Nicht-abrahamitische Religionen

Judentum, Islam, Hinduismus, Brahmanismus, Buddhismus,
west-östliche Weisheitslehre
manden1804
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von manden1804 » Do 12. Apr 2018, 21:38

Munro hat geschrieben:
manden1804 hat geschrieben:Alle "Götter" ausserhalb der Bibel S I N D Götzen !
Aha. :roll:
Nun kannst noch hinzufügen, dass alle Nichtchristen Untermenschen sind. :cry: :silent:
Oder genauer: Dass alle Nicht-Bibelchristen Untermenschen sind. :cry: :roll:
Richtig ist , dass die Christen zwar das WORT GOTTES , die Bibel haben , sich aber fast genauso wenig wie die anderen Menschen sich an ihr orientieren . Das ist eigentlich leicht erkennbar an dieser katastrophalen Welt .
Gott segne euch alle .

Mirjam
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Mirjam » Do 12. Apr 2018, 23:00

Novalis hat geschrieben:Schon vor 1400 Jahren lehrte der Koran, dass Gott zu allen Völkern Propheten schickte, weshalb alle Religionen und der Glaube aller Menschen von einer gemeinsamen göttlichen Religion abstammen. Die Menschen verzerren und entstellen jedoch die reine Lehre der Propheten immer wieder, was die zahlreichen Unterschiede erklärt.
(...)
Eine islamische Überlieferung besagt, dass im Laufe der Geschichte 124 000 Propheten erschienen sind. Alle diese göttlichen Boten lehrten den Glauben an den Einen Gott. Da sie zu allen Völkern gesprochen haben, kann sich niemand herausreden. Muslime glauben daran, dass Gott schlußendlich Muhammad aussandte, um die göttliche Botschaft und die gesamte Prophetenreihe zu „besiegeln“.
Einerseits ist es sehr schön, dass die Lehren anderer Völker nicht einfach verworfen werden, sondern anerkannt wird, dass auch dort Wahrheit zu finden ist.
Andererseits ist es aber auch ziemlich diskriminierend. Denn es wird ja doch alles durch die Brille des Islam betrachtet - die Elemente, die ins islamische Konzept passen, werden gelobt. Die Elemente, die nicht hineinpassen, werden als "verzerrt und entstellt" verworfen.
Der Monotheismus wird naturgegeben als "höchste" Form der Religion angenommen.

Ich verschiebe mal einen Teil aus dem Ägyptologie-Thread hier herüber, weil es hier besser passt:
Novalis hat geschrieben: Alle alten Kulturen sind sich in dieser Aussage einig ...
Am Anfang war und ist der ewige Geist, das Bewußtsein, das über der Materie steht und sie formt
Das ist sozusagen das gemeinsame Ur-Wissen der Menschheit. Schon alleine das finde ich sehr faszinierend.
Gewagt, Novalis, gewagt! Ich widerspreche!
"Der ewige Geist" der "über der Materie steht", das ist meiner Meinung nach schon eine sehr monotheistisch geformte Denkweise.

Etliche alte Mythen legen die Betonung eher auf eine uranfängliches Chaos, aus welchem Ordnung und Differenzierung entstehen. Die Erschaffung der Welt wird dabei oft als ein Prozess organischen Wachstums vorgestellt.
Auch der Dualismus der Geschlechter ist ein häufiges Thema: am Anfang ist alles vermischt und geschlechtslos, dann kommt es zur Aufspaltung (Ying und Yang, Himmel und Erde)
Beispiele:
Der Uranfang, die Welt vor der Schöpfung, wird oft als "Ozean" (Ägypter, Babylonier, Finnen) vorgestellt
Oder es gibt eine Art Urriesin, die durch den Schöpfergott wahlweise getötet (Tiamat/Babylon) oder begattet (Gaia/Griechen) wird.
Ziemlich oft ist auch von einem "Urei" die Rede (Chinesen, finno-ugrische Völker, Ägypter*, Inder) aus dem wahlweise die Welt oder der Schöpfer schlüpfen
Bei den indoiranischen und chinesischen Mythen bestehen die Elemente und die Welt gar aus den Körperteilen des Schöpfers, auch ägyptische* Mythen kennen dieses Bild (Himmel und Erde sind die Körper der Götter Nut und Geb, Sonne und Mond sind die Augen des Horus)

Sicherlich geht es auch um einen Willen des Schöpfers, und Materie wird geformt, doch das ist nicht der Kernpunkt. Meist sind der oder die Schöpfer aufs engste mit der Welt verwoben (Immanenz statt Transzendenz) und kaum einer dieser Schöpfer agiert vollkommen frei und damit "allmächtig".


liebe Grüße

Mirjam


* man beachte die Mehrfachnennung der Ägypter bei verschiedenen Konzepten von Schöpfung. Das liegt daran, dass sie mehrere Schöpfungsmythen haben, die sich z.T. sachlich widersprechen. Das ist in der ägyptische Theologie und Denkweise aber kein Problem. :D

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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Munro » Fr 13. Apr 2018, 00:46

Ich finde die Schöpfungs-Mythen aus aller Welt und aus allen Kulturen sehr faszinierend. :Herz:

Und ich bedaure sehr, dass manche strenge "Bibel-Christen" all das nur als Götzendienerei und "Werke des Satans" ansehen können. :x :(
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Rembremerding » Fr 13. Apr 2018, 06:07

In jedem Menschen, in jeder Kultur und Religion finden sich Spuren des Göttlichen, des einen Gottes. Denn es ist seine Schöpfung und damit in der Wahrheit geschaffen. Diese Wahrheit mag in Raum und Zeit offener oder verdeckter dem Menschen erkennbar sein.

Die religionsgeschichtliche Entwicklung zeigt auf, dass zuerst dem Menschen das Ausgeliefertsein den Elementen und seinem erkannten eigenen Mangel die Idee einer Transzendenz über ihn hinaus offenbarte. Daraus folgte die Frage nach dem Woher und Wohin. Die logische Konsequenz daraus sind jene Schöpfungsmythen, die man in den meisten Kulturen findet. Im semitischen Bereich entdeckt man sie in der Ätiologie der Genesis 1-11.
Doch dies ist schon ein fortgeschrittener Zustand, zuvor durchläuft der Mensch den Totemismus und Animismus, inklusive Ahnenkult. All diese Ausformungen haben sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Menschen als Leib und Seele. Negativ sind etwa die starken Bindungen, die dadurch entstanden sind, die sich in oft rigorosen Ritualen oder in einem menschenfeindlichen Opferkult zeigen.
Der Monotheismus ist hier tatsächlich ein Fortschritt, denn all die Unwägbarkeiten der Elemente und selbst der Götter heben sich in einem allumfassenden und einen Sinn auf. Parallel dazu finden sich in vielen Kulturen schon früh Ideen zum Schutz der Menschenwürde. Sie gipfeln im Christentum, wo Gott selbst die Bindungen aufhebt, erlöst und einen Glauben an die Liebe in allen Bereichen des Lebens in Jesus Christus dem Menschen anbietet und damit auch dessen Freiheit und Würde achtet.

Religionsgeschichtlich ist dies außergewöhnlich und hat nichts mit der Glorifizierung des Christentums zu tun. Der spirituelle Mensch muss und nur er kann beachten, dass es ebenso eine Heilsgeschichte des Menschen geben könnte.
Mag dies in der Philosophie als eine im Menschen selbst sich befindliche Anlage identifiziert werden, die fähig ist, sich fortzuentwickeln und über sich hinaus zu gelangen, so sagt das Christentum, dass auch dieses Voranschreiten nur im liebevollen Blick und in der Kraft des Schöpfers, des alleinigen Gottes in Jesus Christus und seiner dafür dienenden Kirche geschieht. Der Mensch bleibt damit nicht erneut auf sich selbst zurückgeworfen, sondern kann sich seinem (Beziehungs-)Wesen, seiner ureigensten Natur entsprechend in einem geborgenen Raum entwickeln: zu lieben und geliebt zu werden, gerade von jemanden in göttlicher Person, der eine Liebe setzt, die über den Menschen hinaus weist.


Servus :wave:
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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Munro » Fr 13. Apr 2018, 06:26

:thumbup: :clap:
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von manden1804 » Fr 13. Apr 2018, 06:51

Munro hat geschrieben:Ich finde die Schöpfungs-Mythen aus aller Welt und aus allen Kulturen sehr faszinierend. :Herz:

Und ich bedaure sehr, dass manche strenge "Bibel-Christen" all das nur als Götzendienerei und "Werke des Satans" ansehen können. :x :(
Genau das ist es ! Was die Bibel sagt , ist ABSOLUTE Wahrheit . Mit deiner phlegmatischen Einstellung kommst Du nicht weiter . Und Du müsstest

noch so viel lernen .
Gott segne euch alle .

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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Munro » Fr 13. Apr 2018, 11:08

@ Thema Polytheismus

Ich hege durchaus auch eine gewisse Sympathie für den Polytheismus.
Den Katholiken wird je gerne nachgesagt, die vielen Heiligen seien auch eine Form von Polytheismus.

Was meint ihr dazu?
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

Mirjam
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Mirjam » Fr 13. Apr 2018, 18:36

Munro hat geschrieben:@ Thema Polytheismus

Ich hege durchaus auch eine gewisse Sympathie für den Polytheismus.
Den Katholiken wird je gerne nachgesagt, die vielen Heiligen seien auch eine Form von Polytheismus.

Was meint ihr dazu?
Naja, sagen wir so. Immer, wenn mich Leute fragen, wie denn der religiöse Alltag des Durchschnittsägypters wohl aussah, dann sage ich:
Stellt euch ein erzkatholisches Dorf in Oberbayern vor.
Genau so.

Denn: Die Leute bekennen sich öffentlich zur Religion des Landes(Christentum) und beten brav für die Obrigkeit. Emotional verbunden sind sie aber meist vielmehr mit dem Gott des lokalen Tempels (dem Heiligen, dem die Dorfkirche geweiht ist) und bei allerlei Krankheiten und Beschwerden pilgern sie auf den Berg nebenan, da gibt es nämlich ein Heiligtum, das hat angeblich Heilkräfte (die Kapelle, wo mal jemand eine Marienerscheinung hatte).
Auch sonst wenden sie sich je nach persönlicher Neigung oder Art ihrer Probleme verschiedenen Göttern (Heiligen) zu, wobei sich die zugeschriebenen Kompetenzbereiche dieser Götter (Heiligen) oft überschneiden oder lokal verschieden gedeutet werden.

Im Stadtbild ist die Religion durch Statuen und sonstige Bilder präsent (Kruzifix, Marterl), die an markanten Orten im aufgestellt sind. Auch in einem privaten Haus (Stube) gibt es meist einen Hausschrein mit Götterbildern (Herrgottswinkel).
Zu festgesetzten Zeiten (Sonntag) versammelt sich die Gemeinschaft am Tempel(Kirche). Dies ist ein Heiliger Ort, der erst nach einer entsprechenden kultischen Reinigung (Weihwasser) betreten werden darf.
Die Priester unterliegen gewissen Reinheitsgeboten (Zölibat) und halten sich bei der Durchführung ihrer Rituale exakt an die heiligen Texte (Liturgie). Dabei werden sie von einer Schar von Teilzeit- und Laienpriestern aus der Bevölkerung (Messdiener) unterstützt. Mit den Ritualen wollen sie die Verbindung zur göttlichen Sphäre herstellen (heiliger Geist) und sogar das Göttliche in heiligen Gegenständen(Hostie) konkret manifestieren (Eucharistie).

Zu bestimmten hohen Feiertagen (Fronleichnam, Mariae Himmelfahrt) verlassen die Götterbilder (Monstranz, Marienbild) ausnahmsweise den heiligen Raum des Tempels(Dorfkirche) und werden in aufwendigen Prozessionen, begleitet von Gesang und Räucherungen, durch die Straßen getragen. Für die Bevölkerung gehören diese Feste zu den Höhepunkten des Jahres, sie haben auch eine soziale Funktion und stiften Gemeinschaftsgefühl und Identät.

Streicht die Klammern weg und die obige Beschreibung passt 1:1 auf das alte Ägypten :lol: :lol:
Ich meine das übrigens nicht als Kritik an der katholischen Kirche... die Nähe zur kultischen Praxis Ägyptens ist in meinen Augen ein Pluspunkt :engel:


liebe Grüße

Mirjam

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Munro
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von Munro » Fr 13. Apr 2018, 19:03

Mirjam hat geschrieben: Ich meine das übrigens nicht als Kritik an der katholischen Kirche... die Nähe zur kultischen Praxis Ägyptens ist in meinen Augen ein Pluspunkt :engel:
Seh ich auch so! :engel:
Das sind weltumspannede Gemeinsamkeiten.

Und als ich mal bei einer Hindu-Prozession dabei war, erkannte ich auch Parallelen zur Fronlichnamsprozession. :Herz:
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

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sven23
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Re: Nicht-abrahamitische Religionen

Beitrag von sven23 » Fr 13. Apr 2018, 19:18

Munro hat geschrieben:@ Thema Polytheismus

Ich hege durchaus auch eine gewisse Sympathie für den Polytheismus.
Den Katholiken wird je gerne nachgesagt, die vielen Heiligen seien auch eine Form von Polytheismus.

Was meint ihr dazu?
Einen lupenreinen Monotheismus vertreten nur Judentum und Islam. Die Trinität, die nicht durch Jesus propagiert wurde, ist ja schon eine Art von Polytheismus, die nur durch theologische Taschenspielertricks als Monotheismus aufrecht erhalten werden kann.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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