Gespräche mit Gott (?)

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Rembremerding
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Rembremerding » Mi 22. Jun 2016, 18:03

Mia hat geschrieben: Normal müsste man von allen heiligen Schriften, die Gemeinsamkeiten heraussuchen und dies als Gottgegeben ansehen. Wobei man auch nicht ausschließen kann, dass der eine vom andern Stellen übernahm.
Warum sollte man neues in alte Schläuche abfüllen? Für mich ist es ein Anliegen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und da sollte man altes einfach ablegen was tausenden von Jahren nicht funktioniert hat.
Und ein Gott mit schlechten Eigenschaften, die besser zu einem Teufel passen würden gehört für mich dazu.
Da gibt es einige Gemeinsamkeiten in hl. Schriften, Walsch zitiert sie auch oder erhält sie (erneut und persönlich) vom Hl. Geist. Was vom Hl. Geist, ist von Gott, widerspricht sich nicht und ist überall und immer gültig, auch in anderen Kulturen. @Novalis schreibt gerne dazu: "Der Geist weht, wo er will". Das ist richtig, jedoch gilt es diese Bewegung anzunehmen und sie zu unterscheiden von einer Erschütterung, einer Verwirrung, die niemals vom Hl. Geist kommt, nicht weht, sondern erdrückt.

Weißt du, was das Neue an Jesus Christus ist, was weder in die alten Schlaüche der jüdischen Gesetzlichkeit passt noch in den alten Lehren selbsterlösender Werke? Er hat uns Gott gebracht! Direkt in unser Herz, als Form und Kraft zu lieben.
Du wirst die Welt nicht zu einem besseren Ort machen, indem du Frieden, Freude, das Leben und Liebe hinaustragen willst, sondern indem du der Frieden, die Freude, das Leben und die Liebe bist, in und durch Jesus Christus. Jetzt schon beginnt dann das Reich Gottes. Die Welt kann man auch über tausende von Jahren niemals besser machen, als die Menschen, die sie bewohnen.
Und wenn man Gott schlechte Eigenschaften zuspricht, dann wird man nirgends einen andern Gott als diesen finden, weil er als Bild im Menschen selbst ist. Es gibt nur einen Gott und wenn man in sich nur einen Funken göttlicher Liebe vernimmt, dann ist er es und dort, wo man einen schlechten Gott findet, sind wir es. Aber - Gott reicht uns die Hand.

Und als Geschöpf werden wir niemals wie Gott sein, jedoch in einer Beziehung zu ihm und vor seinem Antlitz der Liebe, werden wir durch den Herrn, besser noch, in Gott sein.

Servus :wave:
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Novas
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Novas » Mi 22. Jun 2016, 18:24

Rembremerding hat geschrieben:Und als Geschöpf werden wir niemals wie Gott sein
Das dualistische Gottesbild trennt grundsätzlich zwischen beiden, ja. Doch es gibt auch nicht-dualistische Sichtweisen, die andere Aussagen treffen. Deine Aussage könnte auch so formuliert werden: "die Wellen werden niemals sein, wie das Meer (Dualismus)" - Moment mal: die Wellen sind eh schon das Meer, denn das Meer manifestiert sich in seinen Wellen (Nicht-Dualismus). Es macht für mich keinen wirklichen Sinn das Eine von Anderen zu trennen.
Oder betrachten wir Gott als die Symphonie und die Geschöpfe, als seine Noten: beides ist eins. Ohne die individuellen Noten, kann die Symphonie nicht erklingen. Eine Aussage wie "eine Note wird niemals wie eine Symphonie sein" erübrigt sich also. Oder nehmen wir das Bild von Tanz und Tänzer: ein Tanz ohne Tänzer ist genau so unmöglich, wie ein Tänzer ohne Tanz, die gehören einfach zusammen.

Genauso können wir sagen: Gott manifestiert sich durch uns als Mensch. Natürlich kannst Du beides begrifflich trennen, das machen wir alle, aber sie gehören trotzdem zusammen in exakt der selben Weise, wie diese Metaphern es vermitteln.

Es gibt nur einen Gott und wenn man in sich nur einen Funken göttlicher Liebe vernimmt, dann ist er es und dort, wo man einen schlechten Gott findet, sind wir es. Aber - Gott reicht uns die Hand.

Gut gesagt!


Jelaluddin Rumi:

WHEN YOU EVENTUALLY SEE
THROUGH THE VEILS TO HOW THINGS REALLY ARE
YOU WILL KEEP SAYING AGAIN
AND AGAIN:
THIS IS CERTAINLY NOT LIKE
WE THOUGHT IT WAS


;)

Rembremerding
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Rembremerding » Mi 22. Jun 2016, 19:21

Novalis hat geschrieben:
Rembremerding hat geschrieben:Und als Geschöpf werden wir niemals wie Gott sein
Das dualistische Gottesbild trennt grundsätzlich zwischen beiden, ja. Doch es gibt auch nicht-dualistische Sichtweisen, Deine Aussage könnte auch so formuliert werden: "die Wellen werden niemals sein, wie das Meer (Dualismus)" - Moment mal: die Wellen sind eh schon das Meer, denn das Meer manifestiert sich in seinen Wellen (Nicht-Dualismus). Es macht für mich keinen wirklichen Sinn das Eine von Anderen zu trennen.
Oder betrachten wir Gott als die Symphonie und die Geschöpfe, als seine Noten: beides ist eins. Ohne die individuellen Noten, kann die Symphonie nicht erklingen. Eine Aussage wie "eine Note wird niemals wie eine Symphonie sein" erübrigt sich also. Oder nehmen wir das Bild von Tanz und Tänzer: ein Tanz ohne Tänzer ist genau so unmöglich, wie ein Tänzer ohne Tanz, die gehören einfach zusammen.

Genauso können wir sagen: Gott manifestiert sich durch uns als Mensch. Natürlich kannst Du beides begrifflich trennen, aber sie gehören trotzdem zusammen in exakt der selben Weise, wie diese Metaphern es vermitteln.

Dualismus meint doch nicht Geschöpf-Schöpfer, außer du willst damit böse-gut verbinden. Allerdings ist der Mensch ein Ebenbild Gottes und darum ist auch gutes in ihm, auch wenn Luther es nicht zu finden vermag. Christlicher Glaube hat nichts mit Dualismus zu tun, diese Schublade musst du wieder entleeren.
Deshalb ist nicht alles, was hinkt, auch ein Vergleich, wie deine Metaphern. Deshalb werde ich ihnen Krücken verleihen :)
Da wird also keine Welle sein, wenn sie nicht Wasser sein will, da wird keine individuelle Note sein, wenn sie nicht zur Harmonie verhilft, da wird kein Tanz sein, wenn der Tänzer taumelt. Das Kreuz des Herrn schenkt uns Erlösung, weil es die Kraft der Umgestaltung besitzt: aus Wasserscheuen werden Schwimmer, aus Missklänge Harmonie, aus stolpern tanzen. Und als Höhepunkt lässt die Auferstehung des Herrn uns auf all diese Umgestaltungen im Hl. Geist hoffen, lässt uns der Glaube sie annehmen, lässt uns die Liebe sie bewirken.
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Mia
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Mia » Mi 22. Jun 2016, 21:43

Rembremerding hat geschrieben:
Das Kreuz des Herrn schenkt uns Erlösung, weil es die Kraft der Umgestaltung besitzt: aus Wasserscheuen werden Schwimmer, aus Missklänge Harmonie, aus stolpern tanzen. Und als Höhepunkt lässt die Auferstehung des Herrn uns auf all diese Umgestaltungen im Hl. Geist hoffen, lässt uns der Glaube sie annehmen, lässt uns die Liebe sie bewirken.
Dazu habe ich auch etwas gefunden:
Die religiösen Eiferer wollen euch glauben machen, dass ich euch als weniger als Was-Ich-Bin erschaffen habe, damit ihr die Möglichkeit habt zu werden, Was-Ich-Bin, wobei eure Chance in dieser Sache äusserst schlecht stehen und ihr, so könnte ich hinzufügen, jede natürliche Neigung, die ich euch angeblich mitgegeben habe, entgegenarbeiten müsstet.
Zu diesen sogenannten natürlichen Neigungen gehört die Tendenz zu sündigen. Ihr wurdet gelehrt, dass ihr sündig geboren wurdet, sündig sterben werdet und dass das sündigen in eurer Natur liegt.
Eine eurer Religionen lehrt euch sogar, dass ihr daran nichts ändern könnt. Eure persönlichen Handlungen sind irrelevant und bedeutungslos. Es ist pure Arroganz, wenn ihr denkt, dass ihr durch irgendwelches Handeln euerseits in den Himmel kommen könnt.
Es gibt nur einen Weg in den Himmel (zur Rettung) und der hat nichts mit irgendwelchen Unternehmungen eurerseits zu tun, sondern geschieht ausschließlich durch die Gnade, die euch Gott durch das Annehmen seines Sohnes als Mittel zuteil werden lässt.
Danach seid ihr gerettet. Bevor das nicht geschehen ist, hat nichts was ihr tut- weder euer Leben noch die von euch getroffenen Entscheidungen, noch irgend etwas, das ihr aus eigener Willensanstrenung unternehmt, um euch zu bessern oder würdig werden zu lassen-, irgend eine Auswirkung, irgend einen Einfluss. Ihr seid grundsätzlich nicht imstande euch würdig werden zu lassen, weil ihr von Natur aus unwürdig seid. So wurdet ihr erschaffen.
Warum? Das weiß nur Gott. Vielleicht hat er einen Fehler gemacht. Vielleicht hat er sich geirrt. Vielleicht wünscht er sich, er könnte noch einmal von vorne anfangen. Aber so ist es nun mal. Was ist also zu tun...?

Walsch: Du machst dich über mich lustig.

Nein. Ihr macht euch über mich lustig. Ihr sagt, ich, Gott hätte von Natur aus unvollkommene Geschöpfe erschaffen und dann von ihnen verlangt, dass sie Vollkommen sein oder aber mit der Verdammnis rechnen müssten.
Ihr sagt weiterhin, dass ich nach einigen tausend Jahren Erfahrungen mit der Welt ein wenig nachgegeben und erklärt hätte, dass ihr von nun an nicht mehr unbedingt gut sein müsstet, sondern euch nur einfach schlecht fühlen solltet, wenn ihr nicht gut wärt, und dass ihr das eine Wesen als euren Retter akzeptieren solltet, das immer vollkommen zu sein vermochte, wodurch mein Hunger nach Vollkommenheit gestillt würde.
Ihr sagt mein Sohn- der einzige Vollkommene- euch von eurer Unvollkommenheit erlöst habe, der Unvollkommenheit, die ich euch gab.
Mit andren Worten: Gottes Sohn erlöst euch von dem, was sein Vater anrichtete.
So wurde es von mir eingerichtet, wie viele von euch sagen.
Wer macht sich also hier über wen lustig?

Walsch: Das ist das zweite Mal in diesem Buch, dass du das fundamentalistische Christentum frontal anzugreifen scheinst.

Du hast das Wort angreifen gewählt. Ich nehme lediglich das Thema auf. Und es hat im Übrigen nichts mit dem fundamentalistischen Christentum, wie du es ausdrückst zu tun, sondern es behandelt die gesamte Natur Gottes und seine Beziehung zu den Menschen....

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Halman
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Halman » Mi 22. Jun 2016, 23:59

Novalis hat geschrieben:
Halman hat geschrieben:
Rembremerding hat geschrieben:Aber die benötigt man ja in seiner Lehre auch nicht, weil man selbst ein Gott ist.
Selbst göttlich zu sein bzw. werden zu können, ist bereits in der antiken Gnosis enthalten (Gotteshauch).
Das ist eine der gewaltigen Grundaussagen der gesamten christlichen Mystik (die mit Jesus von Nazareth beginnt), die auch immer Gnosis (spirituelles Wissen) weiter geben wollte. Zu diesem Wissen gehört zweifellos die Idee, dass göttliches Leben in Jesus Mensch geworden ist, "das WORT (LOGOS) wurde Fleisch", aber eben nicht nur in Ihm, sondern auch in uns: wir sind göttliches Leben, welches gerade jetzt diese menschliche Erfahrung macht. Das ist die (universelle) Botschaft der Inkarnation. Betrachte beispielsweise die einfache Aussage: ES gibt mich ..... ES gibt Dich ..... da ist ein ES, ein Grund des Seins, der Alles gibt.
Der tiefgründige Logos-Hymnus war schon in der Spätantike Gegenstand heftiger theologischer Kontroversen. Auch wir verstehen ihn offenbar recht verschieden.

Paulus schrieb an die Urchristen in Rom:
Zitat aus Rö 3:22-24:
... Denn es ist kein Unterschied, 23 denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes 24 und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist.
Darin steckt null eigende Leistung, sondern 100% göttliche Gnadengabe. Darum folgert Paulus:
Zitat aus Rö 3:27:
27 Wo bleibt nun der Ruhm? Er ist ausgeschlossen. ...
Im 5. Kapitel des Römerbriefes führt Paulus weiter die Bedeutung der Gnade Gottes durch Jesus Christus aus. Die Gabe ist ein Geschenk, dass wir annehmen oder zurückweisen können.
An der Schwachheit des Menschen hat sich durch Jesus nichts gehändert, sie ist immer noch gegenwärtig. Der Unterschied ist der, dass durch Jesus die Hoffung offenbar ist, die Hoffnung durch die Gnade Gottes in Christus.
In Rö 8,18-25 entfaltet Paulus diese Hoffnung in der gegewärtigen Nichtigkeit, der wir unterworfen sind:
18 Denn ich denke*, dass die Leiden der jetzigen Zeit nicht ins Gewicht fallen gegenüber der zukünftigen Herrlichkeit, die an uns offenbart werden soll°. 19 Denn das sehnsüchtige Harren der Schöpfung wartet auf die Offenbarung der Söhne Gottes. 20 Denn die Schöpfung ist der Nichtigkeit^ unterworfen worden - nicht freiwillig, sondern durch den´, der sie unterworfen hat - auf Hoffnung hin, 21 dass auch selbst die Schöpfung von der Knechtschaft der Vergänglichkeit² frei gemacht werden wird zur Freiheit der Herrlichkeit der Kinder Gottes. 22 Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung zusammen seufzt und zusammen in Geburtswehen liegt bis jetzt. 23 Nicht allein aber sie, sondern auch wir selbst, die wir die Erstlingsgabe des Geistes haben, auch wir selbst seufzen in uns selbst und erwarten die Sohnschaft; die Erlösung unseres Leibes. 24 Denn auf Hoffnung hin sind wir gerettet worden. Eine Hoffnung aber, die gesehen wird, ist keine Hoffnung. Denn wer hofft, was er sieht³? 25 Wenn wir aber das hoffen, was wir nicht sehen, so warten wir mit Ausharren.
*o. urteile
°o. mit der Herrlichkeit, die im Begriff steht, an uns offenbart zu werden
^o. Vergänglichkeit
`o. um dessentwillen; s. Ex 3:15 u. Apg 24:15
²o. des Verderbens
³mit mehreren alten Handschr.: Denn was einer sieht, was hofft er es noch
Novalis hat geschrieben:ES gibt unser Leben und möchte genau in dieser Form Mensch sein und in dieser Zeit über genau diese Erde wandeln durch uns. Das ist der Grund, weshalb wir hier sind. Wenn Jesus selbst ausdrücklich sagt: "das Reich Gottes (sein ewiges Leben) ist IN euch", dann darfst Du das ernst nehmen.
Ich nehme mal an, Du beziehst Dich auf Luk 17:21:
21 auch wird man nicht sagen: Siehe hier! Oder: Siehe dort! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch.
Diesbezüglich verweise ich auf meine Beiträge vom Mo 25. Mai 2015 und Di 26. Mai 2015. Ich denke, dass sich bereits unsere hermeneutischen Zugänge zum Text unterscheiden und wir deshalb zu verschiedenen Deutungen gelangen müssen.
Tja, ein Proton müsste man sein: Dann würde man die Quantenphysik verstehen, wäre immer positiv drauf und hätte eine nahezu unendliche Lebenszeit:-) - Silvia Arroyo Camejo

Novas
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Novas » Do 23. Jun 2016, 08:02

Halman hat geschrieben:
Novalis hat geschrieben:
Dabei sind mir Menschen nicht lediglich selbstbestimmt. In unserem Bemühen um Selbstbestimmtheit, darin, unser Glück zu schmieden, schmieden äußere Umstände kräftig mit, sei es durch Krankheit, sei es durch Vorgesetzte und Behörden usw. Wir sind fremd- und selbstbestimmt. Wir sind NICHT die Urheber von allem, was im Leben geschieht. So ein Unsinn!
Hast Du die Bücher gelesen? Denn Walsch sagt ganz klar - und ich zitierte es bereits - dass wir alle Mit-Schöpfer sind. Das ist schon eine ganz andere Aussage. Da Du selbst ein Science-Fiction Fan bist, kannst Du dir vielleicht vorstellen, dass sich die Menschen der Zukunft dessen vollkommen bewusst sind?
Ich würde das einfach geistige Reife nennen.
Mag sein, dass es mir an der geistigen Reife mangelt, die Zitate von Walsch zu verstehen. Allerdings sind manche Formulierungen von Walsch schon sehr absolut, jedenfalls empfinde ich es so

Da Walsch selbst ständig wiederholt, dass Worte sehr missverständlich sind und niemals die absolute Wahrheit repräsentieren und jeder Leser zur selbstständigen Wahrheitssuche und dem Vertrauen auf die eigene Erfahrung motiviert wird, sehe ich hier kein Problem. Gleich am Anfang des 1 Bandes Gespräche mit Gott, sagt er folgendes: "Wir alle sind die Urheber der Ereignisse unsres Lebens, und wir alle sind bei der Erschaffung der Umstände, die zu diesen Ereignissen führen, Mit-Schöpfer im Verein mit dem Einen Großen Schöpfer".

Das ist schon eine deutlich differenziertere Aussage, denn den Großen Schöpfer leugnet er nicht ;) Grundsätzlich gilt für mich im Umgang mit Büchern die Haltung von Bruce Lee: „Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge das hinzu, was dein Eigenes ist.“ ... Du KANNST und Du DARFST etwas annehmen, wenn es für DICH Sinn macht, aber Du "musst" und "sollst" nicht. Wenn der Autor soetwas schreiben würden, dann würde ich mich ganz bestimmt dagegen wehren, denn es gibt schon wahrlich genug religiöse Bevormundung.

Ich habe schon darauf hingewiesen, dass es eine SBNR-Bewegung gibt (Spiritual But Not Religious) wozu Menschen gehören, die zwar spirituell sind, aber sich dabei nicht gerne religiös bevormunden lassen. Beispielsweise habe ich mich mal mit einer - sehr intelligenten - Psychologiestudentin unterhalten, die viel mit den Büchern von Walsch, aber nur wenig mit Religion anfangen konnte. Neu ist die Situation auch nicht, denn schon Bonhoeffer sprach von einem "religionsloses Christentum".

Gott ist nicht in einem fernen Jenseits zu vermuten, sondern er ist, wie Bonhoeffer schrieb, "mitten in unserem Leben jenseitig". "Offenbarung Gottes in Jesus Christus" heißt, wenn man die mythologisch erscheinenden Ausdrücke des Neuen Testaments recht interpretiert: Jesus ist der Mensch, "in dem die Liebe zur Macht gekommen ist", in dem dadurch die Liebe als der Grund des Seins offenbar geworden ist, also nicht nur als ein ethisches Ideal (das könnte auch ein nichtchristlicher Humanist sagen), sondern als die letzte Wirklichkeit. Robinson: "Der Christ bekennt nicht einfach, daß die Liebe das letzte Wort über das Leben des Menschen sein sollte, sondern daß sie es trotz allem Anschein ist." Daran werden wir beteiligt nicht durch Für-wahr-Halten von Dogmen und Einhalten von Vorschriften, sondern indem Vertrauen zu diesem Grund der Liebe uns zur Begegnung mit den Mitmenschen in Liebe befreit.

Für die Ethik bedeutet das: Nicht die Befolgung einer Anzahl von vermeintlich göttlichen Gesetzen, sondern "rückhaltlose Offenheit in der Liebe dem anderen gegenüber nur um seinetwillen ist die einzige absolute Forderung". "Religionsloses Christentum" (Bonhoeffer) meint: Es geht nicht darum, den Menschen einer religionslosen Zeit bestimmte religiöse Vorstellungen von Gott aufzunötigen, sondern sie einzuladen, es mit der Liebe zum Mitmenschen zu wagen in dem Vertrauen, darin in Übereinstimmung mit dem Grunde unseres Seins zu leben und auf diesem Wege, was er auch kosten möge, letztlich nicht zuschanden zu werden.
Der Widerspruch des Atheisten geht ins Leere; denn er geschieht in der Meinung, der christliche Glaube sei die Überzeugung von der Existenz irgendeines höheren Wesens, "das es geben kann oder auch nicht, wie Leben auf dem Mars". Solche Gottesvorstellungen aber gehören der Vergangenheit an. Der Christ ist an ihnen nicht interessiert. Er kann, sagt Robinson, "den Agnostikern ein Agnostiker werden und den Atheisten ein Atheist"; denn er will mit seinem Gottesdienst, mit den geheimnisreichen Formeln der Liturgie nichts anderes ausdrücken als die auch dem modernen Menschen ohne Konflikt mit Wissenschaft und Wahrhaftigkeit vollziehbare Erkenntnis, daß wir getragen sind von Liebe und gefordert zur Liebe.


http://m.spiegel.de/spiegel/print/d-46174007.html


Das ist es eigentlich, worum es mir persönlich geht: das Christsein so verstehen und Leben, dass es mit meinem modernen Menschsein vereinbar ist. Religiöse Bevormundung - die Menschen entmündigt, obwohl sie es heute mit mündigen Bürgern dieser Welt zu tun hat - genügt diesem Anspruch nicht. Wenn wir den Auftrag haben das EVANGELIUM zu verkündigen, dann stellt sich die Frage, wie das angesichts der Bedingungen, der conditio Humana des heutigen Menschseins möglich und glaubwürdig ist.

Karl Rahner sagte: der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein. Wenn das einer DER führenden Theologen der neueren Zeit sagt, dann darf das ernst genommen werden.

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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Münek » Do 23. Jun 2016, 21:07

Novalis hat geschrieben:Karl Rahner sagte: der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein. Wenn das einer DER führenden Theologen der neueren Zeit sagt, dann darf das ernst genommen werden.
Mal langsam - auch ein "führender Theologe" wie Karl Rahner kocht nur mit Wasser - er hat anderen Gläubigen nichts glaubensmäßig Substanzielles voraus.

Was unterscheidet den "normalen Christen" von einem "christlichen Mystiker" und wieso soll
die Zukunft des Christentums davon abhängig sein, dass Gläubige zu Mystikern mutieren?

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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Münek » Do 23. Jun 2016, 21:31

Novalis hat geschrieben:Der Widerspruch des Atheisten geht ins Leere; denn er geschieht in der Meinung, der christliche Glaube sei die Überzeugung von der Existenz irgendeines höheren Wesens, "das es geben kann oder auch nicht, wie Leben auf dem Mars". Solche Gottesvorstellungen aber gehören der Vergangenheit an. Der Christ ist an ihnen nicht interessiert.
Teilen gläubige Christen und die offizielle Kirchendoktrin Deine Auffassung? Ich denke eher nicht. Du entpuppst Dich als Revolutionär! :thumbup:

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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Novas » Do 23. Jun 2016, 23:45

Münek hat geschrieben:
Novalis hat geschrieben:Karl Rahner sagte: der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein oder er wird nicht mehr sein. Wenn das einer DER führenden Theologen der neueren Zeit sagt, dann darf das ernst genommen werden.
Mal langsam - auch ein "führender Theologe" wie Karl Rahner kocht nur mit Wasser - er hat anderen Gläubigen nichts glaubensmäßig Substanzielles voraus. Was unterscheidet den "normalen Christen" von einem "christlichen Mystiker" und wieso soll
die Zukunft des Christentums davon abhängig sein, dass Gläubige zu Mystikern mutieren?
Das sind wichtige Fragen, lieber Münek! Ich vertrete eher die Auffassung, dass der christliche Glaube schon in seinen Ursprüngen mystisch war, seinem Wesen und Herzen nach ist, und es darum heute und in Zukunft auch sein wird. Die gesamte Theologie speist sich aus dieser Quelle, sie ist nicht nur eine nebensächliche Begleiterscheinung.
So gesehen ist jeder Christ - mehr oder weniger stark ausgeprägt - ein "Mystiker". Das ist nicht nur etwas, was für ein paar Auserwählte gilt. Eugen Biser bezeichnet die Auferstehung, als mystisches Grundereignis, was auch heute noch im Mittelpunkt des christlichen Lebens steht. "Auferstehung" ist ein inneres Ereignis im einzelnen Menschen, die zu einer verwandelten Seinsweise führt. Damit sage ich nichts neues, denn das findet sich auch in dem bekannten Buch "Die Nachfolge Christi (De imitatione Christi)" des Thomas von Kempen und vielen Anderen, aber das ist sehr wichtig.

Das ist auch gar nicht so hochtrabend, wie häufig geglaubt wird: viele Heilige und Mystiker lebten ein sehr einfaches und bescheidenes Leben. In Erinnerung blieb Franz von Assisi, weil er den Christusgeist verkörperte, sodass Menschen in Ihm Jesus erblickten, nicht weil er ein führender Theologe war. Ich würde Rahner deshalb ergänzen: es gibt eine "Renaissance des Christentums aus seiner mystischen Quelle".

Interessant ist das Christentum nicht als bloße Morallehre, denn die kann man auch ohne das religiöse Gehabe haben. Wie Du selbst schon öfter gesagt hast: auch Atheisten können moralisch handeln. Interessant ist es, als spiritueller Weg.

Novas
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Re: Gespräche mit Gott (?)

Beitrag von Novas » Fr 24. Jun 2016, 00:05

Münek hat geschrieben:Teilen gläubige Christen und die offizielle Kirchendoktrin Deine Auffassung?
Ich bin ein autonomes Wesen. Meine Aussagen sehe ich nicht als allgemeinverbindlich an und ich bin nicht an eine bestimmte Gemeinschaft gebunden. Das passt eher nicht zu meinem Naturell und meiner Lebensform.
Gefühlt bin ich eher ein unabhängiger Löwe, als ein Schafskopf, also ich genieße das Alleinsein.
Münek hat geschrieben:Ich denke eher nicht. Du entpuppst Dich als Revolutionär![/b] :thumbup:
Das kommt vor :D

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