Ehe für alle

Leben in einer christlich geprägten Gesellschaft
Ehe & Familie, Partnerschaft & Sexualität, Abtreibung, Homosexualität
ThomasM
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Re: Ehe für alle

Beitrag von ThomasM » Di 13. Mär 2018, 13:04

Pluto hat geschrieben:
Das Problem ist, dass der Begriff (Erbsünde) an sich falsch ist. Sünde ist gar nicht vererbbar.
Das ist nicht korrekt.
Noch vor wenigen Tagen gab es einen Artikel - ich glaube es war der Spiegel - in dem eine Studie zitiert wurde, die herausgefunden hat, dass sich die soziale Stellung eines Elternpaars bis in die vierte Generation nach diesem Paar bemerkbar macht.

Du solltest "vererbbar" nicht automatisch mit Genetik gleichsetzen.
Verhaltensweisen und soziale Strukturen sind teilweise extrem beständig. Und Verhaltensweisen, die Böses erzeugen zählen dazu.
Ein anderes, weltliches Beispiel, das mir hierzu einfällt ist das "ererbte" Arbeitsverhalten einer Abteilung in einem Unternehmen. Ist das Unternehmen groß und langlebig, dann entwickeln sich innerhalb einer Abteilung Arbeitsweisen, die sich auch noch 20-30 Jahren erkennen lassen, selbst wenn diese Arbeitsweise nach dieser Zeit nicht mehr positiv ist.

Genauso sehe ich die Erbsünde. Jeder Mensch wird in bestimmte sozialen und gesellschaftlichen Strukturen hineingeboren. Das bedingt sein Verhalten in vieler Hinsicht, auch negative - sündigen - Verhaltensweisen.
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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closs
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Re: Ehe für alle

Beitrag von closs » Di 13. Mär 2018, 13:05

Janina hat geschrieben:Ich habe eine schlüssige Darlegung, du hast gar nichts.
Doch - längst. - Aber diese Darlegung funktioniert nur, wenn man "Sünde" semantisch biblisch versteht und nicht in unserem heutigen Verständnis. - Allerdings wird die Sache dadurch etwas kompliziert, dass die die Theologie selber derart heterogen ist, dass man auch dort unterschiedlichste Darstellungen findet.
Pluto hat geschrieben:Notwendige Eigenschaften werden aber so nicht definiert. Sie ergeben sich aus der Natur, nicht aus der Interpretation eines alten Buchs.
Das sind zwei voneinander unabhängige Ansätze - der eine definiert säkular, der andere spirituell.

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closs
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Re: Ehe für alle

Beitrag von closs » Di 13. Mär 2018, 13:12

ThomasM hat geschrieben:Noch vor wenigen Tagen gab es einen Artikel - ich glaube es war der Spiegel - in dem eine Studie zitiert wurde, die herausgefunden hat, dass sich die soziale Stellung eines Elternpaars bis in die vierte Generation nach diesem Paar bemerkbar macht.
Im letzten November hatte ich ein Gespräch mit einem Neurologen, dem gegenüber ich bemerkt habe, dass es schön wäre, wenn man den biblischen Begriff des "Geschlechterfluchs bis in die 4. Generation" epigenetisch nacshweisen könne - seine Antwort: Im Grunde sei dies längst passiert - nicht gerade in Bezug auf biblische Begriffe, aber auf das, was Du hier erwähnst.
ThomasM hat geschrieben:Genauso sehe ich die Erbsünde. Jeder Mensch wird in bestimmte sozialen und gesellschaftlichen Strukturen hineingeboren.
Aus meiner Sicht sind "Geschlechterfluch" (den ich hier jetzt hinzugefügt habe) und "Erbsünde" Unterschiedliches:

Das was man mit "Geschlechterfluch" bezeichnet, kann man sozial/gesellschaftlich/epigenetisch - in anderen Worten "reaktiv" - begründen. - Die "Erbsünde" ist dagegen eine "endogene" Größe - also nicht sozial vererbt, sondern grundsätzlich "da" - unvermeidbar - Eigenschaft des Menschen an sich. - Allerdings muss man dann auch klären, was damit gemeint ist.

ThomasM
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Re: Ehe für alle

Beitrag von ThomasM » Di 13. Mär 2018, 13:16

closs hat geschrieben:
Allerdings muss man dann auch klären, was damit gemeint ist.
Was du jetzt versäumt hast?

Wenn du in der Bibel schaust, worin eine Sünde besteht, dann sind es immer die Beziehungen zu seinen Mitmenschen oder zu Gott, die gemeint sind. Ein Mensch, der allein ist auf der Welt kann keine Sünde begehen.
Insofern ist deine -auf theologischen Überlegungen - beruhende Behauptung nicht wirklich haltbar.
Gott würfelt nicht, meinte Einstein. Aber er irrte. Gott nutzt den Zufall - jeden Tag.

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Re: Ehe für alle

Beitrag von Pluto » Di 13. Mär 2018, 13:48

closs hat geschrieben:Aus meiner Sicht sind "Geschlechterfluch" (den ich hier jetzt hinzugefügt habe) und "Erbsünde" Unterschiedliches:

Das was man mit "Geschlechterfluch" bezeichnet, kann man sozial/gesellschaftlich/epigenetisch - in anderen Worten "reaktiv" - begründen. - Die "Erbsünde" ist dagegen eine "endogene" Größe - also nicht sozial vererbt, sondern grundsätzlich "da" - unvermeidbar - Eigenschaft des Menschen an sich. - Allerdings muss man dann auch klären, was damit gemeint ist.
Erstaunlich, woher du das wissen willst?
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Ehe für alle

Beitrag von Janina » Di 13. Mär 2018, 14:56

closs hat geschrieben:
Janina hat geschrieben:Ich habe eine schlüssige Darlegung, du hast gar nichts.
Doch - längst. - Aber diese Darlegung funktioniert nur, wenn man "Sünde" semantisch biblisch versteht und nicht in unserem heutigen Verständnis. - Allerdings wird die Sache dadurch etwas kompliziert, dass die die Theologie selber derart heterogen ist, dass man auch dort unterschiedlichste Darstellungen findet.
Eben, das meinte ich damit. Mehr als irgendwas Beliebiges hast du nicht.

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Re: Ehe für alle

Beitrag von ProfDrVonUndZu » Di 13. Mär 2018, 16:01

ThomasM hat geschrieben: Noch vor wenigen Tagen gab es einen Artikel - ich glaube es war der Spiegel - in dem eine Studie zitiert wurde, die herausgefunden hat, dass sich die soziale Stellung eines Elternpaars bis in die vierte Generation nach diesem Paar bemerkbar macht.
In der Soziologie gibt es dafür nach Pierre Bourdieu den Begriff Habitus. Die Soziologen Michael Hartmann und Aladin El Mafaalani haben dazu einige interessante Vorträge gehalten, wo sie das beleuchten. Gibts bei YT...
Zuletzt geändert von ProfDrVonUndZu am Di 13. Mär 2018, 17:04, insgesamt 1-mal geändert.
Die Q(uellen)-Hypothese ist keine Lösung für ein Problem, sondern eine Quelle von Problemen, für die es keine Antwort gibt als zusätzliche Hypothesen.“ - Eta Linnemann

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Re: Ehe für alle

Beitrag von closs » Di 13. Mär 2018, 16:59

ThomasM hat geschrieben:Wenn du in der Bibel schaust, worin eine Sünde besteht, dann sind es immer die Beziehungen zu seinen Mitmenschen oder zu Gott, die gemeint sind.
Das erklärt doch nur das Wie der Sünde, aber doch nicht das Warum. - WARUM gibt es Störungen zu Mitmenschen und zu Gott? Im Paradies könnte es sowas nicht geben.
Pluto hat geschrieben: woher du das wissen willst?
Janina hat geschrieben:Mehr als irgendwas Beliebiges hast du nicht.
"Wissen" tut der Mensch absolut eh nicht - und "beliebig" wäre "nach Lust und Laune". - Hier geht es aber darum, zu erklären, nach welchem Verständnis "Erbsünde"/"Erbschuld" sinnvoll ist. - Tut man es nicht, müssen solche Begriffe als verquer erscheinen. - Ist damit das Ziel erreicht?

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Re: Ehe für alle

Beitrag von Janina » Di 13. Mär 2018, 18:28

closs hat geschrieben:
Janina hat geschrieben:Mehr als irgendwas Beliebiges hast du nicht.
"Wissen" tut der Mensch absolut eh nicht - und "beliebig" wäre "nach Lust und Laune".
Eben. Das bedeutet es, wenn jeder was anderes rauskriegt.

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Re: Ehe für alle

Beitrag von closs » Di 13. Mär 2018, 18:36

Janina hat geschrieben:Das bedeutet es, wenn jeder was anderes rauskriegt.
So einfach ist es nicht. - Du hättest dann recht, wenn jeder auf derselben Ebene argumentieren würde und dann Unterschiedliches rauskriegt.

Hier aber wird "Erbsünde" entweder als Relikt oder als biologisch zu ergründende Größe oder weißnichtwas untersucht - also auf komplett unterschiedlichen Ebenen/in ganz verschiedenen Hermeneutiken.

Ist Dir ein geistiger Ansatz geläufig, der den Begriff "Erbsünde"/"Erbschuld" NICHT als Blödsinn erscheinen lässt?

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