Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Philosophisches zum Nachdenken
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closs
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von closs » Sa 13. Apr 2019, 14:04

sven23 hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 07:46
Man kann von closs nicht verlangen, dass er sich einen anderthalbstündigen Beitrag anschaut. Das überfordert sein Aufmerksamkeitsspanne.
Jösses nä - gibt es wieder Rudelbildung? - Diesen Vortrag habe ich bereits geschaut und damals gegenüber Thaddäus kommentiert - ich weiß nicht mehr das Ergebnis, außer dass damit ein schönes System erfunden wurde, das jedoch nichtsdestoweniger die Grundfrage nach "Stellen wir uns die Welt primär als geistig oder als materiell vor?" NICHT beantwortet. - Diese Frage wird durch Sinnfelder und (im anderen Kontext) Qualia nicht beantwortet - mit anderen Worten: Schönes Ding, das aber auf einem Ölfilm rumrutscht.
Andreas hat geschrieben:
Sa 6. Apr 2019, 13:01
Ich weiß, ich bin schlimm. Aber was kann ich tun? Das Bild, das ich rief, lässt mich nicht mehr los - und wenn der Film im Kopfkino mal läuft ...
Da musst Du durch - alles geht irgendwann mal vorbei. - Wenn Du Hilfe brauchst: ich bin für Dich da. :Herz:
Claymore hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 12:08
Kommt alles bei Descartes schon vor. Es würde schon helfen, wenn du nur die erste Meditation mal konzentriert lesen und darüber nachdenken würdest. Zwei Stunden Zeitaufwand, aber das ist wohl schon zu viel verlangt…
Jaja - "Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen" (Faust 1, Studierzimmer. Schüler). - Das reicht nicht. - Du erweckst immer stärker den Eindruck, dass Du Deine Meinungen sehr gut absichern kannst - und das war's dann. - Da geht es aber erst los.

Richtig - ich verwende hier "Logik" in der Tat im Sinne von Schlussfolgern im Sinne dessen, was als Basis vorliegt. Selbst das wird meistens nicht verstanden - also warum ein nächsten Schritt gehen, den Du nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch begründen solltest.

Andreas
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von Andreas » Sa 13. Apr 2019, 15:05

closs hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 14:04
Jösses nä - gibt es wieder Rudelbildung?
Jetzt tu mal nicht so, als wenn Rudelbildung in deinen Augen was verwerfliches wäre. So als pack leader ganz ohne pack bist du momentan eine noch traurigere Gestalt als Don Quijote. Der hatte wenigstens seinen Sancho Panza, der ihm treu ergeben nachfolgte. Da musst Du durch - alles geht irgendwann mal vorbei. Wenn du mal Hilfe brauchst - bis du der pack leader des 21. Jahrhunderts geworden bist - wir sind alle für dich da. :Herz:

Aba obacht derweil: Wo mia san, is vorn.

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closs
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von closs » Sa 13. Apr 2019, 15:32

Andreas hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:05
Aba obacht derweil: Wo mia san, is vorn.
Stimmt - so sagen Nase und Arsch.

Claymore
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von Claymore » Sa 13. Apr 2019, 15:46

closs hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 14:04
Claymore hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 12:08
Kommt alles bei Descartes schon vor. Es würde schon helfen, wenn du nur die erste Meditation mal konzentriert lesen und darüber nachdenken würdest. Zwei Stunden Zeitaufwand, aber das ist wohl schon zu viel verlangt…
Jaja - "Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen" (Faust 1, Studierzimmer. Schüler). - Das reicht nicht. - Du erweckst immer stärker den Eindruck, dass Du Deine Meinungen sehr gut absichern kannst - und das war's dann. - Da geht es aber erst los.
Die Frage, die sich Descartes in der ersten Meditation stellt, ist folgende:
René Descartes: “Meditationes de prima philosophia” hat geschrieben:Woher will ich nun wissen, dass, wenn weder die Erde noch der Himmel noch ein ausgedehntes Ding noch eine Gestalt noch ein Ort beständen, Gott es unmöglich wäre, zu bewirken, dass dennoch Alles dies, so wie jetzt, mir da zu sein schiene? Auch kann, so wie Andere nach meiner Ansicht sich sogar in dem irren, was sie auf das vollkommenste zu wissen meinen, auch ich mich irren, wenn ich zwei und drei zusammenrechne oder die Seiten eines Vierecks zähle, oder sonst etwas, was man sich als noch leichter ausdenken könnte.
Mathematik ist nicht Logik.

Mit einem etwas komplexeren Beispiel wird das umso mehr deutlich: Wenn man z. B. die natürlichen Zahlen hernimmt und damit tatsächlich korrekt rechnen könnte, wie soll man daraus logisch das Induktionsaxiom folgern? Also dass eine Aussage A(𝑛) für alle natürlichen Zahlen bewiesen ist, falls sie
  1. für 𝑛 = 1 bewiesen wurde
  2. bewiesen wurde, dass aus “A(𝑛) ist wahr” folgt “A(𝑛 + 1) ist wahr”.
Warum ist das so? Unsere mathematische Intuition sagt einem, dass dem so ist. Aber eine logische Herleitung fehlt und sie kann es, nach allem was wir wissen, auch nicht geben.
Richtig - ich verwende hier "Logik" in der Tat im Sinne von Schlussfolgern im Sinne dessen, was als Basis vorliegt.
Richtig wie? Das ist wieder so eine unklare Formulierung… Welche der beiden Varianten ist es denn nun?
Selbst das wird meistens nicht verstanden
Dann erkläre es doch mal etwas genauer.

Andreas
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von Andreas » Sa 13. Apr 2019, 15:49

closs hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:32
Andreas hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:05
Aba obacht derweil: Wo mia san, is vorn.
Stimmt - so sagen Nase und Arsch.
Ich meinte eigentlich unser 21. Jahrhundert. Was ich dich schon immer mal fragen wollte: Welches ist denn dann dein Jahrhundert, für das du sprichst?

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closs
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Re: Was versteht Ihr unter "Wirklichkeit"?

Beitrag von closs » Sa 13. Apr 2019, 16:13

Claymore hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:46
Warum ist das so? Unsere mathematische Intuition sagt einem, dass dem so ist. Aber eine logische Herleitung fehlt und sie kann es, nach allem was wir wissen, auch nicht geben.
So weit habe ich in diesem konkreten Fall noch nicht gedacht - aber es passt in mein Verständnis, das ALLES, was wir mit UNSEREM Vermögen aufnehmen, letztlich mehr auf Nutzen denn auf Wahrheit ausgerichtet ist. - Um so wichtiger, dass man beides unterscheidet.
Claymore hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:46
Richtig wie? Das ist wieder so eine unklare Formulierung… Welche der beiden Varianten ist es denn nun?
Das sind alles System-Fragen - was ist "Beweis"? - "Beweis" ist doch, dass ein Ergebnis EIGENEN Voraussetzungen (incl. den damit verbundenen Definitionen) gerecht wird - oder nicht? - Also nimmt man es so, wie man es jeweils braucht.

MEINE Art des Logik-Verständnisses ist "Folgerichtigkeit aus einer Grundlage" - konkret:
1) "Alle Menschen haben 4 Ohren - also gibt es in D ca. 320 Millionen Menschen-Ohren" - es spielt dabei KEINE Rolle, ob Menschen WIRKLICH 4 Ohren haben.
2) "Wenn Jesus nur Mensch war, ist es logisch, dass er eine Naherwartung hatte".
3) "Wenn nicht, dann nicht".

Es gibt also nicht DIE Wahrheit, DIE Plausibilität oder DIE Wahrscheinlichkeit , sondern immer nur eine Wahrheit, Plausibilität oder Wahrscheinlichkeit in Bezug auf etwas Vorher-Gegebenes (deswegen bin ich doch immer so scharf auf das Beachten der jeweiligen hermeneutischen Vorannahmen).
Claymore hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:46
Die Frage, die sich Descartes in der ersten Meditation stellt, ist folgende: ...
Ja - das nennt man Radikal-Skeptizismus und wurde spätestens 1000 Jahre früher von Augustinus vorgemacht (Si fallor, enim sum). - Descartes erkennt, dass er diesen Knoten nicht lösen kann und bemüht daher Gott, dem er nicht zutraut, so fies zu sein, dass er uns mit unseren Sinnen verarscht. - Das ist SEINE pragmatische Lösung - siehst Du das anders?
Andreas hat geschrieben:
Sa 13. Apr 2019, 15:49
Was ich dich schon immer mal fragen wollte: Welches ist denn dann dein Jahrhundert, für das du sprichst?
Gute Frage - am ehesten wohl die Zeit zwischen 1775 und 1810 - da hat sich alles geballt von Klassik, Idealismus, Aufklärung bis zu deren Überwindung in der Romantik.

Andererseits kann man das nicht festmachen, weil es IMMER geistige Titanen gegeben hat - denke nur an Shakespeare und Th. Mann. - Generell: Ich spreche für die Zeiten, in denen über das Anthropozentrische hinausgedacht wurde und die grundlegenden Fragen "Wo komme ich her? Wer bin ich? Warum bin ich hier? Wohin gehe ich?" in den Mittelpunkt gestellt wurden - und nicht eigendwelche (wirklich) intelligenten Systemchen, die selber wasserdicht sind, aber auf dem Ölfilm des Selbst-Maßes rutschen.

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