Naturalismus vs Esoterik

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sven23
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von sven23 » Di 8. Dez 2015, 09:43

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:wenn man eine vernünftige Definition von Geist zu Grunde legt.
Da könnte man auch "Vernunft" dazu sagen. - Das Problem auch hier: Ein semantischer Shift hat den "Spiritus"-Gedanken komplett beiseite geschoben, so dass man im wiki-Sinne von etwas ganz Anderem spricht als im traditionellen "Spiritus"-Sinn - man benutzt dasselbe Wort für zwei sehr unterschiedliche Phänomene. - Sprachverwirrung.
Nein, nein, Wiki hat schon verschiedene Definitionen von Geist im Angebot. Der religiösen Geistdefinition muß man deswegen ja nicht zustimmen.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
George Orwell

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Pluto
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Pluto » Di 8. Dez 2015, 09:44

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:wenn man eine vernünftige Definition von Geist zu Grunde legt.
Da könnte man auch "Vernunft" dazu sagen. - Das Problem auch hier: Ein semantischer Shift hat den "Spiritus"-Gedanken komplett beiseite geschoben, so dass man im wiki-Sinne von etwas ganz Anderem spricht als im traditionellen "Spiritus"-Sinn - man benutzt dasselbe Wort für zwei sehr unterschiedliche Phänomene. - Sprachverwirrung.
Ich würde es mit Mark Twain sagen:
  • Faith is believing what you know ain't so.
Locker übersetzt heißt das: Spiritualität ist an das zu glauben, wovon du weißt dass es nicht so ist.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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closs
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von closs » Di 8. Dez 2015, 10:13

Pluto hat geschrieben: Spiritualität ist, an das zu glauben, wovon du weißt dass es nicht so ist.
Das wäre natürlich albern - Mark Twain scheint ein Bright gewesen zu sein. ;) - deskriptiv könnte er mit seiner Aussage recht haben.

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Pluto
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Pluto » Di 8. Dez 2015, 10:22

closs hat geschrieben:Das wäre natürlich albern - Mark Twain scheint ein Bright gewesen zu sein. ;)
Mark Twain war in der Tat nicht gläubig.
Nur "Brights" gab es damals noch nicht. ;)
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Savonlinna
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Savonlinna » Di 8. Dez 2015, 13:18

sven23 hat geschrieben:
Savonlinna hat geschrieben:Dann bleibt es also dabei, dass sven die Geistlosigkeit verteidigt bzw. herstellen will.
Nein, natürlich nicht, wenn man eine vernünftige Definition von Geist zu Grunde legt.
=>
"Bezogen auf die allgemeinsprachlich „geistig“ genannten kognitiven Fähigkeiten des Menschen bezeichnet „Geist“ das Wahrnehmen und Lernen ebenso wie das Erinnern und Vorstellen sowie Phantasieren und sämtliche Formen des Denkens wie Überlegen, Auswählen, Entscheiden, Beabsichtigen und Planen, Strategien verfolgen, Vorher- oder Voraussehen, Einschätzen, Gewichten, Bewerten, Kontrollieren, Beobachten und Überwachen, die dabei nötige Wachsamkeit und Achtsamkeit sowie Konzentration aller Grade bis hin zu hypnotischen und sonstigen tranceartigen Zuständen auf der einen und solchen von Überwachheit und höchstgradiger Geistesgegenwärtigkeit auf der anderen Seite"
Quelle: Wikipedia
Der Artikel enthält interessante Aspekte.
"Phantasie" zum Beispiel - oben genannt als Teil des Geistes - wird von einigen Foren-Neo-Atheisten strikt abgelehnt.

Daran sehe ich immer, dass nicht Naturalismus im Spiel ist, sondern menschliches Unvermögen.
Wer selber keine Phantasie besitzt, kann leicht über andere lästern und behaupten, Gott etc. sei nur "Phantasie".
Nur Phantasielose können so reden, weil sie nie selber erfahren haben, dass Phantasie und Kreatitivät eine der zentralsten Fähigkeiten des Menschen ist, also Teil der menschlichen Geistesfähigkeit ist.
sven23 hat geschrieben:Was ich ablehne, ist Geisterglaube, wie du ja selbst auch. ;)
Ich lehne ihn doch nicht ab. Ich habe ihn nur selber nicht.
Was macht es denn für einen Sinn, irgendetwas abzulehnen, was doch deutlich existiert?
Der Geisterglaube ist nun mal da!

Es wäre menschliche Kleinkariertheit, die Fäuste in die Augen zu bohren und zu murmeln: 'Das lehne ich alles ab. Das lehne ich alles ab.'
Wir wollen doch begreifen, was der Mensch ist - oder nicht?
Also müssen wir alles zur Kenntnis nehmen und es im menschlichen Zusammenhang zu verstehen suchen.

Die oben im Wiki-Artikel von Dir zitierten und von mir blaugefärbten konzentrierten Zustände können Geist-Erscheinungen nach sich ziehen.
Also sind sie ein Teil des humanum.
Damit wurde viel experimentiert, und manche Menschen sehen das, was als "Geist" beschrieben wird, vor sich.

Wie will man das also leugnen? Oder gar "ablehnen"?
Das Leben ist viel zu spannend, zu vielfältig, zu lebendig, als dass man es auf das eigene Weltbild reduziert und alles wegblendet, was man selber nicht sieht.

Selbstverständlich ist die Natur lebendig, erzeugt vieles, was wir nicht wissen und was selbstverständlich dem heutigen naturwissenschaftlichen Werkzeug nicht zugänglich ist.

Dennoch ist es doch da!
Und wo die Naturwissenschaft nicht reicht, kommen andere Werkzeuge auf den Plan, um dergleichen wahrzunehmen und zu beschreiben.

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Savonlinna
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Savonlinna » Di 8. Dez 2015, 13:28

Pluto hat geschrieben:
Savonlinna hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben:Ich biete mal eine Definition des Naturalismus:

Naturalismus ist der Glaube an an die menschliche Vernunft.


Irgendwelche Einwände?
Also 'nen Kern von Wahrheit sollte eine Definition ja schon haben.
Spontan: Was ist Wahrheit?
Generationen von Philosophen haben sich mit der Definition von Wahrheit befasst, und sind zu keinem Ergebnis gekommen.

Was gefällt dir an meiner Definition von Naturalismus nicht?
Auch hier könnte ein Blick zu Wikipedia die Antwort geben.

Wenn Deine Definition stimmen würde - die ja identisch mit der Definition von "Aufklärung" ist - müssten alle Aufklärer Naturalisten sein, was deutlich nicht der Fall ist.

Gottfried Lessing, entschiedener Aufklärer - siehe sein Drama "Nathan der Weise" - hat rein gar nichts mit naturalistischem Denken zu tun.
Und davon kann ich viele nennen.

"Wahrheit" habe ich hier in dem Sinne verstanden, dass eine Definition von Naturalimus mit dem, was die Naturalisten denken, übereinstimmen muss.
Da sie aber Phantasie ablehnen, überhaupt alles Geistige ablehnen, auch die Freiheit des Menschen ablehnen, lehnen sie selbstverständlich - de facto! - die Vernunft ab.

JackSparrow
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von JackSparrow » Di 8. Dez 2015, 13:29

closs hat geschrieben:Ein semantischer Shift hat den "Spiritus"-Gedanken komplett beiseite geschoben,
Semantische Shifts können im Lateinischen seit 2000 Jahren nicht mehr stattfinden. Als die Sprache noch lebendig war, war der Atem ein metaphysisches Mysterium.

Heute ist er das nicht mehr. Der medizinische Fortschritt hat sich auf die Esoterik offenbar etwas negativ ausgewirkt.
Da könnte man auch "Vernunft" dazu sagen.
Das wäre dann "ratio" und nicht "spiritus". Mit dem sogenannten "Rationalismus" als die dazugehörige Strömung.

JackSparrow
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von JackSparrow » Di 8. Dez 2015, 13:37

Savonlinna hat geschrieben:was wir nicht wissen und was selbstverständlich dem heutigen naturwissenschaftlichen Werkzeug nicht zugänglich ist.

Dennoch ist es doch da!
Laut deiner eigenen Aussage kannst du das nicht wissen, weil es uns nicht zugänglich ist.

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Pluto
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Pluto » Di 8. Dez 2015, 13:40

Savonlinna hat geschrieben:"Wahrheit" habe ich hier in dem Sinne verstanden, dass eine Definition von Naturalimus mit dem, was die Naturalisten denken, übereinstimmen muss.
Da sie aber Phantasie ablehnen, überhaupt alles Geistige ablehnen, auch die Freiheit des Menschen ablehnen, lehnen sie selbstverständlich - de facto! - die Vernunft ab.
Letzteres ist purer Unsinn und basiert auf dem leider weit verbreiteten Irrglauben, dass Naturalisten (Atheisten) keinen Sinn für Phantasie oder Schönheit dieser Welt haben und diese Dinge deswegen ablehnen.

Der Unterschied liegt in dem was sie denken und wie sie handeln:
Naturalisten bleiben stets am Boden der Fakten verankert und geistern nicht ziellos und vermeintlich schwerelos durch irgendwelche Traumwelten.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Münek
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Re: Naturalismus vs Esoterik

Beitrag von Münek » Di 8. Dez 2015, 13:43

Savonlinna hat geschrieben: Damit wurde viel experimentiert, und manche Menschen sehen das, was als "Geist" beschrieben wird, vor sich.

Wie will man das also leugnen? Oder gar "ablehnen"?
Das Leben ist viel zu spannend, zu vielfältig, zu lebendig, als dass man es auf das eigene Weltbild reduziert und alles wegblendet, was man selber nicht sieht.

Selbstverständlich ist die Natur lebendig, erzeugt vieles, was wir nicht wissen und was selbstverständlich dem heutigen naturwissenschaftlichen Werkzeug nicht zugänglich ist.

Dennoch ist es doch da!
Und wo die Naturwissenschaft nicht reicht, kommen andere Werkzeuge auf den Plan, um dergleichen wahrzunehmen und zu beschreiben.
Werkzeuge wie beispielsweise der Glaube an "übernatürliche Vorgänge und Wesenheiten".

Ein solcher hat viel mit "Fantasie" zu tun, deren Vorhandensein von keinem Atheisten bestrit-
ten, sondern ausdrücklich als solche erkannt und benannt wird.

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