Homöopathie V

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closs
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Re: Homöopathie V

Beitrag von closs » Do 17. Mai 2018, 17:03

Janina hat geschrieben:Der Satz wäre völlig sinnlos.
Da schließe ich mich Kant an - also Widerspruch. - Dein Nein macht nur dann Sinn, wenn man "Aufklärung" als anthropozentrisch beschränkte Größe versteht - verstehst Du es so?

Ist Aufklärung das,
a) was der Mensch in selbstgemachten Systemen als "Wissen" bezeichnet?
b) was unabhängig von anthropozentrischen Systemen "ist" oder als "istig" geglaubt wird?

Wenn a), dann macht das theologische "Lux" keinen Sinn. - Wenn b), erkennt man a) als Teilmenge von b). - Was ist aufgeklärter?

JackSparrow
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Re: Homöopathie V

Beitrag von JackSparrow » Do 17. Mai 2018, 18:14

closs hat geschrieben:"Besteht Aufklärung nicht darin, dass wir bloßes (System-) Wissen durch Glauben (nach oben hin) ergänzen?".
Aufklärung besteht darin, Wissen über existente Dinge zu sammeln, um nicht mehr an von religiös vorgeschädigten Pseudo-Aufklärern erfundene "nach oben hin liegende" Dinge glauben zu müssen.
Ich habe die Vernunft zu Ende gedacht, um Platz für den Glauben zu haben".
Er hat aufgehört, vernünftig zu denken, um noch ein wenig Platz für seinen irrationalen Glauben übrig zu lassen. Zu Ende denken mussten das dann eben die etwas mutigeren Philosophen wie Husserl oder Nietzsche. Ist wohl auch eine Form von Evolution.

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closs
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Re: Homöopathie V

Beitrag von closs » Do 17. Mai 2018, 19:24

JackSparrow hat geschrieben:Er hat aufgehört, vernünftig zu denken
1) "Vernunft" verstehst Du anthropozentrisch.
2) Das Wort "Aufklärung" ist diametral verstehbar.

Ergo: Ratzinger und Metzinger verstehen sich jeweils als "aufgeklärter" als der andere.

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Janina
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Re: Homöopathie V

Beitrag von Janina » Do 17. Mai 2018, 20:50

closs hat geschrieben:Ist Aufklärung das...
c) Aufklärung besteht darin, dass wir bloßen Glauben und verzweifelte Hoffnung durch Wissen und Zuversicht ersetzen.

Das ist doch irgendwie einsichtig, oder etwa nicht?

JackSparrow
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Re: Homöopathie V

Beitrag von JackSparrow » Do 17. Mai 2018, 21:40

closs hat geschrieben:1) "Vernunft" verstehst Du anthropozentrisch.
Ich verstehe prinzipiell alles anthropozentrisch, da ich mich für einen Menschen halte.
2) Das Wort "Aufklärung" ist diametral verstehbar.
Ich denke Aufklärung ist so verstehbar, dass da jemand über irgendwas aufgeklärt werden soll.

Zu Beispiel darüber, dass man den eigenen Verstand ohne die Anleitung eines Dritten gebrauchen sollte. Dem Herrn Kant war das aus religiösen Gründen leider nicht vollumfänglich möglch, aber vielleicht klappts ja im nächsten Leben.
Ergo: Ratzinger und Metzinger verstehen sich jeweils als "aufgeklärter" als der andere.
Die kenne ich nicht und daher tangiert es mich relativ peripher, als was die sich verstehen.

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closs
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Re: Homöopathie V

Beitrag von closs » Do 17. Mai 2018, 21:59

Janina hat geschrieben:Das ist doch irgendwie einsichtig, oder etwa nicht?
Gemischt. - Dass man Verzweiflung durch Zuversicht ersetzt, kann ja nur gut sein - nur gehört "Zuversicht" eigentlich zu "Glauben" und nicht zu "Wissen".

"Glauben" durch "Wissen" zu ersetzen, ist da gut, wo es geht: "Ich glaube, dass Freiburg am Schwarzwald liegt", ist in der Tat optimierbar durch "Ich weiß, dass Freiburg am Schwarzwald liegt".

Wenn man "Glaube" jedoch spirituell versteht, KANN man ihn gar nicht durch "Wissen" optimieren. - Eher sollte es heißen: "Ich bin zuversichtlich, weil es in meinem Leben etwas gibt, was über Wissen (im wissenschaftlichen Sinn) hinausgeht". - Da scheinen mit Begriffe und deren gegenseitiges Verhältnius durcheinandergekommen zu sein.
JackSparrow hat geschrieben:Ich verstehe prinzipiell alles anthropozentrisch, da ich mich für einen Menschen halte.
Du verstehst (wie ich) alles alles als Mensch - insofern ist überall ein anthropozentrischer Filter drin. - Um so wichtiger ist es doch, dass man diesen unvermeidbaren anthropozentrischen Anteil zum Maßstab macht ("Maßstäblich ist das, was der Mensch erkennen kann").
JackSparrow hat geschrieben:Ich denke Aufklärung ist so verstehbar, dass da jemand über irgendwas aufgeklärt werden soll. Zu Beispiel darüber, dass man den eigenen Verstand ohne die Anleitung eines Dritten gebrauchen sollte.
Da sind wir uns sehr einig. - Ist Dir schon mal aufgefallen, dass unsere heutige Gesellschaft die obrigkeitsgläubigste seit 1945 sein könnte?

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Janina
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Re: Homöopathie V

Beitrag von Janina » Fr 18. Mai 2018, 08:52

closs hat geschrieben:
Janina hat geschrieben:Das ist doch irgendwie einsichtig, oder etwa nicht?
Gemischt. - Dass man Verzweiflung durch Zuversicht ersetzt, kann ja nur gut sein - nur gehört "Zuversicht" eigentlich zu "Glauben" und nicht zu "Wissen".
Beim Arzt habe ich nur dann Zuversicht, wenn er mehr weiß als glaubt.

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closs
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Re: Homöopathie V

Beitrag von closs » Fr 18. Mai 2018, 09:16

Janina hat geschrieben:Beim Arzt habe ich nur dann Zuversicht, wenn er mehr weiß als glaubt.
:lol: Auf dieser Ebene stimme ich Dir zu.

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sven23
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Re: Homöopathie IV

Beitrag von sven23 » Sa 19. Mai 2018, 06:06

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Es gibt keinen Grund für Ratlosigkeit, weil es schon oft genug erklärt wurde.
Wenn man an Wahrheit und nicht nur an methodischen Wahrheits-Versionen interessiert ist, frißt man nicht alles.
Eben, und schon gar keine Globuli. :lol:
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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Re: Homöopathie V

Beitrag von JackSparrow » Sa 19. Mai 2018, 23:28

closs hat geschrieben:Du verstehst (wie ich) alles alles als Mensch - insofern ist überall ein anthropozentrischer Filter drin.
Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines Anderen zu bedienen.

Würde ich also den Menschen glauben, die behaupten, ich sähe alles nur durch einen Filter, dann müsste ich mich zu den Unmündigen zählen. Aber vielleicht bewirkt ja gerade der Filter, dass man glaubt, die gesamte Menschheit hätte einen Filter drin.
Ist Dir schon mal aufgefallen, dass unsere heutige Gesellschaft die obrigkeitsgläubigste seit 1945 sein könnte?
Wir hatten eben seit 1945 nicht mehr so wenige unterschiedliche Obrigkeiten zur Auswahl.

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