Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Literatur, Malerei, Bildhauerei

Munro
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Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Fr 6. Sep 2019, 22:11

Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Gerade geht es hier und jetzt auf Mitternacht zu.
Die rechte Zeit, diese Geschichte zu beginnen.
Jean Paul Getty:
Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen, aber nicht die Schürfrechte.

Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Fr 6. Sep 2019, 22:14

Was ein Spaziergang von 10 min ums Haus herum werden sollte, landete dann in den un-endlichen russischen Waeldern.
Bei Perm in Russland.
Um Mitternacht.
Im Juni 2011.
Jean Paul Getty:
Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen, aber nicht die Schürfrechte.

Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Fr 6. Sep 2019, 22:16

Was ich im Walde erlebte:

Ein paar Stichworte als Überblick:

1. das geheimnisvolle Schloss
2. der wortkarge Mann
3. Mann und Frau und viele viele Schaeferhunde
4. zwei misstrauische junge Leute im Auto
5. die beiden Auto-Pfleger
6. die Maedchen in und um den Lastwagen herum
7. der kluge Mann im Eckhaus
8. Wiedersehen an der Wegkreuzung

Und das alles am ersten Abend bei einem kleinen Spaziergang in der Unendlichkeit der russischen Waelder
Jean Paul Getty:
Die Sanftmütigen werden die Erde besitzen, aber nicht die Schürfrechte.

Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Fr 6. Sep 2019, 22:18

Es wird Zeit, die Geschichte zu beginnen.

Am ersten Abend meiner schönen Zeit in Perm machte meine Gastgeberin einen kleinen Spaziergung durch die Gegend mit mir. Wieder zuhause angekommen, hatte ich Lust, einfach so auf eigene Faust noch ein wenig weiterzugehen.

Ich sagte meiner Gastgeberin also, ich würde jetzt noch etwa 10 min die Staße weitergehen, und dann wieder umkehren.

In etwa 20 min wäre ich also wieder zurück.

Aus den 20 min würden dann gefühlte 20 Stunden.

Aber ich will nicht übertreiben: Knapp vor Mitternacht war ich dann wieder zurück .....
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Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Fr 6. Sep 2019, 22:55

Es geht weiter ....

Nach 10 min, als ich gerade umkehren wollte, sah ich über die Dächer der Häuser hinweg etwas Merkwürdiges: 2 Türme, halb Kirchtürme, halb Schlosstürme.

Nicht allzuweit weg, aber auch nicht allzunah.

Ich ging nach rechts vom der Straße ab, die ich gerade eben wieder zurückgehen wollte. Das war mein erster Schritt vom rechten Wege ab ...

Die Türme hatten mich verleitet und verführt, so wie der Wolf damals das Rotkäppchen.

Aber was sollte schon passieren?

Recht neugierig ging ich in Richtung dieser Türme. Und kam an eine geheimnisvolle Villa ....
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Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Sa 7. Sep 2019, 05:43

Diese Villa muss reichen und wichtigen Leuten gehören. Sie war mit einer halbhohen Mauer umgeben, und Überwachungskameras waren auf den Bereich des Eingangs gerichtet.

Auf dem gleichen Grundstück, auch innerhalb der Mauern, war da noch ein zweiter Bau, halb Schloss, halb Kirche. Dazu gehörten die Türme, die ich von weitem gesehen hatte. Und auch die Fenster jenes Hauses sahen halb wie Kirchenfester aus, halb wie Schloss-Fenster.

Menschen sah ich keine dort.

Später, nach Tagen, war ich dann mit Elena wieder dort. Nein, sie wusste auch nicht, wem die geheimnisvolle Villa gehörte. Niemand wusste das.

Wir sprachen dann mit Leuten in der Nähe, und es fiel das Wort: "Oligarch".

Aber ich greife vor.

Zurück zu meinem ersten Tag.

Ich schaute mir die Villa an, was so von außen zu sehen war, und machte mich dann auf den Rückweg.

Der wurde dann länger als geplant ...
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Leila
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Leila » Sa 7. Sep 2019, 10:09

wir kennen den Begriff der Waldblindheit, ein Gringo wie du hats nicht leicht...
habe auch die andere Geschichte gelesen und finde, du hast das Zeug Dinge auf einfache Art und Weise zu beschreiben, ganz aus deiner Sicht. Man erlebt dich und deine Gedanken und Erlebnis Welt, die dich Umgebenden werden zur Staffage und das ist spannend zu erkennen.

Ich werde nicht ständig kommentieren, entweder ich lese oder ich lese nicht.

Die russischen Wälder... es klingt wie Musik in meinen Ohren und ich erlebe den Wald so ganz anders als du, als einen Ort an dem mir Gott besonders nahe ist, die Stille, die Aufmerksamkeit, das Vergessen des Ichs, diese und andere Komponenten nenne ich russische Seele, ein abgedroschener Begriff für den einen, für den anderen das wahre Leben :lol:

Viel Freude beim Erzählen, das ist ein wunderbares Hobby. Ich hoffe du bist auch Großvater, und kannst deinen Enkeln erzählen, von deinen Abenteuern. Ich selbst halte es mit den Regeln des heiligen Benedikt, falls dir die etwas sagen.

Liebe Grüße und erwarte von mir bitte nicht, ständig in deine Geschichten zu tauchen. Oder in deine Threads, ist mir sehr fern, alles Gute!

LG Leila

Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Sa 7. Sep 2019, 11:46

Leila hat geschrieben:
Sa 7. Sep 2019, 10:09
wir kennen den Begriff der Waldblindheit, ein Gringo wie du hats nicht leicht...

Nun ja - als Schwarzwälder kenne ich mich schon aus mit Wäldern.
Und habe normalerweise auch ein gutes Orientierungsvermögen.
Wie sich später zeigen wird - als ich trotz falscher Info dann doch noch den richtigen Weg fand.

Und OK - ich erwarte auch nicht, dass ständig kommentiert wird.
Du hast in deinem Beitrag schon gut kommentiert! :thumbup:
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Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Sa 7. Sep 2019, 11:48

Ich ging also den Weg zurück, den ich gekommen war.

Nach einer Weile aber hatte ich das Gefühl, ich müsste nun so langsam daheim sein, der Zeit und der Entfernung nach.

Doch die Holzhäuser links und rechts schienen mir merkwürdig anders, als ich sie in flüchtiger Erinnung hatte.

Anscheinend hatte ich irgendwo doch eine falsche Abbiegung genommen.

Ich ging zurück und frage die erste beste Menschenseele, die ich antraf, wo die Turkestan Straße sei.

Ein wortkarger Mann in einem Auto sagte gar nix, sondern machte nur eine Handbewegung in eine Richtung:
die Richtung, aus der ich gekommen war.

Ich zweifelte .....

Aber nun ja - der muss es ja wissen, dachte ich.

Und ging zögernd wieder dorthin zurück, woher ich eben gerade gekommen war.
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Munro
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Re: Verloren in den russischen Waeldern. Um Mitternacht

Beitrag von Munro » Sa 7. Sep 2019, 11:49

Eher widerstrebend also ging ich den Weg zurück, den ich eben gekommen war.

Mein Gefühl sagte mir: Dieser Weg ist falsch!

Mein Verstand sagte mir: Der Einheimische wird sich doch hier sicher besser auskennen als du!

Ich überlegte ....

Es wäre nicht das erste Mal, dass ich mich in einem fremden Land besser auskenne als die Einheimischen. *lächel*

Und dann: Der Mann war in jenem Auto nicht alleine gewesen, sondern in Begleitung einer jungen Frau. Und die beiden hatten in jenem Auto mehr gelegen als gesessen.

Nun frag ich euch: Wenn ihr mit eurer Freundin in den Wald fährt, und dann irgendwo im Halbdunkel parkt, um zu verrichten fromme Gebete, oder auch mehr, und dann kommt ein Fremdling und fragt euch lästige Fragen nach Straßen, die ihr selber nicht recht kennt, was macht ihr da?

Eben! Der Mann hatte mich nur schnellstes loswerden wollen und auf Geradewohl in irgendeine Richtung gezeigt.

So musste es gewesen sein. So, und nicht anders.

Und ich beschloss, meinem Gefühl mehr zu vertrauen als Handbewegungen seltsamer Männer, und kehrte zum zweiten Male um ...
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