieprofessors und Exegeten Willi MARXSEN mit dem Titel "Der Streit um die Bibel", S. 60, 61, der sich dieses Themas vor 50 Jahren in verständlicher Sprache angenommen hat):

"Gottes Sohn" im jüdischen Verständnis"

Im Judentum begegnet der Ausdruck "Sohn Gottes" in zwei- (oder drei-) facher Verwendung. Er kann einmal das Volk Israel bezeichnen (2. Mos. 4:22-23; Hos. 11:1) . Sodann kann auch der König diesen Titel tragen (2. Sam. 7:14). - Ob man in späterer Zeit - also in den letzten beiden vorchristlichen Jahrhunderten - auch den erwarteten Messias Sohn Gottes nannte, ist nicht sicher. Die außerbiblischen Texte aus der sogenannten spätjüdischen Apokalyptik sind hier nicht ganz eindeutig.

Die (letztgenannte) Unsicherheit braucht uns aber nun nicht zu beunruhigen, denn wir können ganz sicher feststellen, was ein Jude meinte, wenn er vom Sohn Gottes sprach. Er wollte damit die (für ihn) engste Verbindung des so Bezeichneten zu Gott zum Ausdruck bringen - und das ist eben die des Verhältnisses des Vaters zum Kind. Nun geht es hier um ein Vater-Sohn-Verhältnis besonderer Art.

Gott ist selbstverständlich nicht der "natürliche" Vater des Volkes oder des Königs; Volk und König haben natürliche Väter. Aber zu einem bestimmten Zeitpunkt hat Gott nach seinem freien Ermessen das Volk erwählt - und eben damit zu seinem "Sohn" gemacht. Entsprechendes gilt für den König. Besonders interessant ist in diesem Zusammenhang Psalm 2 (ein sogenannter Königspsalm), in dessen Vers 7 eine sogenannte "Adoptionsformel" begegnet:

"Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt." Diese Wendung wurde am Tag seiner Thronbesteigung über den erwählten König gesprochen - und eben damit wurde er GOTTES SOHN. Gottes Sohn wird man also nach jüdischem Verständnis durch "Adoption", durch einen von Gott ausgehenden Rechtsakt, durch eine Willenserklärung Gottes. Gott ruft in das Sohnes-Verhältnis hinein - und eben durch diesen Ruf kommt es auch zustande..

Man muss sich darüber klar sein, dass ein weitergehendes Verständnis der Gottessohnschaft im jüdischen Raum so gut wie undenkbar ist. Gottessohnschaft als Ausdruck physischer Abstammung des Sohnes von Gott - das wäre für die Juden eine Gotteslästerung gewesen, weil das nach ihrer Meinung Gottes Gottheit angetastet hätte. - So ist im jüdischen Sprachbereich das Verständnis von "Sohn Gottes"" einheitlich und eindeutig.


Fortsetzung folgt: "Gottes Sohn" im hellenistischen Verständnis. :thumbup:

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Münek
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Münek » Mi 28. Jun 2017, 00:16

Fortsetzung: Zitat aus dem Büchlein von Willi MARXSEN "Der Streit um Bibel", S. 61, 62.

"Gottes Sohn" im hellenistischen Verständnis.

Nicht so eindeutig ist das Verständnis desselben Begriffes im Bereich des Hellenismus, also in der griechisch sprechenden Welt. Zwar werden auch hier sehr oft Könige Söhne Gottes genannt (schon die alten Ägypter waren davon überzeugt, dass ihre Könige direkte Nachkommen des Sonnengottes waren) - doch ist der Begriff sehr viel verbreiteter.

Als Söhne Gottes galten alle möglichen Menschen, denen man irgendwie besondere Kräfte zuschrieb, die Wunder taten oder sonstige Machterweise vollbrachten. Nicht selten war es auch so, dass diese Menschen sich selbst den Titel "Sohn Gottes" beilegten. Wenn also ein Grieche hörte, dass jemand ein Gottessohn war oder von sich behauptete, das zu sein, dachte er dabei immer zuerst an einen Menschen, der Dinge tun konnte, die das Alltägliche weit überschreiten.

Gelegentlich dachte man dann auch darüber nach, wie denn diese Menschen Gottessöhne GEWORDEN waren. Bei diesen Überlegungen spielte aber die im Judentum begegnende rechtliche Seite überhaupt keine Rolle. Man führte vielmehr die Gottessohnschaft auf eine wunderbare Geburt zurück. Dann konnte man z.B. behaupten, dass dieser Gottessohn keinen irdischen Vater hatte; irgendeine Gottheit sollte dieses Kind mit einer irdischen Frau gezeugt haben - oder aber der Gott hätte durch seine Macht die Schwangerschaft der Frau bewirkt, die nun ohne Beteiligung eines Mannes zustande kam.

Handelte es sich hier um das erste Kind, sprach man dann von einer Jungfrauengeburt. - Das sind - wie gesagt - sehr verbreitete Vorstellungen im griechisch-hellenistischen Raum in neutestamentlicher Zeit. "Gottessohn" wird benutzt als Bezeichnung für einen Menschen, der außerordentliche Macht beweist; fragt man, wie es zur Gottessohnschaft kam, dann stellt man Überlegungen im Zusammenhang mit der Geburt an.

Man erkennt ja sofort, dass die jüdische und die griechisch-hellenistische Vorstellung von der Gottessohnschaft sehr weit auseinander gehen. Zwar ist ihnen gemeinsam, dass dieser Titel eine Ausnahmestellung seines Trägers ausdrückt, aber Zustandekommen und Art dieser Ausnahmestellung sind völlig unterschiedlich gedacht. Und nun meine ich, leuchtet ein, dass man sich nicht einfach auf die Behauptung der Gottessohnschaft Jesu zurückziehen darf, sondern man muss sagen, was man darunter versteht.


Fortsetzung und Ende folgt: "Der Gottessohn im Neuen Testament".

Andreas
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Andreas » Do 29. Jun 2017, 00:00

Es fällt mir nicht leicht, das zu sagen, aber ausnahmsweise warte ich auf einen Beitrag von dir. :oops: Wie konnte das passieren?

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Novalis
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon Novalis » Fr 30. Jun 2017, 05:53

Andreas hat geschrieben:Diese Erbschaftstheologie mit Erbsünde und Gottesreich erben ist mir einfach zu menschlich gedacht zu unlogisch und vor allem zu lieblos. Das ist das Denken von totgläubigen Sterblichen. Ich brauch das echt nicht für meinen lebendigen Glauben. Mein Herz ist mit dieser Denke und dieser Sprache nie erreicht worden. Ich hab keine Angst und lass mir keine Angst machen und folge der liebevollen Sprache, die mein Herz anspricht und nährt. Ich glaube nicht an den Herrn Jesus Christus sondern mit dem Nazarener an die Liebe.


Ja, die Osterbotschaft lautet in einem Satz verdichtet: die Liebe ist stärker als der Tod. Das ist die dauerhafte Botschaft des Auferstandenen, die wirklich sehr befreiend ist, wenn sie in der Tiefe des Herzens meditiert wird und eine innere Resonanz hervor ruft. Christus ist ein anderes Wort für unser Wahres Selbst.

Ihr Wahres Selbst ist jener Teil, der ewig lebt und wahrhaftig sieht. Es ist der göttliche Atem, der durch Sie hindurchgeht. Ihr Falsches Selbst ist jener Teil, der sich ständig verändert und irgendwann stirbt. (Richard Rohr)


Interessant ist es, wenn man die Lehre Jesu mit der Lehre des Buddha vergleicht. Im Buddhismus ist die Lehre von Anatta (Pali) oder Anātman (Sanskrit) absolut zentral, was übersetzt „Nicht-Selbst“, „Nicht-Ich“ bedeutet. Es geht dabei um das radikale Loslassen des falschen Selbst, jener Teil von uns, der flüchtig und vergänglich ist. Dieses falsche Selbst muss sterben, damit das Wahre Selbst leben kann. Davon sprach auch Jesus.

„Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen“ (Jesus)


Mit anderen Worten: wir müssen für den Blickwinkel des Ego und des falschen Selbst sterben, welches glaubt von Gott getrennt zu sein, um jenes ewige Leben zu entdecken, welches eins mit ihm ist. Dieses Leben in uns weiß: die Liebe hört niemals auf (1. Korinther 13,8) wir sterben in der Liebe von der Perspektive der Trennung und Abgetrenntheit (Ego) zur Einheit mit Gott. Die religiöse Metapher des auferstandenen Christus spricht nicht nur von einer Wahrheit der christlichen Religion, sondern von einer universellen Wahrheit, denn auch andere Religionen sprechen von der grundlegenden Erfahrung der Einheit mit Gott, die als Befreiung, Erleuchtung oder Erlösung bezeichnet wird. Wir können auf unendlich vielfältige und immer wieder neue und erfrischende Weise darüber sprechen. Doch Christen haben dabei einen ganz konkreten Ankerpunkt:

"Christus ist auferstanden - er ist wahrhaftig auferstanden"

Der Auferstandene ist das große Symbol der Befreiung. Er hilft uns zu sehen, dass Leben und Tod nicht zweierlei sind, sondern Teil eines Ganzen: wenn wir Sterben, dann schließt sich nicht eine Tür, sondern es öffnet sich eine Tür, wir gehen nicht ins Nichts, sondern in ein ewiges Leben. Mit diesem Verständnis im Gepäck können wir in diesem Universum zu Hause sein, sodass wir fortan mit einem nondualen Bewusstsein leben, welches die Ganzheit und Einheit allen Seins erkennt aus der wir genau so wenig heraus fallen können, wie eine Welle aus dem Meer. Der islamische Mystiker Rumi sagte es wunderbar: „Bevor es Garten, Weinstock oder Traube gab in dieser Welt, war unsere Seele bereits trunken vom Wein der Unsterblichkeit.“ :wave:

In diesem Licht erkennen wir einander als Söhne und Töchter Gottes.

Bild
Quelle
Ernst Jünger: Der Waldgang|„Auf alle Fälle führt die Hoffnung weiter als die Furcht“ ~ Ernst Jünger

nickelback92
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon nickelback92 » Di 13. Feb 2018, 08:49

ThomasM hat geschrieben:
Janina hat geschrieben:Ja, das ist es immer, was die Theologen draus machen. Aber ursprünglich heißt es: Auch der Bankert braucht Liebe.

Nein, das ist eine sehr moderne Äußerung.

Die Menschen im Altertum, insbesondere auch die Juden, verstanden unter Sohn primär die Bezeichnung eines Menschen mit rechtlichen Ansprüchen, also
- zu welcher Familie gehört er
- welche Rechte in Bezug auf Erbe hat er
- welche Rechte hat er als zukünftiges Oberhaupt der Familie innerhalb der Gesellschaft

Diese Sicht hat auch Paulus, wie z.B. aus dem Römer Brief erkennbar
Röm. 8,17
Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden


Der Begriff "Sohn Gottes" bezieht sich also auf einen Anspruch auf das Erbe und die Stellung, die Gott hat. Daher durfte Jesus auch Sünden vergeben.


Hallo,

Jesus durfte Sünden vergeben, ganz einfach weil er HERR und GOTT ist. Jesus ist Gott. Ich möchte mir eine Debatte ersparen & auch niemanden seiner Ansicht berauben, aber jeder der nicht glaubt das Jesus Gott ist, sollte sich doch bitte einmal tiefer damit beschäftigen:

http://jesus-die-wahrheit.de/ist-jesus-gott/

Was uns betrifft, wir die Gläubigen, sind Kinder Gottes. Die niemals wieder verloren gehen können. Amen

Lg

JackSparrow
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Re: Was bedeutet der Begriff "Sohn Gottes"?

Beitragvon JackSparrow » Di 13. Feb 2018, 17:22

Novalis hat geschrieben:„Wer sein Leben verliert, wird es gewinnen“ (Jesus)

Der Satz lautet "Wer seine Psyche retten will, der wird sie zerstören, doch wer seine Psyche zerstört wegen mir, der wird sie finden."

Das hat mit Buddha ungefähr so viel zu tun wie ein Karpfen mit einem Düsentriebwerk. Buddha war Philosoph und zu logischem Denken fähig. Warum hätte er sich auf das Niveau eines Jesus herablassen sollen...

Er hilft uns zu sehen, dass Leben und Tod nicht zweierlei sind,

Ein toter Goldhamster ist nicht das gleiche wie ein lebender Goldhamster. Ein Besuch in der nächstgelegenen Zoohandlung würde dir vielleicht helfen zu sehen, dass Leben und Tod zwei verschiedene Dinge sind.

In diesem Licht erkennen wir einander als Söhne und Töchter Gottes.

Ohne dieses Licht erkennt man die eigenen Mitbürgerinnen und Mitbürger als Söhne und Töchter ihrer jeweiligen weiblichen und männlichen Elternteile und braucht auch nicht die eigenen Eltern zu verleugnen - die Einen ja immerhin großgezogen haben und dafür eventuell ein wenig Respekt verdienen.


nickelback92 hat geschrieben:Der Begriff "Sohn Gottes" bezieht sich also auf einen Anspruch auf das Erbe und die Stellung, die Gott hat. Daher durfte Jesus auch Sünden vergeben.

Das dürfen seine Jünger auch. Aber die machens nicht, weil sie dann nichts mehr zu jammern hätten.


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