Was ist "Bildung"?

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Helmuth
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von Helmuth » Di 15. Mai 2018, 19:41

Hi Clossy,

ich weiß, dass wir hier eines deiner Herzensthemen diskutieren, etwas was dich bewegt. Erlaube mir als Nichtakademiker ein paar kritische Statements. Ich würde mich hier als mittelmäßig „gebildet“ einstufen.
closs hat geschrieben: Da sind wir uns einig - aber der Mainstream meint in der Regel "Ausbildung", wenn er "Bildung "sagt. - Dies ist Folge von Neusprech-Einprägungen.
Es ist eine Folge des Wertewandels. Man hat einerseits den Bildungszugang allgemein ermöglicht, was gut ist, aber die Gesellschaft hat anderseits auch blöde Studien generiert. Ich denke nur an den Sozialbereich.

Was mir abgeht ist ein Weiterbildungsmodus. Menschen mit 25 Jahren Berufserfahrung übertrumpfen jeden Jungspatzakademiker, aber dennoch meint man diese haben einen höheren Level, weil sie von einer Uni oder FH kommen. Es gibt keine Nachgraduierung.
closs hat geschrieben: Wenn man nicht alle möglichen Berufe als "akademisch" nennen würde, die es im Grunde nicht sind, würden 20% Akademiker reichen.
Die Funktion von Akademikern wird grundsätzlich überschätzt. Wir brauchen alle Glieder im Leib, das lehrt mich zumindest das Wort Gottes. Der intelligentere Mensch ist nicht gleichzeitig der wertvollere Mensch. Wenn Wissen zu sehr betont wird, tritt Arroganz an die Stelle von Weisheit.

Ein guter Röntgenologe mag ein Fachmann sein auf seinem Gebiet, unbestritten, trotzdem kann er ein Trottel sein im Bezug auf Umgang mit seinen Patienten. Weise Menschen bräuchte man in jedem Lebensbereich, spezifisch Ausgebildete nur in Spezialdisziplinen. Ich weiß das, denn ich Techniker mit extrem spezialisierten Fachwissen. Das ist nicht wirklich wichtig, wenn es darum geht echte Probleme zu lösen.
Herzliche Grüße
Helmuth

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closs
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von closs » Di 15. Mai 2018, 20:16

Helmuth hat geschrieben:Was mir abgeht ist ein Weiterbildungsmodus. Menschen mit 25 Jahren Berufserfahrung übertrumpfen jeden Jungspatzakademiker, aber dennoch meint man diese haben einen höheren Level, weil sie von einer Uni oder FH kommen. Es gibt keine Nachgraduierung.
Gut - das kann man als jugendliche Selbstüberschätzung ansehen - das wäre verzeihlich. - Das Problem ist aus meiner Sicht vielmehr, dass Medien auf so was reinfallen und dann Sätze fallen können wie "Im Krankenhaus x sind nur 18% im Pflegebereich qualifiziert", womit dann die WIRKLICH Qualifizierten gerade NICHT gemeint sind.

Über das Thema "Bildung" hinaus-diagnostiert: Wir haben im wesentlichen eine Gleichschaltung von Political-Correctness-Gesellschaft und Medien, so wie es weitgehend eine Gleichschaltung von Natruwissenschaft und Philosophie gibt.
Helmuth hat geschrieben:Die Funktion von Akademikern wird grundsätzlich überschätzt.
Das wiederum würde ich NICHT so sagen - bzw: Dieser Satz ist nur in Zeiten von Massen-Akademisierungen möglich.

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Travis
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von Travis » Di 15. Mai 2018, 20:34

closs hat geschrieben:Das wiederum würde ich NICHT so sagen - bzw: Dieser Satz ist nur in Zeiten von Massen-Akademisierungen möglic
Das sehe ich auch so. Denn all die Akademiker die ich kenne (christliches Umfeld) sind echte "Überzeugungstäter" und einfach toll in ihrem Job. Ich würde für sie glatt Werbung machen, wäre das in diesem Umfeld hier nicht so unpassend.
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von ceam » Di 15. Mai 2018, 20:50

Ich habe doch schon erklärt, dass die Schulen brutal ineffektiv sind. Würde man den Unterricht sinnvoll gestalten, dann würden alle locker ihren 1,0 Abitur schaffen und zwar nur mithilfe des Unterrichts von 8-13 uhr unter der Woche. In 10 Jahren nach der Grundschule schafft man so auch nebenbei noch ein beliebiges Studium.

Ihr würdet jetzt wieder sagen, ne weil die Schüler ja noch irgendwelche Bedürfnisse haben. Was das für Bedürfnisse sein sollen könnt ihr nicht sagen. Wahrscheinlich habt ihr das Bedürfnis unbedingt vom Lernen abgehalten zu werden.

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closs
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von closs » Di 15. Mai 2018, 21:10

Travis hat geschrieben: Ich würde für sie glatt Werbung machen, wäre das in diesem Umfeld hier nicht so unpassend.
Mach - das passt doch sehr gut. - Die Tatsache, dass wir eine niveauarme Akademiker-SChwemme haben, darf nicht aus den Blick geraten lassen, dass Richter, Ärzte, Pfarrer, Naturwissenschaftler, Ingenieure, etc. Akademiker sind.

Und zur Erinnerung: Die Frage lautet "Was ist Bildung?". - Wenn man Bildung nicht mit Ausbildung gleichstellt, können Höchst-Quailifizierte in höchstem Maße ungebildet sein - wenn man "Bildung" "richtig" definiert. - Ist aus Deiner Sicht der Satz "Er/sie ist hoch-qualifiziert, aber vollkommen ungebildet" nach heutigem Verständnis noch möglich?
ceam hat geschrieben:Ich habe doch schon erklärt, dass die Schulen brutal ineffektiv sind. Würde man den Unterricht sinnvoll gestalten, dann würden alle locker ihren 1,0 Abitur schaffen
Erkläre das mal genauer.

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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von Travis » Di 15. Mai 2018, 21:29

closs hat geschrieben:Mach - das passt doch sehr gut. - Die Tatsache, dass wir eine niveauarme Akademiker-SChwemme haben, darf nicht aus den Blick geraten lassen, dass Richter, Ärzte, Pfarrer, Naturwissenschaftler, Ingenieure, etc. Akademiker sind.
Hm, ok. Fange ich mal mit einem Architekten an.

Sehr gutes Abi und dann stand wie immer die Frage, an, was macht man nach der Schule. Der Mann ist ein prima Handwerker, war bereits während der Schule sehr praktisch veranlagt und half tatkräftig dabei mit, dass Mehrgenerationenhaus seiner Eltern mit zu bauen. Er begeisterte sich für die Architektur, wobei ihm klar war, dass ihm praktisch noch eine Menge fehlen würde. Also beschloss er, eine Maurerlehre zu absolvieren. Gesagt, getan. Lehre mit Bestnoten in Theorie und Praxis beendet und dann Architektur studiert.

Da mein Schwiegervater Maurer ist (war) weiß ich wie wichtig es ist, dass der Architekt nicht nur Ahnung von der Theorie hat. Mein Freund ist also einen sehr guten Weg gegangen und heute Architekt mit Leib und Seele.
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von closs » Di 15. Mai 2018, 21:38

Travis hat geschrieben: Fange ich mal mit einem Architekten an.
Das klingt sehr qualifiziert und excellent ausgebildet. - Frage: Hältst Du ihn auch für gebildet - wenn ja, woran merkst Du das?

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Helmuth
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von Helmuth » Di 15. Mai 2018, 21:39

closs hat geschrieben:
Helmuth hat geschrieben:Die Funktion von Akademikern wird grundsätzlich überschätzt.
Das wiederum würde ich NICHT so sagen - bzw: Dieser Satz ist nur in Zeiten von Massen-Akademisierungen möglich.
Hier gehe ich mit Travis konform. Hirnschwangere ohne Praxis sind ebenso nutzlos wie übereifrige Handwerker, die alles kaputthandwerken.

Theorie und Praxis muss konform gehen. Deshalb habe ich grundsätzlich sehr großen Respekt vom Handwerk der Ärzte. Die lässt man nicht ohne entsprechende Übung an den „Werkstoff“. Aber bei den Geisteswissenschafltern meint man ginge das, z.B. Lehrer. ;)
Herzliche Grüße
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von ceam » Di 15. Mai 2018, 21:49

closs hat geschrieben:Erkläre das mal genauer.
Einfach größtenteils Einzelarbeit machen. Mit Schulbüchern die dafür geeignet sind. So wie Montesorie nur noch intensiver. Die Gedächtniskünstler zeigen ja wie Lernen wirklich geht. Würden sie in den typischen Unterricht gesteckt, dann würden sie genau so nix im Unterricht lernen können wie alle anderen auch. Lässt man sie aber in Ruhe dann geht es sehr sehr gut.

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Travis
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Re: Was ist "Bildung"?

Beitrag von Travis » Di 15. Mai 2018, 21:50

closs hat geschrieben:
Travis hat geschrieben: Fange ich mal mit einem Architekten an.
Das klingt sehr qualifiziert und excellent ausgebildet. - Frage: Hältst Du ihn auch für gebildet - wenn ja, woran merkst Du das?
Eine große Allgemeinbildung hat er in jedem Fall. Fachspezifisches Wissen kann ich natürlich nicht beurteilen. Von Statik habe ich halt eben so wenig Ahnung wie von den anderen Feldern seiner Tätigkeit. Aber um Fachwissen geht es Dir in diesem Thema ja auch nicht.
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