Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betrifft)

Literatur, Malerei, Bildhauerei
Catholic
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Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betrifft)

Beitrag von Catholic » Di 24. Sep 2013, 17:01

Hallo,

wie seht ihr das mit den modernen,"zeitgenössischen" Theaterinszenierungen?
Findet ihr das grundsätzlicht gut oder steht ihr dem eher skekptisch gegenüber?
Ich frage deswegen,weil ich hier im Theater vor längerer Zeit eine Inszenierung von "Mutter Courage" gesehen habe,bei der mir Bert Brecht direkt leid tat,denn von seinem Stück war--mit Ausnahme der Personen und Dialoge nichts mehr zu erkennen.
Und ich schreibe es bewusst so, weil Brecht manche Szenen bewusst in einer bestimmten Zeit spielen liess.

Lieben Gruss
Euer Catholic,mittlerweile an den "modernen" Inszenierungen verzweifelnd.

Catholic
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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Catholic » Di 24. Sep 2013, 17:26

Meine Meinung dazu ist,dass es durchaus modern inszeniert werden darf und kann,wenn dadurch die Aussage des Stückes deutlich bleibt,denn es nervt mich,wenn jemand so "modern" inszeniert,dass man erst überlegen muss,wass das Bühnenbild bedeuten soll.

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Magdalena61
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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Magdalena61 » Mi 25. Sep 2013, 01:15

Theater habe ich weniger "drauf", dann schon mehr Oper.
denn es nervt mich,wenn jemand so "modern" inszeniert,dass man erst überlegen muss,wass das Bühnenbild bedeuten soll.
Meiner Meinung nach sollte die Inszenierung zum Stück passen und auch die gesellschaftlichen Eigenheiten/ Zustände, wie der Autor/ Komponist sie zur Entstehungszeit der Werke kannte, berücksichtigen/ widerspiegeln.
Wenn man die Augen zumachen muß, um die Vorführung "ertragen" zu können, dann kann man sich ja gleich eine CD kaufen.
LG
God bless you all for what you all have done for me.

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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Pluto » Mi 25. Sep 2013, 01:20

Catholic hat geschrieben:Findet ihr das grundsätzlicht gut oder steht ihr dem eher skekptisch gegenüber?
Ich bin eher skeptisch.
Also lieber eine Isnzenierung die zum Zeitgeist des Stücks passt.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von barbara » Mi 25. Sep 2013, 09:34

Ich kommt gar nicht soweit, das zu beurteilen, da mich hierzulande die Modernität der Preise schon fast erschlägt - einfach viel zu hoch für meinen Geldbeutel.

Eine "Modernität" die darauf hinausläuft, dass alles hässlich oder disharmonisch oder kaputt sein muss mit ein paar eingestreuten Provokationen (Nacktheit, Fäkalien etc. zu allen passenden und unpassenden Momenten) - gähn. Die mag ich auch im Museum nicht mehr.

Schliesslich seh ich an hässlicher Modernität mehr als genug, wenn ich bloss ganz normal durch die Stadt gehe und meine Augen von zeitgenössischer Architektur beleidigen lassen muss. und das ganz gratis.

grüsse, barbara

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closs
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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von closs » Mi 25. Sep 2013, 10:33

Interessant ist ja, wie "modern" wahrgenommen wird - nämlich als provozierend, schamlos, etc. - Inzwischen gilt es auch wieder als modern, volkstümlich zu inszenieren.

Allerdings gibt es viele "moderne" Stücke, die einfach vom Mainstream nicht verstanden werden - aber vielleicht in 50 Jahren. - Für manchen schwer zu unterscheiden.

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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Janina » Mi 25. Sep 2013, 13:59

Pluto hat geschrieben:lieber eine Isnzenierung die zum Zeitgeist des Stücks passt.
Ich denke schon, dass der "Zeitgeist" öfter als vermutet äußerst modern ist. Die Menschheit und ihr Streben nach Glück und Liebe wird sich seit Jahrtausenden kaum verändert haben, da halte ich es nur für angebracht, die Ausstattung zu aktualisieren.

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closs
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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von closs » Mi 25. Sep 2013, 14:15

Eigentlich ist Inszenierung in einer Zeit mehr eine Aussage über die Zeit ("Zeitgeist"), als eine Aussage über das Stück, das inszeniert wird. - Das heißt auch: Wenn ein vor 500 Jahren geschriebenes Stück heute inszeniert wird, dann deshalb, weil es das immer Gleiche thematisiert hat - und zwar so gut, dass es 500 Jahre später inszenierbar ist.

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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Catholic » Mi 25. Sep 2013, 15:42

Genauso sehe ich es auch.
Beispiel aus dem Schauspiel:
Bei "Mutter Courage" wurde einmal in einer Inszenierung,die ich sah und die in der Gegenwart angesiedelt war,bekannt gegeben,dass der General gefallen sei.
Jeder,der "Mutter Courage" nicht kennt,machte sich kaum Gedanken - nehme ich an - aber Brecht meinte nicht irgendeinen General,sondern es war--in einer guten Inszenierung wäre es eindeutig gewesen- der "Generalissimus" Tilly gemeint--dessen Tod den Dreissigjährigen Krieg wesentlich beeinflusste.
Pluto hat geschrieben: ...
Also lieber eine Isnzenierung die zum Zeitgeist des Stücks passt.

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Re: Wie modern darf Theater sein (was die Inszenierung betri

Beitrag von Catholic » Mi 25. Sep 2013, 15:48

Und genau da sehe ich manches Mal ein Problem.
Die "Mutter Courage"-Inszenierung,die ich gerade ansprach,ist so ein Beispiel.
Sie- also "Courage" wird zu einer Waffenhändlerin--etwas komplett Anderem als dem,was um 1650 eine Marketenderin war -- und der Krieg wurde in die Gegenwart verlegt--tragisch,denn Brecht liess das Stück bewusst und mit Absicht im Dreissigjährigen Krieg spielen.
closs hat geschrieben:Eigentlich ist Inszenierung in einer Zeit mehr eine Aussage über die Zeit ("Zeitgeist"), als eine Aussage über das Stück, das inszeniert wird...

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