Alles Teufelszeug? IX

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Zeus
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von Zeus » Sa 21. Apr 2018, 08:51

Roland hat geschrieben: [Lindemann] spricht vom zweiten Kommen des Messias in Kraft und Herrlichkeit.
Münek hat geschrieben:Das entspricht NICHT den Tatsachen.
Ich habe das SPIEGEL-Interview mit dem Theologen Lindemann noch einmal gelesen. Nach seiner Auffassung hat sich Jesus weder für den Messias noch für den Sohn Gottes gehalten. Und über ein zweites Kommen des Messias verliert Lindemann kein Wort.
Roland hat geschrieben:Hab ich missverständlich formuliert.
So kann man es auch nennen, wenn man mit Unwahrheiten "argumentative" Punkte sammeln will.
e^(i*Pi) + 1 = 0
Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, noch nicht einmal existieren muss.
(Charles Baudelaire, frz. Schriftsteller, 1821-1867)

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sven23
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von sven23 » Sa 21. Apr 2018, 09:17

closs hat geschrieben:
Closs hat geschrieben: Der Glaube SCHAFFT nicht "Realität" (das geht gar nicht), sondern er glaubt an "Realität", die über das naturalistische Verständnis hinausgeht.
sven23 hat geschrieben:Eben, sag ich doch: der Glaube schafft sich eine eigene Realität/Wahrheit.
:?: :?: :?:
Das liegt doch auf der Hand. Glaubensdideologen erschaffen sich ihre eigene Wahrheit, oder das, was sie dafür halten, wie man an 42000 Konfessionen allein im Christentum sehen kann.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Von Glaubensideologen wird sie nicht geschätzt, denn die Ergebnisse sprechen gegen die Glaubensideologie
Moment: Das sind keine neutralen Sachergebnisse, sondern Interpretationen. - Wichtiger Unterschied.
Man muss unterscheiden zwischen apriori-freien Ergebnissen (2+2=4) und hermeneutischen Ergebnissen ("Jesus hatte eine Naherwartung im naturalistischen Sinne"). - Nur in der ersten Funktion ist die HKE für die Theologie verbindlich.
Nein, man muss vor allem unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Forschung und Glaubensideologie.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Eben, er propft auf die Ergebnisse seine Glaubensideologie auf und reißt damit mit dem Hintern ein, was vorne mühsam aufgebaut wurde. Insofern ist sein Bekenntnis zur historisch-kritischen Methode nur ein Lippenbekenntnis.
Falsch. - Die apriorifrei ermittelten Ergebnisse akzeptiert er, die hermeneutischen nicht - das ist etwas ganz Unterschiedliches.
Natürlich, aber sobald es um den historischen Jesus geht, der naturgemaß Hauptgegenstand der historischen Jesusforschung ist, bleibt ihm nur der Aufruf zum Glaubensentscheid, dass der kirchlich überlieferte Jesus der wahre sei. :roll:
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Wie jetzt? Zum Verständnis des Christentums muss man an einen thyrannischen Gott glauben?
Nein. :lol: - Es reicht schon, wenn man spirituelle Grundstrukturen begriffen hat.
Aber der AT-Gott ist ein Thyrann. Und es ist auch verständlich, da er seine "Karriere" als Kriegsgott begann.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Du solltest auch mal lesen, was man dir schreibt
Immer wieder gerne - deshalb erneut die Frage in anderer Formulierung: Wird aus den Texten ersichtlich, dass Jesus sich hat als Sündiger und zur eigenen Buße taufen lassen?
Man darf nicht so naiv sein und erwarten, dass die Schreiber ihre Irrtümer auch noch herausstellen. Im Falle der Naherwartung sagen sie nicht explizit, dass Jesus sich geeirrt hat, sondern sie schieben den gefälschten 2. Petrusbrief nach, in dem man einfach ein anderes, "göttliches" Zeitmaß postuliert usw.
Im Falle der Taufe Jesu durch seinen Lehrer Johannes den Täufer entstand in den Gemeinden Irritation darüber, dass sich der angebliche Sohn Gottes hat als Sünder taufen lassen, denn darum ging es ja in der Taufe.

Die erste Taufe, die im Neuen Testament erwähnt wird, ist die Taufe durch Johannes. Er erhielt deshalb den Beinamen „der Täufer“. Johannes vollzog die Taufe im Wasser des Jordan, sie war mit einem Sündenbekenntnis und mit der Umkehr (Buße) verbunden und geschah „als Zeichen der Umkehr“ (Mt 3,6 EU, Mk 1,4f EU, Lk 3,3ff EU); alles zusammen geschah „zur Vergebung der Sünden“ (Mk 1,4 EU).
Jesus ließ sich nach den übereinstimmenden Berichten der Evangelien von Johannes taufen.

Quelle: Wikipedia

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Es ist bekannt, dass die Glaubensideologen nichts mit den wissenschaftlichen Ergebnissen anfangen können.
Möglich, aber irrelevant. - Denn de facto gibt es in den großkirchlichen Theologien keine "Glaubensideologen", sondern nur hermeneutisch anders aufgestellte Theologen als es die HKE-ler sind.
Eben, deshalb sind es ja Glaubensideologen/Glaubensdogmatiker.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
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closs
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von closs » Sa 21. Apr 2018, 09:22

Münek hat geschrieben:Na bitte - geht doch. Hat jetzt aber lange gedauert, bis bei Dir der Groschen fiel. :clap:

Ich befürchte nur, diese Erkenntnis hält bei Dir nicht lange an.
O Mann - da muss man nur die ersten paar Zeilen von Hiob kennen, um das zu wissen. - Aber Du scheinst nicht zu verstehen, dass Satan von Gott als Antagonist eingesetzt ist.
Münek hat geschrieben: closs hat geschrieben:
Nein - er spielt auch im AT die Rolle des göttlichen Antagonisten.


Wusste ich es doch! Postwendend kommt der Rückzieher.
q.e.d. - Du verstehst es wirklich nicht.
Münek hat geschrieben:Auf gar keinen Fall tritt SATAN im AT als Antagonist (= Widersacher, Gegner) Gottes auf.
Nicht "Gottes Antagonist", sondern als als "Antagonist zum Guten". - Auch hier: Lies "Hiob" am Anfang - oder die David-Stelle mit der Volkszählung.
Münek hat geschrieben:Der Engel des Herrn, der den Propheten Bileam als göttlich beauftragter Hinderer (hebr. Satan) entgegentritt (4. Mose 22:22), ist doch kein Widersacher Gottes. :o
Bei dieser Stelle stellt sich der Engel des Herrn als Sperre in den Weg, den Bileam mit seinem Esel reitet. Damit wird der Engel des Herrn nicht zum "Hinderer" als personale Bezeichnung, sondern "hindert" Bileam im Wortsinn. - Mit anderen Worten: "Der Engel des Herrn" ist eine ganz andere Person als "der Hinderer" als bei "Hiob".
Münek hat geschrieben:Wenn Du mehr als die drei Bibelstellen kennst, die von Satans Aktivitäten berichten, dann mal raus mit der Sprache.
Num 22,22; 1Sam 29,4; 2Sam 19,23; 1Kön 5,18; 1Kön 11,14.23.25; Sach 3,1.2; Ps 109,6; Hi 1,6.7.8.9.12; Hi 2,1.2; 1Chr 21,1

Aber nach wie vor: Du hast recht mit Deiner Auffassung, dass der "Hinderer" im AT als Funktions-Größe Gottes, also nicht als als aus dem Ruder geratene Macht erscheint. - Dies wird im NT und vor allem in der Interpretation des NT überhöht.
Münek hat geschrieben:Solange die historisch-kritische Exegese diesen Anspruch NICHT erhebt - und das macht sie NICHT
Es wird auch hier im Forum sehr wohl dieser Eindruck erweckt.

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closs
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von closs » Sa 21. Apr 2018, 09:32

sven23 hat geschrieben:Das liegt doch auf der Hand.
"Eben" zu sagen und dann das Gegenteil dessen, wozu man gerade "eben" gesagt hat, zu begründen?
sven23 hat geschrieben:Nein, man muss vor allem unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Forschung und Glaubensideologie.
Kannst Du ja in Deinem Kämmerlein machen - aber das enthebt doch nicht der Unterscheidung zwischen sachlich-neutralen und interpretativ-hermeneutischen Ergebnissen.
sven23 hat geschrieben:aber sobald es um den historischen Jesus geht, der naturgemaß Hauptgegenstand der historischen Jesusforschung ist, bleibt ihm nur der Aufruf zum Glaubensentscheid, dass der kirchlich überlieferte Jesus der wahre sei.
Das ist halt SEINE Hermeneutik. - Andere rufen zum Glaubensentscheid auf, dass der säkular untersuchte Jesus im Sinne der HKE der wahre sei. - Da macht jeder sein eigenes Ding.
sven23 hat geschrieben:Aber der AT-Gott ist ein Thyrann.
Was ist ein "Tyrann"? - Dass Jahwe Alleinherscher ist? - Oder wie definierst Du das?
sven23 hat geschrieben:Man darf nicht so naiv sein und erwarten, dass die Schreiber ihre Irrtümer auch noch herausstellen.
Also ist es hinein-interpretiert. - Davon abgesehen: Dieses Thema ist wirklich interessant - selbst verständlich wird die Taufe Jesu seitens der Theologie interpretiert.
sven23 hat geschrieben:Eben, deshalb sind es ja Glaubensideologen/Glaubensdogmatiker.
Du wirst keinen halbwegs strukturiert denkenden Menschen finden, der Deinen Unterschied "Hermeneutik 1 = gut", "Hermeneutik 2 = glaubensideologisch" mitmacht.

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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von sven23 » Sa 21. Apr 2018, 09:42

Roland hat geschrieben: Genau und sobald die HKM von diesen wissenschaftlichen Teilbereichen in theologische Fragestellungen eindringt, also die Bibel auslegt, verlässt sie nach dieser Definition den Boden der Wissenschaft und macht Aussagen, denen Glaubensentscheide zugrunde liegen. Du machst Fortschritte! :thumbup:
Das ist doch eine Selbstverständlichkeit. Sobald die Forschung Glaubensbekenntnisse benötigen würde, wäre sie keine Forschung mehr. Dann befinden wir uns in der glaubensideologischen Abteilung.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:
Roland hat geschrieben: Die biblischen Texte handeln eben von A-Z von Gott.
Das tut der Koran auch und andere antiken Texte.
Richtig. Und wenn man den Koran auslegt, dann kann man es auch nur, entweder indem man diesen Gott für existent oder für nicht existent annimmt. Das sind jeweils Glaubenentscheide. Wissen kann man das nicht.
Deshalb läßt die Forschung den Glauben an Götter außen vor, im Gegensatz zu den Glaubensideologen. Nicht umsonst ist es in einige islamischen Ländern bei Todesstrafe verboten, den Koran historisch-kritisch zu untersuchen. Man ist an der historischen Wahrheit nicht wirklich interessiert.
Dieses Desinteresse findet man aber auch bei christlichen Glaubensideologen.
Roland hat geschrieben: Und die Vorannahme, "als ob es Gott nicht gäbe", ist ebenso nicht hinterfragbar. Bei der historisch-kritischen Bibel-Auslegung wird dieser Vorannahme alles untergeordnet. Die ideologische Voreingenommenheit ist auf beiden Seiten gleich.
Nein, weil man mit Glaubensbekenntnissen alle Götter zirkelreferent bestätigen kann, bringt das keinen Erkenntnisgewinn.
Roland hat geschrieben: Und zwar glaubensideologisch. Bultmanns "Auferstehung ins Kerygma" oder Lüdemanns "Visions-Theorie" sind zweifellos wertende Aussagen zur Auferstehung.
Die aber weitaus plausibler sind als die Mythen- und Märchen der Ziegenhirten.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben: Die Forschung kann aber zeigen, dass das ursprünliche Markusevangelium mit dem leeren Grab endete und die Auferstehungslegenden später hinzugefügt wurden ...
Das ist falsch, wie immer wieder gezeigt. Dort wo sie angeblich endeten wird ausdrücklich schon von Auferstehung gesprochen. Und dass der Schluss des Markusev. später hinzugefügt wurde ist auch nur Spekulation.
Nein, sie ist dadurch bezeugt, dass die Passage in der ältesten Abschrift fehlt.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:... mit all ihren Widersprüchen zwischen den Evangelien.
Das sind keine Widersprüche sondern Unterschiede in Nebensächlichkeiten.
Nochmal der Historiker C.P. Thiede:
"Für Historiker ist gerade dies ein entscheidendes Argument: Niemand, auch nicht eine machtvolle frühe Kirche, hat diese Schriften manipuliert. Nichts ist nachträglich "harmonisiert" worden. Man wusste genau, dass unterschiedliche Menschen damals wie heute manche Details anders sehen und für ihre Leser (oder Hörer) mit anderen Schwerpunkten darstellen. Es ging ja immerhin nicht um Fehler des einen oder des anderen, sondern um die Perspektive."
Nein, zur Ehrenrettung der Zeitgenossen muss man sagen, dass es auch damals schon kritische Stimmen gab, denen das alles spanisch vorkam.
„. . .aber nicht einmal diese Erfindung habt ihr geschickt auszuführen vermocht. Denn Matthäus und Lukas findet man in der Genealogie Jesu miteinander in Widerspruch.“
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sven23
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von sven23 » Sa 21. Apr 2018, 10:03

Roland hat geschrieben: Nicht Jesus sagt das, sondern die Evangelisten lassen ihn das sagen. Ein kleiner, aber feiner Unterschied.
Dieser Unterschied ist konstruiert und es gibt keinen vernünftigen Beleg, dass es ihn gibt. Man sucht sich aus, was Jesus aufgrund der eigenen Vorgaben gesagt haben darf und was nicht und erklärt alles, was nicht sein darf als "ihm von den Evangelisten in den Mund gelegt".[/quote]
Nein, die Widersprüche in den Evangelien sind für jede sichtbar, man muss sie halt nur mal zur Kenntnis nehmen.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben: Warum, es gibt doch genügend Beispiele für Menschen, die die Evolution als Tatsache anerkennen, an keinen Schöpfergott glauben und sich trotzdem humanistischen Idealen verpflichtet fühlen, ohne dabei auf eine alberne Belohnung nach dem Tod zu schielen.
Es lässt sich aber nicht darwinistisch-atheistische begründen.
Erstens: wer will denn den Humanismus so begründen?
Ob das jemand will spielt keine Rolle. Entscheidend ist, man kann es nicht.
Eben, deshalb ist deine Anmerkung irrelevant.
Der Humanismus zeigt doch gerade, dass man jenseits von religiösem Aberglauben ethische Wertvorstellungen entwickeln kann.
Allerdings muss man auch auf eine Belohnung im Jenseits verzichten. Das schmeckt vielen offensichtlich nicht.

Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben: Und zweitens: Man kann die ET anerkennen, Atheist und Humanist sein. Wo willst du da einen Widerspruch konstruieren?
Man zehrt dann eben von der christlich/jüdischen Substanz, wie Habermas richtig sagt.
Unsinn, ethische Wertvorstellungen wurden überall entwickelt, sie differieren lediglich nach Geografie und Zeit. Man tut immer so, als sie das kleine Ziegenhirtenvolk der Nabel der Welt. Das war er definitiv nicht.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:
Roland hat geschrieben: Nochmal Richard Dawkins: "Kein anständiger Mensch will in einer Gesellschaft leben, die nach darwinistischen Gesetzen funktioniert... Eine darwinistische Gesellschaft wäre ein faschistischer Staat." ("Die Presse" vom 30. Juli 2005, S. VIII)
Recht hat er. Mit dem darwinistisch-atheistischen Gedankengut lässt sich keine Moral begründen.
Natürlich hat Dawkins da recht. Wer will eine Gesellschaft, in der sich nur der Stärkste durchsetzt?
Wenn wir das instinktiv so verabscheuen - könnte es sein, dass dieser blutige Mechanismus doch nicht unser Schöpfer gewesen ist?
Wer einen Schöpfer annimmt, muss diesen Widerspruch auflösen und das führt zwangläufig zur Theodizeefrage.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben: Zum anderen muss man natürlich feststellen, dass die Evolution auch heute noch wirkt und in Zukunft wirken wird. Das ist ein unabänderliches Faktum.
Nach biblischem Verständnis ist diese Ökologie des Fressens und Gefressenwerdens Ausdruck der Gefallenheit der Schöpfung. Siehe paradiesischer und messianischer Tierfrieden. Ich halte übrigens die Aussagen von closs zu dem Thema (wenn ich das richtig verstanden habe), also vom "Status Quo Ante" und "Status Quo Post", die "überzeitlich identisch sind" und dass es einen paradiesischen Tierfrieden "naturalistisch" nie gegeben habe, für ziemlich konstruiert und mit der Bibel schwerlich zu begründen. Dient wohl eher dem Wunsch, die Bibel mit der Evolutionstheorie zu vereinbaren.
Wer will denn die Evolution mit der Bibel unterm Arm begründen? :lol:
Die Bibel ist weder ein Geschichtsbuch noch ein naturwissenschaftliches Werk.
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:
Roland hat geschrieben: Evolution IST ja auch ein Faktum. Und den meisten Gründen ist deshalb zuzustimmen. Leben verändert sich, kann sich an sich wandelnde Umweltbedingungen anpassen, es gibt Artbildung, all das kann man empirisch nachweisen. Nur die Reichweite ist höchst fraglich.
Was meinst du mit Reichweite?
Hatte ich ja gesagt. Sie reicht aus für Anpassung vorhandener Konstruktionen, nicht aber für die erstmalige Erschaffung dieser Konstruktionen.
Falsch, sie reicht vollkommen aus für die Entstehung des Lebens, angefangen von Einzellern zur immer komplexeren Lebensformen.
Roland hat geschrieben: Nein, das ist die Theorie. Die Befundlage ist, dass man nicht mal weiß, wie Evolution überhaupt irgendetwas Neues erschaffen kann, deshalb sagte ich ja "postulierter" Evolutionsprozess von der Urzelle zum Menschen.
Erwartest du, dass man Milliarden von Jahren Evolution im Labor nachstellen kann? :roll:
Roland hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben: …die keine Kategorien wie Ethik oder Mitleid kennt.
Deshalb ist es doch in sich widersinnig, dahinter einen gütigen Schöpfer zu vermuten, denn dieser wäre ja dafür verantwortlich.
Auf DIESE Weise hat er die Schöpfung mE ja gerade NICHT hervorgebracht. Sondern "sehr gut" und "vollendet". Deshalb trifft ihn dieser Vorwurf nicht.
Wen trifft dann der Vorwurf????
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Zeus
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von Zeus » Sa 21. Apr 2018, 11:22

Roland hat geschrieben:Der Evolutionsprozess selbst kennt jedoch kein Mitgefühl und keine Gnade, es handelt sich (nach der Theorie) um blinde, taube, gleichgültige Mechanismen.
.
Du versuchst hier, ein Strohmann-Argument aufzubauen. Die evidente Gleichgültigkeit des Prozesses der Evolution steht überaupt nicht zur Debatte.
Die Diskussion hatte so begonnen:
Roland hat geschrieben:
Sven hat geschrieben: Warum, es gibt doch genügend Beispiele für Menschen, die die Evolution als Tatsache anerkennen, an keinen Schöpfergott glauben und sich trotzdem humanistischen Idealen verpflichtet fühlen, ohne dabei auf eine alberne Belohnung nach dem Tod zu schielen.
Es lässt sich aber nicht darwinistisch-atheistische begründen.
Es ist interessant, dass paradoxerweise dieser unbarmherzige Prozess der Evoluion dafür gesorgt hat, dass innerhalb einer gut funktionierenden menschlichen Gesellschaft Nichts mehr besagtem Prozess überlassen wird.
Da gebe ich Dawkins Recht:
"Kein anständiger Mensch will in einer Gesellschaft leben, die nach darwinistischen Gesetzen funktioniert... Eine darwinistische Gesellschaft wäre ein faschistischer Staat."
Zur Erinnerung
Ein innerer moralisch/ethischer Kompass - bestehend aus Gerechtigkeitssinn, Kooperation, Mitgefühl und Mitleiden etc.- wurde evolviert, weil er enormen Überlebenswert in sozialen Gemeinschaften hatte.
Roland hat geschrieben:Er kennt [...] nur Fortpflanzungserfolg.
Richtig. Ich würde jedoch das Wort "nur"auslassen, denn ohne den Fortpflanzungserfolg unserer Vorfahren wären wir nicht auf der Welt. Gell?
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von sven23 » Sa 21. Apr 2018, 13:42

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Nein, man muss vor allem unterscheiden zwischen wissenschaftlicher Forschung und Glaubensideologie.
Kannst Du ja in Deinem Kämmerlein machen - aber das enthebt doch nicht der Unterscheidung zwischen sachlich-neutralen und interpretativ-hermeneutischen Ergebnissen.
Eben, deshalb enthält sich die Forschung aller Glaubenshermeneutik.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:aber sobald es um den historischen Jesus geht, der naturgemaß Hauptgegenstand der historischen Jesusforschung ist, bleibt ihm nur der Aufruf zum Glaubensentscheid, dass der kirchlich überlieferte Jesus der wahre sei.
Das ist halt SEINE Hermeneutik. - Andere rufen zum Glaubensentscheid auf, dass der säkular untersuchte Jesus im Sinne der HKE der wahre sei. - Da macht jeder sein eigenes Ding.
Eben, die einen wissenschaftlich, die anderen wie Ratzinger glaubensideologisch. Mein Reden seit 33.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Aber der AT-Gott ist ein Tyrann.
Was ist ein "Tyrann"? - Dass Jahwe Alleinherscher ist? - Oder wie definierst Du das?
Halten wir uns doch an die allgemeingültige Definition.

Als Tyrannei bezeichnet man in stark abwertendem Sinn eine als illegitim betrachtete Gewalt- und Willkürherrschaft eines Machthabers oder einer Gruppe.
Quelle: Wikipedia

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Man darf nicht so naiv sein und erwarten, dass die Schreiber ihre Irrtümer auch noch herausstellen.
Also ist es hinein-interpretiert. - Davon abgesehen: Dieses Thema ist wirklich interessant - selbst verständlich wird die Taufe Jesu seitens der Theologie interpretiert.
Da ist nichts hineininterpretiert, sondern das waren ganz konkrete und berechtigte Kritikpunkte in den Urgemeinden. Die Schreiber reagierten dann entsprechend, aber natürlich sehr konstruiert und nachträglich aufgesetzt, was die Chronologie aber sehr schön nachvollziebar macht.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Eben, deshalb sind es ja Glaubensideologen/Glaubensdogmatiker.
Du wirst keinen halbwegs strukturiert denkenden Menschen finden, der Deinen Unterschied "Hermeneutik 1 = gut", "Hermeneutik 2 = glaubensideologisch" mitmacht.
Belassen wir es bei der Unterscheidung wissenschaftlich und unwissenschaftlich/glaubensideologisch. Das reicht.
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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von sven23 » Sa 21. Apr 2018, 14:11

Roland hat geschrieben: Ich sehe es wie closs: Sie zeigen dem Mitgefühl ähnliche Verhaltensweisen.
Das wird beim Menschen vo 6 oder 7 Millionen Jahren nicht viel anders gewesen sein, als die Wege von Affen und Mensch auseinander gingen.
Roland hat geschrieben: Der Evolutionsprozess selbst kennt jedoch kein Mitgefühl und keine Gnade, es handelt sich (nach der Theorie) um blinde, taube, gleichgültige Mechanismen. Er kennt auch keine Gerechtigkeit sondern nur Fortpflanzungserfolg.
Richtig, ein Mechanismus kennt kein Mitgefühl. Aber weil er so effizient ist, sind wir überhaupt hier.
Roland hat geschrieben: Dass es, vor allem bei höherer Lebewesen, vorteilhaft ist, wenn man in der Gruppe oder in der Horde kooperiert, hat wenig mit Moral und viel mit Fortpflanzungserfolg zu tun.
Nicht nur bei höheren Lebewesen. Auch Bienen- und Ameisenvölker sind durch Kooperation überhaupt erst überlebensfähig.

Roland hat geschrieben: Wird dann aber z.B. bei Gorillas eine Gruppe von einem neuen Anführer übernommen, kommt es häufig vor, dass dieser die Säuglinge seines Vorgängers tötet, damit die Weibchen wieder empfängnisbereit sind und er selbst sich mit ihnen paaren kann. Wichtig ist es, die eigenen Gene weiter zu geben.
Auch das ist richtig, aber es zeigt doch nur, dass sowohl Aggression als auch Kooperation zu unserem evolutionären Erbe gehört, als beides.

Vielleicht haben Affen sogar rudimentäre Vorstellungen eines Selbstbewußtseins und sogar Humor.


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Re: Alles Teufelszeug? IX

Beitrag von closs » Sa 21. Apr 2018, 15:12

sven23 hat geschrieben:Eben, deshalb enthält sich die Forschung aller Glaubenshermeneutik.
Das tut sie eben NICHT. - Sie glaubt zumindest modellhaft, dass ihre Vorannahmen die richtigen sind.
sven23 hat geschrieben:Eben, die einen wissenschaftlich, die anderen wie Ratzinger glaubensideologisch.
Nein - WENN Du schon auf "glaubensideologisch" bestehst, dann sind BEIDE glaubensideologisch. (MEIN Wortschaft ist das nicht)
sven23 hat geschrieben:Halten wir uns doch an die allgemeingültige Definition.
Siehst Du: So einfach ist es - denn dann ist Jahwe NICHT ein Tyrann.
sven23 hat geschrieben:Da ist nichts hineininterpretiert, sondern das waren ganz konkrete und berechtigte Kritikpunkte in den Urgemeinden.
Und diese Punkte waren richtig oder falsch. - Hast Du schon mal dran gedacht, dass die Schreiber ein falsches Verständnis der Urgemeinde korrigieren wollte?
sven23 hat geschrieben:Belassen wir es bei der Unterscheidung wissenschaftlich und unwissenschaftlich/glaubensideologisch. Das reicht.
Damit kannst Du Dich befriedigen, aber ansonsten bringt das doch nichts.

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