Der Jesus der Gnosis

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Novas
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von Novas » So 5. Jun 2016, 16:33

lovetrail hat geschrieben:Guten Morgen!
Novalis hat geschrieben: Was bedeutet die Aussage „Jesus trägt unsre Sünden“ (wie macht er das und warum ist das deiner Meinung nach möglich und nötig) und was bedeutet die Aussage „Es gibt keinen anderen, in dem das Heil zu finden wäre“? Was bedeutet das beispielsweise für Muslime, Juden, Hindus, Buddhisten und Atheisten.
Ich verstehe die Aussagen der Bibel dazu so:

Wir Menschen sind als Nachkommen Adams alle in Sünde verstrickt (worden), aus der wir uns selber nicht befreien können. Durch Mose wurde Israel ein Gesetz gegeben, welches ihnen zwar Weisung gab, aber die Sünde letztendlich noch stärker offenbarte. Nach Maßstäben des Gesetzes ist keiner gerecht. Dieses Gesetz ist auch den Nationen in der Form eines allgemeinen ethischen Verständnisses ins Gewissen geschrieben.

Alle Menschen sind also unter Sünde gekommen.

Gott liebte nun die Welt so sehr (und er liebt sie auch immer noch), dass er seinen einziggeborenen Sohn gab, auf dass alle die an ihn glauben nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben haben. Gott sandte diesen Sohn nicht um die Welt zu verdammen, sondern um sie zu retten (vgl. Joh.3,16f)

Durch das Blut am Kreuz hat Gott also die Welt mit sich selbst versöhnt. Im Glauben soll der Mensch diese Gnade ergreifen und der heilige Geist nimmt in ihm wieder Wohnung. So kann der nun mit Gott versöhnte Mensch wieder in Heiligkeit wandeln und die Liebe Gottes weitergeben/leben. Die Gläubigen haben darüber hinaus auch die Hoffnung, dass sie nicht mehr von ihrem Herrn Jesus getrennt werden und dereinst nach dem Tode in einen verherrlichten Leibe wiederkommen. Jesus Christus hat diese Hoffnung durch seine eigene leibliche Auferstehung verbürgt.

LG lovetrail

Das sind wieder einige (typisch Evangelikale und unermüdlich wiederholte) Glaubensaussagen, die einer Erklärung bedürftig sind.Wie kann "durch das Blut am Kreuz" Versöhnung geschehen?
Im Glauben soll der Mensch diese Gnade ergreifen und der heilige Geist nimmt in ihm wieder Wohnung. So kann der nun mit Gott versöhnte Mensch wieder in Heiligkeit wandeln und die Liebe Gottes weitergeben/leben
Das klingt großartig. Rein theoretisch. Doch weshalb handeln dann viele Christen nicht versöhnend? Die naheliegende Schlussfolgerung ist dann: sie sind innerlich nicht wirklich versöhnt.

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sven23
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von sven23 » So 5. Jun 2016, 16:59

Novalis hat geschrieben: Wenn Religion zur bloßen REGELion mutiert, dann sollte man kritisch werden. Besonders erkennbar wird diese an der Reduktion auf rein äußerliche Glaubensbekenntnisse, theologische Phrasen, eine einseitig gesetzliche Geisteshaltung und leere Rituale, hinter denen der Mensch und seine wirklichen Lebensfragen aus dem Blick gerät. Das finde ich ziemlich ungenießbar ..... wenn jemand das mit Religion meint, lehne ich es auch ab .... ;)
Du scheinst ein Kenner der Rkk zu sein. :lol:
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sven23
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von sven23 » So 5. Jun 2016, 17:13

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Warum, wenn er sich auf intersubjektiv Überprüfbares bezieht, wo soll da eine Falle stecken?
Weil das intersubjektiv Überprüfbare substantiell nichts über Gott aussagt - man kann ihn somit auch nicht über Intersubjektives beurteilen.
Metzinger will ja auch gar keine Aussage über Gott machen, weil das eben nicht überprüfbar ist.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Ja, ja die pöhse Welt. Nur scheinen die äußeren Einflüsse auch schon früher bedrohlich gewesen zu sein
NAtürlich - es hat sich im Grunde nichts geändert - nur an der Oberfläche.
Du behauptest doch immer, dass man geistig früher weiter war als heute. Kann es sein, dass du geistig mit alles kritiklos hinnehmen verwechselst?
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Ohne was?
Ohne Orientierung an Gott.
Gott ist doch nur eine Chiffre für alles mögliche. Nach der tiefenpsychologischen Deutung nach Jung ist Gott eine Spiegelung des Selbst oder das Gottesbild laut Wiki "ein Konglomerat von Vorstellungen, Gefühlen, Assoziationen (ein Konstrukt)."
Der Gott, der in die Geschichte eingreift, ist ein Bild von gestern, das aber immer noch von der Kirche vertreten wird.
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von closs » So 5. Jun 2016, 17:41

sven23 hat geschrieben:Metzinger will ja auch gar keine Aussage über Gott machen, weil das eben nicht überprüfbar ist.
Das ist ok. Aber er schließt daraus, dass alles auch ohne Gott erklärbar sein muss - das kann man tun, jedoch nur unter weltanschaulichen Gesichtspunkten.
sven23 hat geschrieben:Kann es sein, dass du geistig mit alles kritiklos hinnehmen verwechselst?
Unwahrscheinlich.

Mit "geistig" in diesem Kontext meine ich NICHT intellektuell, sondern "näher am Geistig-Spirituellen". - "Kritik" ist auch so ein Wort. Wie Du weisst, bedeutet "Kritik" bei Kant so etwas ähnliches wie "Untersuchung", also neutral. - Heute bedeutet es, etwas in Frage stellen.

Im Sinne der Falsifizierungs-Technik macht das Sinn, weil das ja gerade der Gag bei Popper ist. - Im vulgären Sinne (also weit mehrheitlich) ist "Kritik" heute etwas unter dem Motto: "Wie kann ich etwas in Frage stellen, was ich nicht kapiere". - Der nächste Schritt ist dann: "Wenn ich eine formale oder spitzfindige Lücke finde, die man mir nicht intersubjektiv nachweisbar schließen kann, brauche ich mich erst gar nicht bemühen, es zu verstehen". - Ich glaube nicht, dass ich mit dieser Darstellung übertreibe.
sven23 hat geschrieben:Gott ist doch nur eine Chiffre für alles mögliche.
Das ist exakt das Problem. - Und so lange das so ist, hast Du leider zu einem Gutteil recht.

Das ist - eine weit her geholte, aber vielleicht verständliche Analogie - wie mit dem heutigen Familienbild:
Man versteht nicht mehr, was Familie ist, und hält deshalb Ent-Elterungen durch frühzeitige KiTa-Verschickung für unproblematisch. - Und weil man Familie nicht mehr versteht, ist in vielen Fällen diese KiTa-Lösung sogar die bessere.

Wie bei Gott wird hier Version A nicht verstanden und vernachlässigt, weshalb plötzlich Plan B wie Plan A erscheint - man hat ja nichts besseres.

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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von sven23 » So 5. Jun 2016, 17:54

closs hat geschrieben: - Im vulgären Sinne (also weit mehrheitlich) ist "Kritik" heute etwas unter dem Motto: "Wie kann ich etwas in Frage stellen, was ich nicht kapiere".
Mit Kritik meine ich auch das kritische Hinterfragen von als sicher befundenen Erkenntnissen/Wahrheiten. Das trifft auch auf religiöse Weltbilder zu.
closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Gott ist doch nur eine Chiffre für alles mögliche.
Das ist exakt das Problem. - Und so lange das so ist, hast Du leider zu einem Gutteil recht.
Könntest du als Jung-Verehrer sich mit seiner Definition Gottes als Reflexion des Selbst anfreunden?
Der personale Gott, der in die Geschichte eingreift, ist doch eigentlich nicht mehr haltbar.
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von Novas » So 5. Jun 2016, 18:06

sven23 hat geschrieben:Gott ist doch nur eine Chiffre für alles mögliche. Nach der tiefenpsychologischen Deutung nach Jung ist Gott eine Spiegelung des Selbst oder das Gottesbild laut Wiki "ein Konglomerat von Vorstellungen, Gefühlen, Assoziationen (ein Konstrukt)."
Ja, das sind alles vertretbare Aussagen. Für mich ist Gott der Seinsgrund und so wirklich eine "Chiffre für alles mögliche", weil wirklich das All aus ihm emaniert, dieses Universum und alles darin existierende Leben - terrestrisch und extraterrestrisch - bei vielen Milliarden Galaxien, die alle viele Milliarden Sonnensysteme beherbergen, kann es da viel Raum für potentielles Leben geben.

Auch andere intelligente (vernunftbegabte) Lebensformen.
Der Gott, der in die Geschichte eingreift, ist ein Bild von gestern, das aber immer noch von der Kirche vertreten wird.
Ich würde eher sagen: Gott offenbart sich in der Geschichte im Sinne einer fortschreitenden Offenbarung, die ein offener Prozess ist.
Zuletzt geändert von Novas am So 5. Jun 2016, 18:12, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von closs » So 5. Jun 2016, 18:09

sven23 hat geschrieben:Mit Kritik meine ich auch das kritische Hinterfragen von als sicher befundenen Erkenntnissen/Wahrheiten.
Das ist ok. - Aber dann muss man das zu Kritisierende auch verstanden haben. - Was die RKK-Fundamental-Theologie angeht, scheint sie kaum einer in ihrer Tiefe verstanden zu haben - trotzdem wird sie ständig kritisiert. - Ich behaupte nicht, dass sie wahr ist, sondern dass sie i.d.R. nicht verstanden wird.
sven23 hat geschrieben:Könntest du als Jung-Verehrer sich mit seiner Definition Gottes als Reflexion des Selbst anfreunden?
Insofern, dass der Mensch Göttliches ebenbildlich in sich trägt, sehr wohl.
sven23 hat geschrieben:Der personale Gott, der in die Geschichte eingreift, ist doch eigentlich nicht mehr haltbar.
Nach heutigem Denken kann das gut sein - was nichts an dem ändert, was "ist" (egal, was es ist).

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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von sven23 » So 5. Jun 2016, 18:09

Novalis hat geschrieben: Ich würde eher sagen: Gott offenbart sich in der Geschichte im Sinne einer fortschreitenden Offenbarung, die ein offener Prozess ist.
Tja, mit den Offenbarungen ist das so eine Sache. Kant wußte schon, warum er nichts davon hielt. ;)
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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von Novas » So 5. Jun 2016, 18:15

sven23 hat geschrieben:
Novalis hat geschrieben: Ich würde eher sagen: Gott offenbart sich in der Geschichte im Sinne einer fortschreitenden Offenbarung, die ein offener Prozess ist.
Tja, mit den Offenbarungen ist das so eine Sache. Kant wußte schon, warum er nichts davon hielt. ;)
Was für eine Sache? ;) für mich ist auch der wiederkehrende Sonnenaufgang und das darin sichtbar werdende Wirken der Naturgesetze - deren Vorhandensein immerhin hier auf Erden Leben ermöglicht - eine natürliche Offenbarung. Warum? Weil etwas offenbar wird. Alles, was etwas offenbar macht, ist eine Offenbarung. Da es hier Leben gibt, gehe ich auch davon aus, dass es auf anderen Planeten Leben gibt. Wenn wir das zum ersten mal entdecken, wird auch das eine Offenbarung sein. Die Offenbarung, dass dies ein lebendiges All ist.

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Re: Der Jesus der Gnosis

Beitrag von Novas » So 5. Jun 2016, 18:32

Um zum Thema zurück zu kommen: es gab genau einen Jesus und diesen können wir aus verschiedenen Perspektiven betrachten und unterschiedlich beschreiben. In dem wir diese Perspektiven betrachten, können wir ihn erkennen und verstehen lernen, wer er ist, also es ereignet sich wahres Erkennen ("Gnosis").
Mir geht es hier nicht, um die Verteidigung einzelner sogenannter gnostischer Strömungen. Mir geht es, um die Verteidigung dieses Begriffes, der gezielt negativ besetzt wurde, obschon er ursprünglich eine positive Bedeutung besaß.
Zuletzt geändert von Novas am So 5. Jun 2016, 18:37, insgesamt 2-mal geändert.

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