Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

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Magdalena61
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Magdalena61 » Do 21. Apr 2016, 01:03

Ruth hat geschrieben:Es waren letztendlich die Kirchenoberhäupter, welche Maria auf einen Sockel gestellt und damit über alle anderen Menschen gestellt haben und ihr den Job als Mittlerin zugesprochen haben. Dass das passierte, ist meiner Meinung nach, nur geschehen, um das gläubige Volk unter Kontrolle zu bekommen.
Das glaube ich weniger.

Du meinst, die Ältesten haben den Marienkult gefördert? Das mag sein. Meines Wissens sagt die Kirche, es sei "offiziell in die Lehre aufgenommen worden, was vom Volk schon lange geglaubt wurde".

Es gibt noch einen anderen Gedanken: Die Sehnsucht der Männer nach der (vollkommenen) Frau. In der Marienverehrung können sie diese ein wenig ausleben, ohne sexuellen Aspekt; ohne sexuelles Begehren, welches ja für den unverheirateten Mann Sünde wäre.

Maria ist nicht zickig oder "unberechenbar" wie irdische Frauen vom Mann vielleicht manchmal empfunden werden. Sie verkörpert Schönheit, Reinheit, Güte, Demut, Ergebenheit...

Ein Mann kann ihr vertrauen, er kann in ihr eine Mutter sehen, die nie altert. Das mag für manchen wichtig sein, und das macht Maria so attraktiv.

So lange er sie nicht anbetet--- wird's nicht so schlimm sein, ein Ideal zu pflegen. :)
Das allgemeine Volk hatte jahrhundertelang überhaupt keinen Zugang zu der Bibel. Teile daraus wurde nur in einer Fremdsprache vorgelesen und es war verboten, selbst eine Bibel zu besitzen (ganz davon abgesehen, dass ein solches Buch viel zu teuer für die meisten Menschen war). Das Volk bekam bis 1517 nur Interpretation der Bibel vorgesetzt.
Wenn das Volk freien Zugang hat zur Bibel, erheben sich leider, kaum dass sie ein wenig Bibelwissen erworben haben, jede Menge selbsternannte Lehrer, z.B. in Foren und auch sonst im Internet. Leider verstehen sie ihr Handwerk nicht, da sie es nicht für nötig halten, selbiges erst einmal gründlich zu erlernen, bevor sie anfangen zu lehren (und zu richten), sodass sie möglicherweise sogar ein Diplom, aber bedauerlicherweise keine Vollmacht haben und manchmal allerhand wirres Zeug reden.
Dazu gehörte eben auch, dass Maria als "Mutter Gottes" dargestellt wurde und von Menschen geboten wurde, zu Maria zu beten, sie als Mittlerin zu betrachten.
Das ist definitiv falsch gelaufen.

Offiziell wird Maria nicht angebetet, sondern verehrt.
So ging es übrigens noch sehr lange unter den Christen weiter - zum Teil bis heute.
...
Alles, was nicht der kontrollierten Interpretation entspricht, wird zum Götzen erklärt oder dem Satan zugeschoben.
Das ist überall so. In allen christlichen Konfessionen. Nur die Schwerpunkte differieren.
Es ist schon erstaunlich, dass sich aufgeklärte und intelligente Menschen auch noch in der heutigen Zeit unter diese Kontrolle und dem Machtbereich der Kirchenobersten beugen.
Da sind die Freikirchen aber schlimmer als die Landeskirchen, meine ich.
LG
God bless you all for what you all have done for me.

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Magdalena61
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Magdalena61 » Do 21. Apr 2016, 01:17

Novalis hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Der Mensch hat Angst vor einem übermächtigen Gott, der streng nach Strichliste urteilt und seine Versager- Jünger niedermacht. Der Mensch sehnt sich nach einem Gott, der ihn versteht, auffängt, tröstet und liebevoll führt. Diese urmenschlichen Sehnsüchte projizierten die Gläubigen auf Maria
Mit gutem Grund. Das hebräische Wort für Barmherzigkeit lautet „rahamîm“, was wörtlich übersetzt „Schoß“ bedeutet und in der Mehrzahlform „réhèm“ Mutterschoß, denn die Barmherzigkeit Gottes wird mit der gefühlten und zärtlichen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind verglichen (Jesaja 19,15) genau diese Barmherzigkeit wird auf außerordentliche Weise von Maria verkörpert.
Ich hoffe--
Gott versteht,
dass die Sehnsucht der Marienfans letztlich IHM gilt.

Wirklich, ich hoffe es sehr.

Der Glaube wurde den Gläubigen so beigebracht, und was Hänschen gelernt hat, daran ist der Knabe gewöhnt-- das kriegt er nicht mehr so schnell aus dem Kopf. Außerdem gibt es marianische Gemeinschaften, die sehr attraktiv sind vom Feeling her... Schönstatt...

Leider sind Marienjünger oftmals total vernagelt, wenn man das Thema anspricht. Wer Jesus an den Rand schiebt und sich auf die Mutterfigur fokussiert, der hat meiner Einschätzung nach ein total falsches Bild von Jesus.
Lesenswert ist das Buch „Mirjam“ von Luise Rinser,
Das ist ja interessant. :)
Ich hatte viele (Taschen-) Bücher von Luise Rinser und habe sie verschlungen, weil mich die Sprache dieser Autorin absolut faszinierte. Leider sind sie kaputt. Sie waren nach dem Umzug noch in Kartons im Keller, als 1993 bei Bad Waldsee ein ergiebiger Platzregen niederging und im Keller des Hauses, das wir damals bewohnten, das Wasser stand. Die Kanalisation hatte die Wassermengen nicht verkraftet. Das Wasser kam durch den Abfluß rein. Wir haben die Kartons schnell ausgepackt und den Inhalt zum Trocknen ausgebreitet, aber viele meiner Bücher, die ganz unten in den Kartons gelegen hatten, waren nicht mehr zu retten.
(In DEM Haus wohnten wir nicht mehr lange.)
LG
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Ruth
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Ruth » Do 21. Apr 2016, 10:00

Magdalena61 hat geschrieben:
Ruth hat geschrieben:Es waren letztendlich die Kirchenoberhäupter, welche Maria auf einen Sockel gestellt und damit über alle anderen Menschen gestellt haben und ihr den Job als Mittlerin zugesprochen haben. Dass das passierte, ist meiner Meinung nach, nur geschehen, um das gläubige Volk unter Kontrolle zu bekommen.
Das glaube ich weniger.

Du meinst, die Ältesten haben den Marienkult gefördert? Das mag sein. Meines Wissens sagt die Kirche, es sei "offiziell in die Lehre aufgenommen worden, was vom Volk schon lange geglaubt wurde".
Wenn man bedenkt, dass so etwa 1500 Jahre fast ausschließlich die katholische Kirche die Christen kontrolliert hat, dann kann man schon erkennen, dass das Ganze sich über die Jahrhunderte hinweg dahin entwickelt hat, dass es letztendlich darum ging, wer die Macht über das Volk hat. Wo es dann zur Spaltung der Kirche kam, war das deutlich sichtbar im "Ablasshandel".

Dass der Marienkult sich im Volk so entwickelt hat, passierte letztlich auf der Grundlage die von den Obersten Schriftgelehrten vorgegeben wurde.

Gefühlsmäßig war Maria den Menschen nahe, weil sie selbst Mensch war - während Gott als der Rächer, der seinen Sohn opfern musste, damit er die Menschen überhaupt in seine Nähe lassen konnte. Jesus war in diesem Fall nur das Opfer, der leiden musste, um überhaupt eine Brücke zu Gott herzustellen.

Die Oberhäupter haben Maria einfach ein Stück weiter in die Nähe Gottes gesprochen (Heiligsprechung), damit sie als Mittler zu dem Volk gilt. Und schon wurde sie zu dem Instrument der Machthaber. Denn über sie steht nicht viel in der Bibel. Da konnte man beliebig so einiges hinein interpretieren, was zum eigenen Konzept passt.
Es gibt noch einen anderen Gedanken: Die Sehnsucht der Männer nach der (vollkommenen) Frau. In der Marienverehrung können sie diese ein wenig ausleben, ohne sexuellen Aspekt; ohne sexuelles Begehren, welches ja für den unverheirateten Mann Sünde wäre.

Maria ist nicht zickig oder "unberechenbar" wie irdische Frauen vom Mann vielleicht manchmal empfunden werden. Sie verkörpert Schönheit, Reinheit, Güte, Demut, Ergebenheit...

Ein Mann kann ihr vertrauen, er kann in ihr eine Mutter sehen, die nie altert. Das mag für manchen wichtig sein, und das macht Maria so attraktiv.
Männer, welche die Rolle der Maria besonders schätzen, habe ich bisher noch nicht getroffen. Es waren immer eher die Frauen, denen die Maria näher zu sein schien. In der Rolle der Frau und im Verhältnis zu den Männern.

Bei den Männern sehe ich in der damaligen Zeit besonders das Verhältnis zur Frau, weil Maria auch in biblischen Zeiten den Männern untergeordnet war. Trotzdem war sie etwas besonderes. Im Grunde haben sie, so wie ich das sehe, damit die Unterdrückung der Frau noch "heilig gesprochen". Sozusagen als Vorbild, wie man innerhalb der Frauen eine Hierarchie bilden kann, ohne dass der Machtbereich der Männer davon berührt wird.
Ruth hat geschrieben:Es ist schon erstaunlich, dass sich aufgeklärte und intelligente Menschen auch noch in der heutigen Zeit unter diese Kontrolle und dem Machtbereich der Kirchenobersten beugen.
Magdalena61 hat geschrieben:Da sind die Freikirchen aber schlimmer als die Landeskirchen, meine ich.
Im Grunde gibt es heute überall solche und solche ...

Ich war die ersten 50 Jahre meines Lebens in den verschiedensten Freikirchen - von extrem bis gelockerter. Erst die letzten 10 Jahre gehöre ich zur ev. Landeskirche. Auch wenn etliche Christen meinen Werdegang als rückläufig empfinden würde, habe ich darin immer einen Fortschritt gesehen. Fortschritt darin, dass ich freier wurde, selbst zu entscheiden, was ich glauben, bzw. nicht glauben kann und will.

In allen Sparten gibt es diejenigen, die brav alles futtern, was ihnen von oben vorgesetzt wird - bis hin zu denen, die in dem System ausschließlich nach den Positionen Auschau halten, in denen sie über das Volk herrschen können. Manche Gemeinden haben dabei mehr "Herrschertypen" und andere wieder mehr vom "Volk", das sich lieber einem festen System unterordnet. Dazwischen gibt es die verschiedensten Schattierungen - wo immer mal die eine oder andere dominierend wird. Und das ist dann oft auch ein Grund zur Spaltung. Ich persönlich kann in den meisten Spaltungen der Gemeinden nur Machtkämpfe einiger Anführer erkennen. Welche zwar herrschen wollen, aber keine Ahnung davon haben, wie Unterordnung funktioniert. Es gibt ein Sprichwort, welches aussagt, dass nur derjenige "mit Weisheit herrschen kann, welcher sich vorher in der Rolle der Unterordnung bewährt hat".
Ich erhebe in keinem meiner Beiträge den Absolutheitsanspruch. Es ist immer meine Meinung, die ich schreibe. Ebenso lese und verstehe ich auch andere Beiträge : als Meinung des jeweiligen Schreibers.
In dem Sinne ... LG :wave:

Hemul
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Hemul » Do 21. Apr 2016, 18:07

Magdalena61 hat geschrieben:
Novalis hat geschrieben:
Magdalena61 hat geschrieben:Der Mensch hat Angst vor einem übermächtigen Gott, der streng nach Strichliste urteilt und seine Versager- Jünger niedermacht. Der Mensch sehnt sich nach einem Gott, der ihn versteht, auffängt, tröstet und liebevoll führt. Diese urmenschlichen Sehnsüchte projizierten die Gläubigen auf Maria
Mit gutem Grund. Das hebräische Wort für Barmherzigkeit lautet „rahamîm“, was wörtlich übersetzt „Schoß“ bedeutet und in der Mehrzahlform „réhèm“ Mutterschoß, denn die Barmherzigkeit Gottes wird mit der gefühlten und zärtlichen Liebe einer Mutter zu ihrem Kind verglichen (Jesaja 19,15) genau diese Barmherzigkeit wird auf außerordentliche Weise von Maria verkörpert.
Ich hoffe--Gott versteht, dass die Sehnsucht der Marienfans letztlich IHM gilt. Wirklich, ich hoffe es sehr.
Ich bin fest davon überzeugt, dass Du aber gem. Jesaja 42:8 hier vergebens hofft:
Ich bin Jahwe, das ist mein Name! / Diese Ehre lass ich mir von niemandem nehmen. / Den Götzen gebe ich nicht mein Lob
.
https://www.motivationsgeschenke.de/marienstatuen/
Wer gerne seine eigene Marienstatue zu Hause stehen haben will, um mit der Heiligen Mutter Gottes im vertrauten Umfeld Zwiesprache zu halten
:shock:
Eine einzige Aussage von Jesus in Johannes 14:6 lässt dieses ganze Lügengebäude krachend zusammen stürzen:
6 "Ich bin der Weg!", antwortete Jesus. "Ich bin die Wahrheit und das Leben! Zum Vater kommt man nur durch mich.
Zuletzt geändert von Hemul am Do 21. Apr 2016, 19:36, insgesamt 2-mal geändert.
denn die Waffen, mit denen wir kämpfen, sind nicht fleischlicher Art, sondern starke Gotteswaffen zur Zerstörung von Bollwerken: wir zerstören mit ihnen klug ausgedachte Anschläge (2.Korinther 10:4)

Novas
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Do 21. Apr 2016, 19:26

Pflanzenfreak hat geschrieben:Maria ist eine höchst patente Frau. So Jemand, mit dem ich gerne befreundet wäre. Jemand mit Herz und Verstand.
Aber übersinnlich ist sie nicht. Sie anzubeten, oder sie zu bitten bei Jesus ein gutes Wort für Jemanden einzulegen finde ich nicht nachvollziehbar. Ein bischen grotesk sogar. Genauso mit anderen Heiligen. Damit kann ich nichts anfangen.
Da verweise ich noch mal gerne auf diesen Text von Karl Veitschegger.

„Nun gut", werden manche evangelische Mitchristen sagen, „Heilige mögen ehrenwerte Vorbilder sein, aber darf man sie um Hilfe anrufen? Das geht doch zu weit!" Um das zu klären, fängt man am besten schlicht bei der Bibel an. Klar bezeugt sie, dass ein gläubiger Mensch seine Glaubensgeschwister um ihr Gebet bitten darf. So schreibt Paulus an die Christen von Rom: „Ich bitte euch, meine Brüder, im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, und bei der Liebe des Geistes: Steht mir bei, und betet für mich zu Gott ...!" (Römer 15,30). Umgekehrt betet Paulus oft für seine Gemeinden. Beistand und Fürbitte gehören zum Wesen christlicher Liebe. Sie sind auch nicht an die körperliche Anwesenheit gebunden. „Auch wenn ich fern von euch weile, bin ich im Geist bei euch", hören wir Paulus im Kolosserbrief sagen (Kolosser 2,5). Wir dürfen daraus schließen, dass letztlich auch der Tod dieses Für-andere-da-Sein nicht zerstören kann. Denn: „Die Liebe hört niemals auf!" (1 Korinther 13,8). Die in die Ewigkeit Vorausgegangenen bleiben auch nach ihrem Tod wirklich Liebende, die weiterhin für ihre bedrängten Brüder und Schwestern auf Erden da sein können - nicht in irdischer Weise, auch nicht aus eigener Kraft, aber fürbittend.
Zur großen Gemeinschaft, in die Gott uns beruft, gehören nicht nur die Gläubigen, die noch auf Erden leben, sondern - wie der Hebräerbrief es etwas ungewohnt ausdrückt - auch „die Geister der schon vollendeten Gerechten" (Hebräer 12,23). Und da eine Gemeinschaft ohne Kommunikation keine Gemeinschaft wäre, muss zwischen uns und diesen „vollendeten Gerechten" im Himmel auch Kommunikation möglich sein.


[...]

Verschiedensprachige Graffiti in Rom (S. Sebastiano) beweisen, dass um 250 n. Chr. Christen aus Ost und West die Apostel um Fürsprache bitten. Im Bild eine vulgärlateinische Kritzelei: "Paule ed Petre petite pro Victore" - "Paulus und Petrus, bittet für Viktor!"

Bild

Schon früh

In manchen Gebeten der Bibel werden die Engel direkt angeredet (z.B. in Psalm 29,1f). Wenn das möglich ist, warum soll man dann nicht auch die Heiligen im Himmel direkt anreden? (Vgl. Jesus Sirach 48,4-11!) Es liegt doch nahe, dass man an einen Menschen, den man zu Lebzeiten immer wieder um sein Gebet ersucht hat, auch nach dessen Tod in Liebe denkt und dass aus dem Gedanken eine Bitte wird: „Wenn du jetzt bei Gott bist, bete weiter für mich, wie du es schon hier auf Erden getan hast!" Jedenfalls bezeugen alte mehrsprachige Grafitti in Roms Katakomben (San Sebastiano, um 250 n. Chr.), dass Christen aus Ost und West schon sehr früh mit großer Selbstverständlichkeit die Apostel und Märtyrer um ihre Fürbitte anrufen: „Petrus und Paulus, denkt an Sozomenos!“, „Petrus und Paulus, betet für Viktor!“ Und sie sind gewiss, dass die Angerufenen ihnen nahe sind, sie hören und verstehen können, weil Gottes Geist dies möglich macht (vgl. Kolosser2,5: Was dem Apostel auf Erden möglich ist, wird ihm erst recht im Himmel möglich sein!).

http://members.aon.at/veitschegger/texte/heilige.htm



Aus dieser Perspektive gesehen finde ich es sehr nachvollziehbar und psychologisch-menschlich verständlich ;) Vielleicht ist es so für Dich ebenfalls nachvollziehbar? Im Grunde handelt es sich hier um eine Tradition, die direkt auf die frühen Christen zurück geht.


Paule ed Petre petite pro Victore!

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Do 21. Apr 2016, 19:56

Hemul hat geschrieben:https://www.motivationsgeschenke.de/marienstatuen/
Wer gerne seine eigene Marienstatue zu Hause stehen haben will, um mit der Heiligen Mutter Gottes im vertrauten Umfeld Zwiesprache zu halten
:shock:
Das ist ja wirklich schröööcklich :D
Bei Marienerscheinungen handelt es sich um Visionen, bei denen Zeugen berichten, dass ihnen Maria, die Mutter Jesu erschienen sei. Angebliche Marienerscheinungen sind für die gesamte christliche Ära bezeugt. Bereits Jakobus dem Älteren, einem der Jünger Jesu von Nazareth, soll am 2. Januar des Jahres 40 nach Christus im spanischen Saragossa die Mutter Jesu erschienen sein.
https://de.wikipedia.org/wiki/Marienerscheinung

Das muss man nicht glauben, aber das zeigt, dass Maria im kollektiven Bewusstsein eine sehr wichtige Gestalt ist.

Bild

Kirchenfenster mit einer Darstellung der Erscheinung der Jungfrau Maria vor der hl. Bernadette in der Grotte von Massabielle
Zuletzt geändert von Novas am Do 21. Apr 2016, 20:11, insgesamt 4-mal geändert.

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von NIS » Do 21. Apr 2016, 19:57

Novalis hat geschrieben:Paule ed Petre petite pro Victore!
Der Sieg ist unser, wenn ihr dem Sünder, Jesus Christus, vergebt und dadurch ewig lebt!
AMEN
Der Heilige Geist (Hauke)

WISSEN VON MACHT

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Do 21. Apr 2016, 21:37

2Lena hat geschrieben:Ich wunderte mich immer, woher die Geschichten und die Malereien über Maria herstammen, da niemand etwas in der Bibel über Maria angab. Auch der Koran schildert sie lobend. Wie gesagt, das sind die alten (richtigen) Überlieferungen
Das ist eine interessante Frage. Muslime sind der Ansicht, dass die Lehre und das Leben Jesu im „Indschil“ (Evangelium) eine authentische Offenbarung ist. Darum wird auch die Einzigartigkeit Jesu im Koran bestätigt und auch die (geistgewirkten) wundersamen Bedingungen seiner Geburt durch Maria:

Und gedenke im Buch der Maria, als sie sich von ihren Angehörigen an einen östlichen Ort zurückzog. 17 Sie nahm sich einen Vorhang vor ihnen. Da sandten Wir unseren Geist zu ihr. Er erschien ihr im Bildnis eines wohlgestalteten Menschen. 18 Sie sagte: “Ich suche beim Erbarmer Zuflucht vor dir, so du gottesfürchtig bist.” 19 Er sagte: “Ich bin der Bote deines Herrn, um dir einen lauteren Knaben zu schenken.” 20 Sie sagte: “Wie soll ich einen Knaben bekommen? Es hat mich doch kein Mensch berührt, und ich bin keine Hure.” 21 Er sagte: “So wird es sein. Dein Herr spricht: Das ist Mir ein Leichtes. Wir wollen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von Uns machen. Und es ist eine beschlossene Sache.” 22 So empfing sie ihn. Und sie zog sich mit ihm zu einem entlegenen Ort zurück. (Sure 19,16-22)

Ganz ähnlich steht es im Lukasevangelium:

Und der Engel antwortete und sprach zu ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum wird auch das Heilige, das geboren werden wird, Sohn Gottes genannt werden. (Lukas 1,26-38)

Sehr erstaunlich finde ich die Tatsache, dass Maria die einzige explizit mit Namen erwähnte Frau im Koran ist, während die Eltern des Propheten Muhammad nicht erwähnt werden.

Auf Deutschlandfunk gibt es dazu einen Beitrag:

Maria ist die einzige Frau, die im Koran explizit mit Namen genannt wird. Auf die anderen Frauen wird lediglich Bezug genommen als Ehefrauen oder Verwandte von Männern - zum Beispiel die Frauen des Propheten oder die Mutter und die Schwester von Mose. Wieder andere werden bei ihrem Titel genannt wie die Königin von Saba. Marias Name indes ist so signifikant, dass Jesus im Koran mit einem Matronymikon bezeichnet wird - also: Jesus, Sohn der Maria.
http://www.deutschlandfunk.de/sure-3-ve ... _id=333171


Nicht nur Isa, sondern ʿĪsā ibn Maryam ;) Jesus gilt auch den Muslime als „sein (Gottes) Geist“ (rūḥ min-hu): und „Geist von ihm“: Sure 4,171. Er wird aber auch das Wort Gottes oder Wort der Wahrheit genannt:

Als die Engel sagten: “O Maria, Gott verkündet dir ein Wort von Ihm, dessen Name Christus Jesus, der Sohn Maria, ist; er wird angesehen sein im Diesseits und Jenseits, und einer von denen, die in die Nähe (Gottes) zugelassen werden.” (Sure 3,45)

Christus Jesus, der Sohn Marias, ist doch nur der Gesandte Gottes und sein Wort, das Er zu Maria hinüber brachte, und ein Geist von Ihm. (Sure 4,171)

Das ist Jesus, der Sohn Marias. Es ist das Wort der Wahrheit, woran sie zweifeln. (Sure 19,34)


Mit Jesus ist es vor Gott wie mit Adam. Er erschuf ihn aus Erde, dann sagte Er zu ihm: Sei!, und er war. (Sure 3,59)


***

Ein weiterer Beitrag vom zdf:

Maria ist die einzige Frau, die im Koran namentlich erwähnt wird. Zwar werden auch einige andere Frauen vom Koran im Zusammenhang mit Marias Leben thematisiert, doch räumt das heilige Buch der Muslime keiner Frauengestalt so viel Platz ein wie der Mutter Jesu. Noch deutlicher wird dies, wenn man sich vor Augen hält, dass sogar eine ganze Sure, nämlich die 19., nach Maria benannt ist. Siebzig Verse im Koran erwähnen sie. Damit erscheint ihr Name im Koran häufiger als im Neuen Testament[...]Das immer wieder beschworene Ereignis in der koranischen Erzählung ist, dass Maria in ihren Wehen den Stamm eines dürren Palmbaums ergriff, der dann süße Datteln über sie schüttete.
http://www.zdf.de/forum-am-freitag/mari ... 88948.html

Novas
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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Novas » Do 21. Apr 2016, 23:11

Magdalena61 hat geschrieben:Du meinst, die Ältesten haben den Marienkult gefördert?
Die Verehrung Marias finden wir auch im Koran: „Da bliesen Wir in sie von unserem Geist, und Wir machten sie und ihren Sohn zu einem Zeichen für die Weltenbewohner.“ (Sure 21,91) - demnach könnten wir Maria auch eine Prophetin nennen, gerade wenn man ihre Berufungsgeschichte (Lk 1, 28-38) und ihr Lied (das Magnifikat Lk 1,46-53) bedenkt.

„Das Magnificat nimmt die Reich-Gottes-Verkündigung Jesu und die „umwertende“ Bedeutung seines Kreuzes vorweg. Das Magnificat ist nur im Evangelium nach Lukas enthalten, der sich von den Evangelisten am meisten für die Ausgegrenzten interessiert, und propagiert gleich am Anfang des Evangeliums die Wichtigkeit dieses theologischen Anliegens. Moderne Deutungen unterstreichen gern die Stärke Marias und den „revolutionären“ Aspekt ihres Liedes.“

Gerade die Vertreter der dialektischen Theologie stellten den schroffen Gehalt dieses neutestamentlichen Psalmes immer wieder fest:

Karl Barth legte das Magnificat während der Adventszeit 1962 in der Strafanstalt Basel im Rahmen eines Gefängnisgottesdienstes aus und meinte zusammenfassend: „In ein Haus, in welchem die Mühseligen und Beladenen, die Armen und Elenden, die wirklich Hungrigen wohnen – und also in ein Haus wie das, in dem wir uns gerade befinden – passt so recht das Weihnachtsfest. Nur in ein solches Haus! Aber in ein solches ganz sicher!“ [3]

Dietrich Bonhoeffer schreibt über das Magnificat: „Dieses Lied der Maria ist das leidenschaftlichste, wildeste, ja man möchte fast sagen revolutionärste Adventslied, das je gesungen wurde. Es ist nicht die sanfte, zärtliche, verträumte Maria, wie wir sie auf Bildern sehen, sondern es ist die leidenschaftliche, hingerissene, stolze, begeisterte Maria, die hier spricht ... ein hartes, starkes, unerbittliches Lied von stürzenden Thronen und gedemütigten Herren dieser Welt, von Gottes Gewalt und von der Menschen Ohnmacht.“ [4].

Helmut Gollwitzer überschrieb eine Predigt über das Magnificat mit den Worten: Gott ist der Revolutionär und stellte dann fest: „Gott wirbelt immer wieder alles durcheinander, und das Wechselspiel der Geschichte, das wir zu allen Zeiten beobachten, ist sein Werk.


In der feministischen Theologie und in der Befreiungstheologie spielt das Magnificat ebenfalls eine große Rolle:

Wilhelm Fuhrmann bringt zum Ausdruck, dass der Rahmen des Magnificats „eine Geschichte von zwei Frauen – ohne Mann“ darstelle.[6] Fuhrmann interpretiert das Lied Mariens befreiungstheologisch als „Revolutionslied“, das auf die totale Veränderung der Zustände und Verhältnisse ziele: Den Armen und Ohnmächtigen solle geholfen werden, und zwar auf Kosten der Reichen und Mächtigen. Es sei beachtlich, dass dieses Weltrevolutionslied von Lukas einer Frau in den Mund gelegt werde. Maria erlebe durch die Geburt Jesu ihre „Ent-Niedrigung“.

Dorothee Sölle spinnt den Gedanken der Befreiung von Frauen ebenfalls weiter: „Mein Geist wird aus der Verängstigung herauskommen. Die leeren Gesichter der Frauen werden mit Leben erfüllt und wir werden Menschen werden. […] Die Herrschaft der Männlichen über die Weibchen wird ein Ende nehmen“ und „aus Objekten werden Subjekte werden“.

Bärbel Wartenberg-Potter unterstreicht ebenfalls die Stärkung der Frauenrolle: Gott „macht aus einer kleinen, erniedrigten, ängstlichen Frau eine starke, bedeutende, mutige Frau, gibt ihr Kraft, die äußerlich gesehen jämmerliche Situation in etwas Starkes zu verwandeln. […] Das Gottesreich wird die sozialen Gefüge des Unrechts umkehren“. Marias prophetische Botschaft gelte auch den Machtstrukturen zwischen Frauen und Männern, innerhalb derer die meisten Frauen noch immer zu den Machtlosen und Armen gehörten. „Maria probt die Umkehrung der sexistischen Machtverhältnisse. Sie widerspricht den Erniedrigungen, die ihre Zeit kennzeichnen“

https://de.wikipedia.org/wiki/Magnificat

Von einem Kult würde ich hier nicht sprechen.

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Re: Welche Bedeutung hat Maria für Dich?

Beitrag von Bastler » Fr 22. Apr 2016, 21:49

Maria hat für mich an genau zwei Punkten Bedeutung.

Das eine ist ihre Antwort: "Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort!"
Das andere ist das (unbiblische) Bild der Pieta: Die Mutter, die ihren toten Sohn in Händen hält.

In der Verkündigungszene ist Maria für mich ein Prototyp des Glaubens. So stelle ich mir Vertrauen auf Gott vor: "Siehe, ich bin dein Knecht. Und ich vertraue dir. Und darum soll es mir so ergehen, wie du den Weg vorgibst!" Gott stellt mich auf meinen Lebensweg und setzt somit die Rahmenbedingungen. Er hat mich hier nach Deutschland gesetzt, in eine leidlich wohlhabende und gebildete und menschlich warme Familie. Er hat mir damit auch die Schattenseite dieser Familie zugemutet. Und neben meinen ganzen Fähigkeiten hat er mir auch persönliche Schattenseiten mitgegeben, Unfähigkeiten zum Beispiel. Und er hat mir durch meine Lebenssituation und meine Fähigkeiten auch meine Lebensaufgaben mitgegeben. Und das nehme ich mitsamt meines gesamten Schicksals eben an und versuche, das Beste daraus zu machen und darüber nicht die Hoffnung zu verlieren. Er hat mir meine Sterblichkeit mitgegeben. Und wenn er zu mir sagt, dass meine Gesundheit nun aufgebraucht ist, dann möchte ich auch gern so antworten, wie Maria: "Mir geschehe nach deinem Wort". Und wenn er irgendwann sagt: "Schluss jetzt! Tod!", dann möchte ich dieses Vertrauen ebenso behalten und wiederum sagen: "Mir geschehe nach deinem Wort." Und als meine Eltern starben, habe ich das sogar geschafft. "Ihnen geschehe nach deinem Wort, denn ich vertraue dir, dass sie nicht zuschanden gehen! Du wirst für sie das Rechte bereits in petto haben. Nirgends könnte es ihnen besser gehen, als bei dir."

Die Pieta dagegen spricht mein Einfühlungsvermögen an. Ich kenne ja reale Mütter, die ihr totes Kind in Händen hielten. Diese untröstliche Trauer spricht für mich noch einmal die letzten überlieferten Worte von Sophie Scholl nach: "Denk daran: Jesus", sagte ihre Mutter. "Und du auch!", sagte Sophie. Gebe Gott, dass ich solchen Müttern noch was geben kann - und wenn es nur ist, dass ich sie in den Armen halte und ausstrahle, dass ich nicht jede Hoffnung aufgegeben habe. Und gebe Gott, dass ich empfänglich bleibe für den eigentlichen Trost, den kein Mensch, sondern nur Gott spenden kann, der die Macht hat, die Toten zu erwecken und uns wieder zusammen zu führen.

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