Der 'Muhammad' Jesus

Judentum, Islam, Hinduismus, Brahmanismus, Buddhismus,
west-östliche Weisheitslehre
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PeB
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Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von PeB » Do 10. Jan 2019, 12:56

Kennt Jemand diese Sichtweise und die Arbeiten von Prof. Ohlig?

https://www.amazon.de/Die-dunklen-Anf%C ... ords=Ohlig

http://inarah.de/sammelbaende-und-artik ... er-1-teil/
Wer den Begriff muhammad anhand seiner Genese, Geschichte und Bedeutung untersuchen will, kann hierfür zunächst nicht den Koran, der ihn nur an vier Stellen erwähnt zur Grundlage nehmen. Zwar ist dieser nach muslimischer Tradition, seit dem 9. Jahrhundert, und auch nach Meinung der Mehrheit der Islamforscher schon zwischen 650 und 656 unter dem dritten Kalifen Osman zur heutigen Ganzschrift zusammengestellt worden; alle anderen Versionen wurden verboten.
[...]
Der Begriff muhammad kommt in der zweiten Hälfte des 7. und in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts als Hoheitstitel Jesu auf Münzprägungen arabischer Herrscher und in Inschriften vor. Der christologische Würdename muhammad, nach späterem arabischem Verständnis „der zu Lobende/Preisende“ oder „der Gelobte/Gepriesene“, hat eine Vorgeschichte. Etwas später als der Begriff „Knecht Gottes“ (‚abdallah) findet sich zuerst, in persischer/syrischer Schrift, seit rund dem Jahr 40 H. (661 n.Chr.), MHMT auf Münzen im ostiranischen Raum.
[...]
Wenn in diesem Raum (auch) syrisch gesprochen (und nicht nur geschrieben) wurde, könnte MHMT als syrisches Wort mhmt (MHMT, mehmat) aufgefasst werden. Das auslautende „t“ bei MHMT – statt „d“ (MHMD) – wäre dann auf eine Lautschreibung zurückzuführen8 und müsste mehmad („der Gepriesene“, „der Gelobte“) gelesen werden, in arabischer Aussprache des Syrischen mahmed (Machmed).
[...]
Die arabische Bezeichnung muhammad setzt sich seit ‚Abd al-Malik im Gefolge der zunehmenden Arabisierung durch. Worauf schon die anfänglich eindeutige christliche Symbolik der Münzprägungen hinweist, die ein „islamisches“ Verständnis von machmed/muhammad verbietet, wird zur Gewissheit durch die Inschrift im Felsendom aus dem Jahr 72 (693) und die entsprechenden koranischen Materialien.13 Hier ist der Messias Jesus (Isa), der Sohn der Maria, muhammad, Knecht Gottes, Prophet, Gesandter, Logos und Geist Gottes. Zumindest bis in diese Zeit hinein, um 700, wahrscheinlich bis mindestens 750, ist vom muhammad Jesus die Rede.
[...]
Somit entspricht muhammad der Würde Jesu, wie sie in der syrischen und syro-arabischen (vornizenischen) Christologie auf Münzprägungen, in der Inschrift des Felsendoms und im koranischen Material umschrieben wird: Jesus ist der Erwählte/Gepriesene (muhammad), der Messias (massiah), der Knecht Gottes (‚abdallah), der Prophet (nabi), der Gesandte (rasul), der Sachwalter Gottes (wali Allah), Logos und Geist Gottes.

Wie aber kam es dazu, dass im Lauf der Zeit aus dem muhammad Jesus der Prophet der Araber wurde?

[...]
Auch in der judenchristlichen und in der syrisch-ara­bischen Christologie konnten die Hoheitstitel so faszinieren, dass die Gestalt Jesu zurücktrat. Dieser Prozess einer Interesseverlagerung auf die Würdenamen und ihre allmähliche Los­lösung von ihrem geschichtlichen Katalysator Jesus, dem ursprünglichen Subjekt aller Prädi­ka­tionen, lässt sich historisch verifizieren und nachweisen.
[...]
Danach aber treten diese leicht erkennbaren – wenn auch in der islamwissen­schaftlichen Numismatik auf seltsame Weise fehlinterpretierten – christlichen Symbole bald zu­rück zu Gunsten eines neuen Zeichens: Steinpyramiden, die nach Art nabatäischer und syrischer Stelen stufenförmig aufgeschichtet sind.
[...]
Die Ersetzung der Kreuzesdarstellungen und vergleichbarer Symbole kann aber bei ‚Abd al-Malik keine Abwendung vom Christentum sein. Es bleibt nur, dass ein anderes christliches Programm – anders als das syrische, jakobitische und erst recht byzantinische Christentum – die Begründung der ara­bischen Kirche und ihres Reichs demonstrieren soll.
[...]
Beide Symbolbereiche – Stein und Tempelgeräte – zeigen aber keine Rückkehr zum Juden­tum an, sondern sind für ‚Abd al-Malik Charakteristika seines arabischen Christentums.
[...]
Die im „Jahr der Araber“ 86/87 (707/708) erbaute „Omaiyadenmoschee“ in Damaskus war sicherlich ein christliches Bauwerk. Für den Neubau wurde die vorher dort befindliche Kirche ganz oder teilweise abgerissen. An der „Moschee“ ließ al-Walid eine programmatische Inschrift anbringen.
[...]
Obwohl die wenigen Hoheitstitel (rasul und muhammad), wie die Ablehnung einer Teilhaberschaft für Allah und der „zitierte“ Segenswunsch zeigen, auf Jesus bezogen sind, wird „der Messias Jesus, der Sohn der Maria“, nicht wie im Felsendom ausdrücklich erwähnt. Ganz im Vordergrund steht die Titulatur, vergleichbar einem religiösen herrscherlichen Protokoll. Al-Walid nennt sich, wie auch schon sein Vater auf einem Meilenstein bei Tiberias und auf Münzen, „Knecht Gottes“.
[...]
So wie muhammad und andere Begriffe dem Gedanken einer Teilhaberschaft Gottes oder einer Gottessohnschaft gegenüber gestellt werden, handelt es sich bei ihnen um ein theologisches und christologisches Programm, um die „richtige“ Gottesauffassung und Christologie. Welche Notwendigkeit hätte denn, wenn nicht Jesus gemeint gewesen wäre, bestanden, das Bekenntnis zum arabischen Propheten Mohammed der Teilhaberschaft für Gott oder der Gottessohnschaft, beides Beeinträchtigungen eines undifferenzierten Monotheismus (Monarchianismus), zu kontrastieren?
[...]
Vielleicht bietet die Inschrift in Medina zum letzten Mal muhammad als (christologisches) Prädikat. Aber der konkrete Bezug zu Jesus scheint beinahe gänzlich hinter den Titulaturen zurück­getreten zu sein. Die Verknüpfung von muhammad mit den neuen Vorstellungen eines ara­bischen Propheten war dadurch möglich geworden.
[...]
Kurz: Schon A. Sprenger war der Meinung, muhammad sei ein Prädikat, nicht der Eigen­namen.
[...]
Je mehr die aus der vornizenischen Christologie gebräuchlichen und zunehmend unverstande­nen Titel „Messias“, „Knecht Gottes“, Träger von „Wort“ und „Geist“ zurücktraten, rückten neben muhammad die beiden Titel „Prophet“ und „Gesandter“ in den Vordergrund. Muhammad ist der Gesandte Gottes und der Prophet, der am Anfang der neuen arabischen religiösen Bewegung stand: Mohammed, der Sohn des Abdallah.
[...]
Die Ausbildung der Vorstellung von einem arabischen Propheten, auf den die koranischen Sprüche zurückgehen, kann durchaus noch in der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts erfolgt sein, als offiziell noch Jesus das Subjekt der christologischen Prädikate in den Inschriften und auf Münzen war; ja, sie muss schon dann erfolgt sein, wie der Bericht des Johannes von Damaskus zeigt, der von Ma(ch)med wie von einer historischen Gestalt spricht und einige Suren (grafé) auf ihn zurückführt.
[...]
Von daher wird wohl Mohammed, in einer ersten Phase – bis rund 750 -, zwar gelegentlich als historische Figur am Anfang der Bewegung gesehen, aber doch noch in einem Kontext mit dem Christen­tum.
[...]
Im Verlauf der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts an aber gab es wohl, bis hin zu Johannes Damascenus, Hinweise auf ein Verständnis von muhammad als arabischer Prophet mit Namen Mohammed – die frühesten Zeugnisse einer Historisierung von muhammad.
[...]
Erst relativ spät im 8. oder erst im frühen 9. Jahrhundert kommt die Vorstellung auf, die arabische Religion sei eine neue, nicht mehr christliche Religion (noch nicht als Islam bezeichnet). Im Zuge dieser Entwicklung wird dann aus muhammad, dem arabischen Propheten, der eigenständige Ver­kündiger einer neuen Religion, der die fälschliche Lehre von Juden und Christen in einer neuen Offenbarung zu­rechtrückt und überbietet.
[...]
Diese frühen Versuche aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts sind uns nicht mehr zugänglich. Die Mohammedbiographien sind alle im 9. und 10. Jahrhundert niedergeschrieben worden, die Sammlungen der Sunna im 9. Jahrhundert; aber sie dürften durchaus Quellen aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts benutzt haben, die sie – in ihrem Sinne konsequent – in die frühe Zeit „des Islam“, zu Gefährten, Verwandten und Frauen Mohammeds, zurückdatierten.
Deine Worte sind mein Leben. Ich freue mich von Herzen, wenn du mit mir redest, denn ich gehöre ja dir, Herr, du Allmächtiger. (Jeremia 15,16)

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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Lena » Do 10. Jan 2019, 19:35

Habe mir ein paar Radiosendungen angehört. Jetzt kenne ich ihn ein wenig.
Interessant was er erzählt.




Spannend, sich vielschichtig zu informieren.
Der ist kein Narr, der hingibt, was er nicht behalten kann,
damit er gewinnt, was er nicht verlieren kann.
Jim Elliot

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Munro
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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Munro » Fr 11. Jan 2019, 11:20

PeB hat geschrieben:
Do 10. Jan 2019, 12:56
Kennt Jemand diese Sichtweise und die Arbeiten von Prof. Ohlig?

https://www.amazon.de/Die-dunklen-Anf%C ... ords=Ohlig

http://inarah.de/sammelbaende-und-artik ... er-1-teil/
Wer den Begriff muhammad anhand seiner Genese... >Editiert. Full Quotes sind nicht erwünscht.<


OMG! :roll:

Geh's au no e bissl länger? :roll:

Wer soll denn de ganze Sermom läääääse? :roll:
Zuletzt geändert von Travis am Fr 11. Jan 2019, 12:52, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Editiert. Full Quotes sind nicht erwünscht
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

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Travis
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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Travis » Fr 11. Jan 2019, 11:26

Wenn Dir das zu lang ist, weshalb machst Du dann einen FullQuote? Bitte nimm den wieder heraus.
1Sam 3,9b "Rede, HERR, denn dein Knecht hört."

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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Munro » Fr 11. Jan 2019, 11:31

Ich habe den FULL QUOTE genau in dieser Absicht gemacht, um zu demonstrieren, wie lang der Beitrag ist.

Ich dachte, das wäre jedem sofort begreiflich.

Humor und Satire scheint deine starke Seite nicht zu sein.
Denn wir kämpfen nicht für Ruhm, nicht für Reichtümer oder Ehren, sondern wir kämpfen einzig für die Freiheit, die kein ehrenhafter Mann aufgibt, wenn nicht zugleich mit seinem Leben.

1Johannes4
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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von 1Johannes4 » Fr 11. Jan 2019, 11:52

Hallo zusammen,

Leute mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung werden sicherlich Probleme mit dem Aufrechthalten der Konzentration beim Lesen längerer Texte haben. Nur aber, weil man selber das nicht kann, sollte man nicht glauben, dass das Anderen auch so geht. Deswegen braucht man aber nicht generell in einem Forum auf längere Texte verzichten, da dies oft auch nötig ist um einem Thema eine gewisse Tiefe zu verleihen bzw. Missverständnisse zu vermeiden.

Die Arbeit von diesem Professor kenne ich nicht, aber mein erster Eindruck nach dem Lesen dieser Ausschnitte ist, dass diese Interpretation nicht wirklich zwingend ist.

Grüße,
Daniel.

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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von PeB » Fr 11. Jan 2019, 11:53

Munro hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 11:20
Wer soll denn de ganze Sermom läääääse? :roll:
Bisch du etwa e Landsmann? Geh fott! :)
Deine Worte sind mein Leben. Ich freue mich von Herzen, wenn du mit mir redest, denn ich gehöre ja dir, Herr, du Allmächtiger. (Jeremia 15,16)

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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Travis » Fr 11. Jan 2019, 11:55

Munro hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 11:31
Ich habe den FULL QUOTE genau in dieser Absicht gemacht, um zu demonstrieren, wie lang der Beitrag ist. Ich dachte, das wäre jedem sofort begreiflich. Humor und Satire scheint deine starke Seite nicht zu sein.
Meidet nach Möglichkeit sog. "Full Quotes" des vorhergehenden Beitrags, und versucht nur die Kernsätze zu zitieren.
viewtopic.php?f=28&t=93

Bitte nimm Deinen FullQuote heraus, sonst mache ich das.
1Sam 3,9b "Rede, HERR, denn dein Knecht hört."

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PeB
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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von PeB » Fr 11. Jan 2019, 11:57

1Johannes4 hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 11:52
Die Arbeit von diesem Professor kenne ich nicht, aber mein erster Eindruck nach dem Lesen dieser Ausschnitte ist, dass diese Interpretation nicht wirklich zwingend ist.
Sicher nicht in allen Belangen. Bemerkenswert finde ich es aber schon, dass Münzfunde aus dem 7. Jahrhundert belegen, dass "muhammad" in der arabischen Welt bis dahin als Ehrentitel Jesu Christi verwendet wurde - bevor er zum Familiennamen eines Propheten wurde.
Deine Worte sind mein Leben. Ich freue mich von Herzen, wenn du mit mir redest, denn ich gehöre ja dir, Herr, du Allmächtiger. (Jeremia 15,16)

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Pluto
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Re: Der 'Muhammad' Jesus

Beitrag von Pluto » Fr 11. Jan 2019, 13:06

1Johannes4 hat geschrieben:
Fr 11. Jan 2019, 11:52
Die Arbeit von diesem Professor kenne ich nicht, aber mein erster Eindruck nach dem Lesen dieser Ausschnitte ist, dass diese Interpretation nicht wirklich zwingend ist.
Stimmt. Er scheint ein ensamer Rufer zu sein. Ist seine Meinung. Die meisten heologen sehen den Islam als unabhängig vom Cristentum.
Dass alle abendländischen Religionen irgendwann einmal aus dem Judentum hervorgingen (somit auch der Islam), leuchtet mir aber ein.
Der Naturalist sagt nichts Abschließendes darüber, was in der Welt ist.

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