Ist Geist eine Entität?

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sven23
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Ist Geist eine Entität?

Beitrag von sven23 » Sa 9. Apr 2016, 15:59

Thema abgerennt aus: Das Karsamstags-Evangelium
closs hat geschrieben: Jetzt wäre die nächste Frage: Ist Geist eine Entität, also selbständige Existenz? - Aber das können wir auch woanders diskutieren.
Nach allem, was wir beobachten können: nein. Geist geht nicht selbständig ohne Anbindung an Materie durch die Gegend spazieren.

"Es gibt also nicht einen „Geist“, der uns Menschen von Tieren unterscheidet. Das menschliche Gehirn ist so gross und komplex, dass es einen höheren Abstraktionsgrad als das eines Tieres erreicht, aber viele sozial wichtige Hirnfunktionen finden sich in Ansätzen bereits bei Tieren.
Und dieser „Geist“ ist keineswegs vom Gehirn abgekoppelt. Ähnlich wie das Wässrige am Wasser, also die Eigenschaft, wässrig zu sein
, nicht eine zusätzliche Komponente ist, sondern eine Folge seiner Zusammensetzung aus H2O, so sind Vernunft, Wille und Spiritualität bis zum Beweis des Gegenteils Produkte des Hirns.

Die Hypothese lautet also:
Der Glaube an übernatürliche Existenzen stellt eine durch soziokulturelle Einflüsse und die individuelle Biographie geprägte
Interpretation von Erlebnissen, Emotionen und Gedanken dar.

So bezeichnet Pascal Boyer, Professor für Anthropologie und Psychologie und Autor des Buchs
„Und Mensch schuf Gott“, die Religion als „mögliches, aber keinesfalls unumgängliches Nebenprodukt normaler menschlicher Denkprozesse.“"

Maja Strasser, Fachärztin für Neurologie
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
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Pluto
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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von Pluto » Sa 9. Apr 2016, 16:30

sven23 hat geschrieben:
closs hat geschrieben:Ist Geist eine Entität, also selbständige Existenz? - Aber das können wir auch woanders diskutieren.
Nach allem, was wir beobachten können: nein.
Mich würde erst mal interessieren, welche Definition von Geist closs denn hier verwendet.

Was ist Geist?
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closs
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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von closs » Sa 9. Apr 2016, 16:48

sven23 hat geschrieben:Maja Strasser, Fachärztin für Neurologie
Neurologin!!! - Als Neurologin MUSS sie zu diesem Ergebnis kommen - davon abgesehen, dass sie ihr Fach verlässt, wenn sie solch weitreichende SChlussfolgerungen zieht.
Pluto hat geschrieben:Mich würde erst mal interessieren, welche Definition von Geist closs denn hier verwendet.
Im Grunde der göttliche Geist, der über den Menschen ausgegossen ist - also Ebenbildlichkeit, Potenzial der transzendentalen Erkenntnis-Fähigkeit. - Eng verbunden damit ist der Begriff "conscientia" = das Mitwissen an Gott und der Natur, aber auch die Seele, das Bewusstsein - also im Grunde das, was den Menschen als Wesen ausmacht.

Die heutigen Definitionen sind eher neurologischer oder psychologischer Natur - auch interessant, aber halt was ganz anderes. - Nun kann man dieses Wort im modernen Sinn benutzen - aber damit kann man nicht klären, was "Geist" von meinetwegen 2000 v.Chr. bis 1800 n.Chr. bedeutet hat.

Das ist ja das Problem: Die semantischen Umwertungen vieler traditioneller Begriffe durch den Materialismus lassen nicht mehr erkennen, was die eigentliche Bedeutung vorher ist. - Insofern ist Sprachsalat vorprogrammiert. - "Geist" ist im christlichen Kontext immer Ableitung aus einem göttlichen Kontext.

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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von sven23 » Sa 9. Apr 2016, 16:57

closs hat geschrieben:
sven23 hat geschrieben:Maja Strasser, Fachärztin für Neurologie
Neurologin!!! - Als Neurologin MUSS sie zu diesem Ergebnis kommen - davon abgesehen, dass sie ihr Fach verlässt, wenn sie solch weitreichende SChlussfolgerungen zieht..
Sie muß ja nicht deinen "göttlichen" Geist Begriff meinen. Der menschliche Geist tuts doch auch. ;)
closs hat geschrieben: aber damit kann man nicht klären, was "Geist" von meinetwegen 2000 v.Chr. bis 1800 n.Chr. bedeutet hat.
Erklären/beschreiben kann man es schon. Man muss aber nicht der gleichen Meinung sein wie vor 2000 Jahren. Schließlich gibt es ja so etwas wie wissenschafltliche und kulturelle Weiterentwicklung.
Freiheit ist das Recht, anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.
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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von closs » Sa 9. Apr 2016, 17:24

sven23 hat geschrieben:Der menschliche Geist tuts doch auch.
Klar - aber es ist doch ein Unterschied, ob man den menschlichen Geist als "Software-Folge" von Materie versteht oder als eigenständige Existenz - der er aus christlicher Sicht ist.

Wenn Boyer schreibt ...
sven23 hat geschrieben:"Es gibt also nicht einen „Geist“, der uns Menschen von Tieren unterscheidet. Das menschliche Gehirn ist so gross und komplex, dass es einen höheren Abstraktionsgrad als das eines Tieres erreicht, aber viele sozial wichtige Hirnfunktionen finden sich in Ansätzen bereits bei Tieren.
... dann ist das materialistisch gesehen korrekt - aber es ist halt reine Glaubenssache. - Wir sind hier auf nicht-falsifizierbarem Terrain.
sven23 hat geschrieben:Schließlich gibt es ja so etwas wie wissenschafltliche und kulturelle Weiterentwicklung.
"Wissenschaftlich", eindeutig und qualitativ ja - "kulturell" gibt es natürlich auch eine Weiterentwicklung, ob qualitativ oder nur rein temporal, wird je nach eigener Weltanschauung unterschiedlich bewertet.
sven23 hat geschrieben:Man muss aber nicht der gleichen Meinung sein wie vor 2000 Jahren.
Natürlich nicht - "müssen" eh nicht. - Die Frage ist die Frage nach der Qualität.

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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von Pluto » Sa 9. Apr 2016, 17:33

closs hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben:Mich würde erst mal interessieren, welche Definition von Geist closs denn hier verwendet.
Im Grunde der göttliche Geist, der über den Menschen ausgegossen ist - also Ebenbildlichkeit, Potenzial der transzendentalen Erkenntnis-Fähigkeit.
Über den Menschen ausgegossen.... Gibt es das überhaupt?
closs hat geschrieben:Eng verbunden damit ist der Begriff "conscientia" = das Mitwissen an Gott und der Natur, aber auch die Seele, das Bewusstsein - also im Grunde das, was den Menschen als Wesen ausmacht.
Das hängt von den Prämissen ab und geht nur, wenn man annimmt dass Gott überhaupt existiert. Was ist wenn es ihn nicht gibt?
closs hat geschrieben:aber damit kann man nicht klären, was "Geist" von meinetwegen 2000 v.Chr. bis 1800 n.Chr. bedeutet hat.
Warum ist es relevant zu wissen, wie Geist vor 2000 Jahren verstanden wurde? Wie kam der Wandel zum heutigen Bild von Geist zustande?
closs hat geschrieben:"Geist" ist im christlichen Kontext immer Ableitung aus einem göttlichen Kontext.
Aha.
Das geht aber NUR wenn man von der Existenz Gottes überzeugt ist. Vielleicht ist das der Grund, warum du an alte Definitionen festhältst?
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von closs » Sa 9. Apr 2016, 17:37

Pluto hat geschrieben:Das hängt von den Prämissen ab und geht nur, wenn man annimmt dass Gott überhaupt existiert.
So ist es.
Pluto hat geschrieben:Was ist wenn es ihn nicht gibt?
Wenn diese Prämisse richtig ist, sind die heutigen Auffassungen besser. - Auch hier: Der eine setzt das, der andere jenes. - Aus einer Setzung ist dieses plausibel, aus der anderen Setzung jenes. - Immer dasselbe.
Pluto hat geschrieben:Wie kam der Wandel zum heutigen Bild von Geist zustande?
Durch ein materialistisches Weltverständnis. - Während man früher die Natur als Umsetzer/Offenbarung des Göttlichen verstanden hat, verstand man mit dem Materialismus immer mehr die Natur selbst als "Gott" - ohne es so zu nennen.
Pluto hat geschrieben: Vielleicht ist das der Grund, warum du an alte Definitionen festhältst?
Natürlich - weil die Entitäts-These nur so erklärbar ist.

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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von Pluto » Sa 9. Apr 2016, 17:56

closs hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben:Was ist wenn es ihn nicht gibt?
Wenn diese Prämisse richtig ist, sind die heutigen Auffassungen besser. - Auch hier: Der eine setzt das, der andere jenes. - Aus einer Setzung ist dieses plausibel, aus der anderen Setzung jenes. - Immer dasselbe.
Nicht mein Problem.
Ich will keinerlei Keine Prämissen... gar nichts voraussetzen.
closs hat geschrieben:Während man früher die Natur als Umsetzer/Offenbarung des Göttlichen verstanden hat, verstand man mit dem Materialismus immer mehr die Natur selbst als "Gott" - ohne es so zu nennen.
Das ist keineswegs neues Denken, sondern geht auf Spinozas deus sive natura zurück.
closs hat geschrieben:
Pluto hat geschrieben: Vielleicht ist das der Grund, warum du an alte Definitionen festhältst?
Natürlich - weil die Entitäts-These nur so erklärbar ist.
Verstehe ich nicht. Geist bleibt eine Entität, ganz egal welche Definition man voraussetzt.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von Halman » Sa 9. Apr 2016, 17:59

Pluto hat geschrieben:
closs hat geschrieben:aber damit kann man nicht klären, was "Geist" von meinetwegen 2000 v.Chr. bis 1800 n.Chr. bedeutet hat.
Warum ist es relevant zu wissen, wie Geist vor 2000 Jahren verstanden wurde? Wie kam der Wandel zum heutigen Bild von Geist zustande?
Weil die Thread-Frage sonst überhaupt gar nicht sinnvoll diskutiert werden kann. Wenn wir Wörter wie Geist verwenden, dann drücken wir damit Gedanken aus. Wenn vor 2000 Jahren jemand πνεῦμα sprach, muss er nicht notwendigerweise den selben Gedanken damit ausdrücken. Dies zu unterstellen, nur weil das Wort mit spiritus und schließlich mit Geist übersetzt wurde, ohne die kultursprachliche Evolution zu berücksichtigen, kann zu Fehlschlüssen führen.
Wenn im westgermanischen von ghoizdo-z die Rede war, so meinte man damit ein supernaturalistisches Wesen, wenn wir Geist sagen, haben wir damit aber im Allgemeinen einen ganz anderen Gedanken im Sinn.
Der Wikipedia-Artikel scheint mir eine recht hilfreiche Quelle zu sein. Einleitend wird dort festgestellt:
Geist (griechisch πνεῦμα pneuma,[1] griechisch νοῦς nous[2] und auch griechisch ψυχή psyche,[3] lat. spiritus,[4] mens[5], animus bzw. anima,[6] hebr. ruach und arab. rūh, engl. mind, spirit, franz. esprit) ist ein aus historischen Gründen uneinheitlich verwendeter Begriff der Philosophie, Theologie, Psychologie und Alltagssprache.[7]
Es macht keinen Sinn, zwar den selben Ausdruck zu verwenden, aber aneinander vorbei zu reden, weil unterschiedliche Intentionen dahiner stecken. Ohne Einigkleit, in welchem Sinne man hier das Wort Geist verwenden will, ist die Diskussion sinnfrei. Sorry, dass ich so ehrlich bin.

Im Wikidpedia-Artkel wird sinnvollerweise zwischen demallgemeinsprachlichen Gebrauch und dem religiösen Gebrauch des Wortes unterschieden. Nimm als Beispiel das Wort Parabel. Hier müssten wir uns auch darüber einig sein, ob wir dieses Wort im literaturwissenschaftlichem Sinne gebrauchen oder im mathmatischem.
Tja, ein Proton müsste man sein: Dann würde man die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf und hätte eine nahezu unendliche Lebenszeit:-) - Silvia Arroyo Camejo

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closs
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Re: Ist Geist eine Entität?

Beitrag von closs » Sa 9. Apr 2016, 18:05

Pluto hat geschrieben:Ich will keinerlei Keine Prämissen... gar nichts voraussetzen.
Geht nicht. - Sobald Du naturwissenschaftlich arbeitest, arbeitest Du mit den Prämissen der naturwissenschaftlichen Methodik.
Pluto hat geschrieben:Das ist keineswegs neues Denken, sondern geht auf Spinozas deus sive natura zurück.
"Geist und Materie <sind> keine getrennten Substanzen, wie es im Cartesianismus angenommen wird, sondern vielmehr zwei Eigenschaften (Attribute) der einen Substanz (Gott)" (wik). - Das ist damals zwar neu, aber noch lange kein Materialismus. - Damit könnte ich sogar leben - kommt allerdings auf die Interpretation an.
Pluto hat geschrieben: Geist bleibt eine Entität, ganz egal welche Definition man voraussetzt.
Dann müsste man klären, was "Entität" ist. - Definiert man "Entität" als etwas, was eigenständiges Sein ist (also auch ohne Wahrnehmung funzt), könnte das in moderner Lesart schwierig sein.

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